Das Medienmenü von Frank Elstner

„Werde ich womöglich altmodisch?“

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  • Zahlen aktualisiert 25. September, 16:01 Uhr
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Für meine Sendung „Menschen der Woche“ muss ich stets aktuell auf dem Laufenden sein. Ein Großteil meines Medienmenüs ergibt sich also schon allein daraus: Ich schaue alle wichtigen Nachrichtensendungen und lese die einschlägigen Nachrichtenmagazine. Ich schaue mir Sendungen wie „Report“ und „Monitor“ an – und nach dem Tatort den Jauch. Außerdem mag ich Fernsehdokumentationen, bei denen ich etwas lernen kann. Ob das nun ein historischer Abschnitt ist oder ein neuer Fisch, der irgendwo im letzten Winkel der Erde entdeckt worden ist – ich finde es toll, mir die Welt auf diese Weise ins Wohnzimmer zu holen.

Sobald ich morgens am Frühstückstisch sitze, schlage ich zum Ärger meiner Familie eine der beiden großen Tageszeitungen auf, die wir abonniert haben. Aber das ist nun mal wichtig, wenn man, so wie ich, wie ein Schwamm alle Informationen aufsaugen will, die im Moment wichtig sind. Welche beiden Tageszeitungen das sind? Ich will keine Werbung machen, aber eine sitzt in Berlin und eine in Frankfurt.

Allerdings gehe ich auch so gut wie möglich mit der Zeit und schaue bei Twitter oder ganz allgemein im Internet, was da so läuft und welche Themen wichtig sind. Bei Facebook bin ich nicht, aber meine Kinder sind da gut vernetzt und erzählen mir, was dort diskutiert wird oder leiten es mir weiter, wenn sie dort auf etwas Interessantes stoßen.

Ich bin im Grunde ein klassischer Papierleser, aber in letzter Zeit lassen leider meine Augen ein wenig nach. Deshalb genieße ich es auch immer mal wieder, etwas auf dem iPad zu lesen – denn da kann ich die Schrift so groß machen, wie ich will. Spezielle Nachrichten-Apps nutze ich aber nicht: Ich gucke eher auf die Startseiten der einzelnen Nachrichtenseiten. Gerade wenn es Eilmeldungen gibt, finde ich es spannend, zwischen den einzelnen Seiten hin- und herzuspringen und zu schauen, wer was als erster hat und wer was in welcher Gewichtung präsentiert. Zu schauen, wer da die Nase vorn hat, das ist meine Art von Computerspiel.

„... wer da die Nase vorn hat...“ - da hat Frank Elstner, das alte Schlitzohr, doch klammheimlich eine Anspielung auf seinen größten Misserfolg eingebaut. „Nase vorn“ lief von 1988 bis 1990 dreizehn Folgen lang als große Samstagabend-Show im ZDF, bevor sie wegen schlechter Einschaltquoten eingestellt wurde. Kritiker hatten vor allem die komplizierten und sich ständig ändernden Spielregeln bemängelt. Hier gibt es eine kurzen Ausschnitt mit Frank Elstner und Desirée Nosbusch.

In den Urlaub nehme ich mir immer Lektüre mit, zu der ich sonst nicht komme. Stapelweise Bücher, von denen dann auch manche ungelesen wieder mit nach Hause genommen werden. Aber immer noch besser, als ohne etwas zu lesen dazustehen.

Da ich in fast jeder Sendung einen oder zwei Autoren zu Gast habe, muss ich zunächst mal deren Bücher lesen, damit ich im Gespräch auf dem Laufenden bin. Darunter sind manchmal natürlich auch Bücher, die mich eigentlich überhaupt nicht interessieren. Da muss ich dann durch. Das gehört zum Job. Sehr interessant fand ich dagegen die jüngsten Bücher von Frank Schätzing und Margot Kässmann. Im Moment lese ich mit großem Vergnügen „Herbstblond“, die Autobiografie von Thomas Gottschalk. Die habe ich vorab zugeschickt bekommen und kann sagen: Gottschalk ist nicht nur ein guter Fernsehmoderator, sondern auch ein guter und sehr unterhaltsam schreibender Autor.

Im Vorwort erklärt Thomas Gottschalk, dass er seine Biografie ohne den bei solchen Projekten üblichen Ghostwriter verfasst hat: „Ich mache das (gemeint ist das Warm-Up vor Fernsehshows, Anm. CK) immer noch selber, so wie jedes Wort in diesem Buch von mir stammt und nicht von einem professionellen Hilfsdichter. Die gibt es nämlich auch. Beruf: Ghostwriter. Brauchen wir nicht. Ich schreibe, Sie lesen.“

Während der erste Teil des Buches klassische Lebensgeschichte ist, nimmt sich Gottschalk im zweiten Teil allerlei generelle Themen vor – von Geld über den Glauben bis zu seiner Vaterrolle. Rezensent Tilman Krause in der Welt war davon weniger begeistert als vom ersten Teil: Man habe „bisweilen den Eindruck, hier wolle jemand endlich mal all das loswerden, was er im Kreise seiner Stammtischfreunde nicht unterbringen konnte, weil die anderen ja auch zu Wort kommen mussten."

Hier kann man einen Ausschnitt des Buches probelesen.

Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, höre ich mir gerne Hörbücher an. Ich bin natürlich verwöhnt und unterscheide sehr genau zwischen einem guten und schlechten Sprecher – und wenn ein Buch einen schlechten Sprecher hat, dann höre ich mir das nicht stundenlang an. Ich möchte da jetzt keine konkreten Namen nennen, aber manche haben eine dermaßen langweilige Stimme und einen dermaßen monotonen Stil, dass man dabei einschläft. Und das ist gerade im Auto wirklich nicht ratsam.

Radio höre ich im Gegensatz zu Hörbüchern immer seltener. Ich bin ein alter Radiohase, deswegen wird mein Herz immer an dem Medium hängen. Aber es gibt nur noch ganz wenige Programme, die mich wirklich überzeugen. Ich finde es auch schade, dass es kein großes überregionales Programm gibt, das sich dem Gesamtauftrag Bildung plus Unterhaltung verschrieben hat, und das man von Flensburg bis Garmisch und von Trier bis Frankfurt an der Oder empfangen kann.

Einer meiner Lieblingsautoren über die Jahre hinweg ist immer Peter Sartorius gewesen, vor allem seine Geschichten für die Seite 3 der Süddeutschen Zeitung. Ich lese aber auch gerne junge Autoren: Melanie Mühl in der FAZ zum Beispiel. Die hat gemeinsam mit mir meine Autobiografie geschrieben, und durch so einen persönlichen Kontakt hat man anschließend auch eine andere Beziehung zu den Texten der Person. Wenn ich mir ungefähr das Bild von jemandem vorstellen kann, dann lese ich den Text ganz anders, als wenn er von einer mir völlig unbekannten Person stammt.

Grundsätzlich spielt die zunehmende Personifizierung des Journalismus für mich eine große Rolle. Ich bin auch beim Fußball nicht für eine bestimmte Mannschaft, sondern für einzelne Spieler. Im Journalismus ist das ähnlich. Deshalb habe ich auch eine Masterclass bei der Axel Springer Akademie gemacht, in der wir junge Journalisten ausgebildet haben und uns sehr auf Bewegtbild konzentriert haben – weil wir die Charakterköpfe, die wir da versammelt hatten, auch zeigen wollten.

Krautreporter Stefan Niggemeier hat vor fast einem Jahr für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen Text über Florentin Will, einen Absolventen der Frank-Elstner-Masterclass geschrieben. Auszug: „Das Beste aber war, dass Elstner ihn später mitnahm, als er zu Jan Böhmermann ins ,Neo Magazin' eingeladen wurde, weil er wusste, dass Will ein großer Fan der Show war. Da saß er dann im Publikum. Hihi: Frank Elstner hat seinen Moderationsschüler mitgebracht. Guter Witz. Kann er mal was zeigen? Soll doch mal eine einminütige Zuschauer-Umfrage im Publikum machen.“

Was ich mir deshalb auch sehr neugierig und begeistert ansehe, ist die Webseite zuio.tv. Dort sind viele der Absolventen meiner Masterclass vertreten, und ich finde die Arbeiten toll, die junge Leute da zeigen, und es interessiert mich, inwieweit verbessern die sich? Was geht in deren Köpfen vor? Wo werde ich selbst womöglich altmodisch? Was muss ich bei mir selbst abstellen, damit ich nicht negativ auffalle und noch in die moderne Zeit passe? Die gesamte Medienwelt war noch nie so spannend wie heute, weil einfach jeden Tag etwas Neues erfunden wird.

Die Youtubisierung des Bewegtbilds wird dabei sicherlich noch viel stärker werden. Die Frage ist ja auch: Inwieweit wünscht sich der junge Mensch, der junge Medienkonsument überhaupt noch Führung? Inwieweit braucht der noch eine Programmplanung und ein Sendeschema? Oder noch viel weiter gedacht: Hat man als Lehrer oder Ausbilder überhaupt noch eine Chance, an ihn heranzukommen. Wie sehen die Dialoge in Zukunft zum großen Thema Weiterbildung aus? Findet die eher über das Internet zufällig statt? Die Medien waren noch nie so fragmentiert wie heute – aber auch noch nie so offen und durchlässig für neue Talente. Das würde ich erst mal als positiv beurteilen.

Was meinen eigenen Medienkonsum betrifft, so ist die größte Veränderung über die letzten Jahren sicherlich, dass ich nicht mehr ganz so oft klassisches Fernsehen schaue, sondern öfter auf mein iPhone. Es gibt wahrscheinlich bald die erste Epidemie von Haltungsschäden, weil alle nur noch über die kleinen Bildschirme gebeugt dasitzen.


Frank Elstner (73) hieß ursprünglich Timm und begann seine Karriere zunächst im Hörfunkprogramm von SWF und Radio Luxemburg. 1981 dachte er sich das Konzept für die TV-Show „Wetten, dass..?“ aus, die er bis 1987 moderierte. Heute führt er durch die Sendungen „Menschen der Woche“, „Die Besten im Südwesten“ (beide SWR) und „Die große Show der Naturwunder“ (ARD).

Hier kann man Frank Elstner in einer Gastrolle im Musikvideo des Panda-Rappers Cro sehen:


In der von Christoph Koch betreuten Rubrik „Medienmenü“ stellen alle zwei Wochen interessante Persönlichkeiten die Medien vor, die ihr Leben prägen. Krautreporter-Unterstützer können in der Kommentarspalte rechts oder per Mail an christoph@krautreporter.de vorschlagen, wen sie gerne in dieser Rubrik porträtiert sehen würden.

Illustration: Veronika Neubauer, Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg