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Fünf gute Nachrichten, die im Februar untergegangen sind

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Unter den vielen Nachrichten, die Tag für Tag auf uns einprasseln, verstecken sich auch positive News. Die Mitglieder der Krautreporter-Facebook-Gruppe „Gute Nachrichten – Lösungen hat die Welt“ und des KR-Discordchannels #gute-nachrichten sammeln diese Meldungen. Die folgenden fünf sind die beliebtesten, die die Mitglieder im Februar 2022 geteilt haben:

Virtuelle Realität kann dabei helfen, Angst zu bewältigen

BBC am 1. Februar 2022

Es gibt nun eine Therapie für Höhenangst, für die man nicht einmal die Sicherheit und den Komfort der eigenen Couch verlassen muss. Die englische Firma OxfordVR hat dafür ein Programm in Virtueller Realität (VR) geschaffen, das sie ganz simpel „Fear of Heights“ nennt. Dafür setzt man sich zuhause die VR-Brille auf und findet sich beispielsweise in einem virtuellen Kaufhaus wieder, das aus mehreren Stockwerken besteht. Dann kündigt eine Stimme an, die durch das Programm führen wird. Der virtuelle Führer ist der Therapeut, der auch über Spracherkennung auf die VR-Nutzer:in reagiert. So kann die Therapie auf die Patient:in angepasst werden, während sie sich langsam an verschiedene simulierte Höhen gewöhnt. In einer Vergleichsstudie hatte die VR-Therapie eine hohe Erfolgsquote.

Sicherheitslücken werden schneller geschlossen

Heise am 14. Februar 2022

Wer hat Lust auf Sicherheitslücken in Software? Kriminelle Hacker:innen und Spione vielleicht, denn die können die Lücken für Angriffe auf Computer nutzen. Für die Hacker:innen gibt es schlechte Nachrichten, gute für die Nutzer:innen: Hersteller schließen die Schwachstellen in ihren Programmen im Schnitt deutlich schneller als bisher. Das ergeben die Daten des Google-Teams „Project Zero“, das seit Jahren Fehler und Schwachstellen bei Software sucht und den Entwicklern meldet. Sind die Fehler nach drei Monaten nicht behoben, gibt das Team auf Anfrage noch eine Gnadenfrist von zwei Wochen, bevor es die Schwachstelle öffentlich macht. Das soll die Hersteller zwingen, die Lücken zu schließen. Und das scheint auch zu gelingen: Nach durchschnittlich 52 Tage seien die Sicherheitslücken geschlossen, heißt es in dem Project-Zero-Bericht, lediglich eine Firma überschritt im Jahr 2021 die letzte Frist. Vor drei Jahren hätten die Hersteller dafür noch im Schnitt 80 Tage gebraucht.

Religiöse Organisationen in Westafrika treten für moderne Familienplanung ein

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung am 17. Februar 2022

Priester:innen, Imame und andere religiöse Autoritäten sind nicht unbedingt dafür bekannt, moderne Familienplanung zu fördern. Aber gerade in Westafrika scheint die Kooperation mit religiösen Vertreter:innen dafür essentiell zu sein. Das hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgefunden. In Westafrika dominiere ein traditionelles Frauenbild. Familienplanung sei ein Tabuthema. Dabei wächst die westafrikanische Bevölkerung schneller als jede andere, was große Herausforderungen für Bildungssystem, Arbeitsmarkt und Gesundheitswesen bringt. Und da kommen die religiösen Autoritäten ins Spiel. Denn geht es um Fragen wie: Soll ich verhüten? Wie viele Kinder sollte ich haben? Dann hören drei von vier Westafrikaner:innen auf ihren Priester oder Imam. Das Berlin-Institut empfiehlt daher säkularen Organisationen, auf die religiösen zuzugehen. Denn diese zeigen in westafrikanischen Ländern durchaus Interesse an einer fortschrittlichen Familien- und Frauenpolitik: Der Sultan von Sokoto, oberster islamischer Führer in Nigeria, eröffnete 2019 eine panafrikanische Konferenz, die die Gründe für die Lücke bei der Schulbildung von Mädchen identifizieren sollte, um diese zu schließen.

Die Moderne verstehen, in klotzig

Concordia University am 22. Februar 2022

„Modern“ ist bei dem Videospiel Minecraft vielleicht nicht das erste Wort, das einem einfällt. Die Grafik ist pixelig-blockig-veraltet, das Setting erinnert an Robinson Crusoe: Man startet in einer steinzeitlichen Inselwelt, man gräbt mit primitiven Spitzhacken nach Metallen, kultiviert die wilde Landschaft und kämpft gegen die Schrecken der Nacht. In diese Welt verlegte der kanadische Englischprofessor Darren Wershler seinen Kurs über Geschichte und Kunst der Moderne, der wegen Corona ohnehin online stattfand. Minecraft nutzt er zwar schon seit ein paar Jahren, doch den kompletten Kurs darauf aufzubauen, sei neu. Minecraft ist eines der meistverkauftesten Computerspiel der Welt: weil es wie kaum ein anderes kreatives Bauen und Experimentieren ermöglicht, weil es auf fast jedem steinzeitlichen Computer läuft und weil es unendlich modifizierbar ist. Das Spiel wurde schon vielfältig für Wissensvermittlung verwendet, es gibt sogar eine spezielle Bildungsversion. Wershler nutzt Minecraft aber weder für eine spielerische Vermittlung von Kursinhalten, noch für eine Simulation der Welt der Moderne. Die Idee sei vielmehr, zwischen der Architektur, Geschichte und Kunst der Moderne auf der einen Seite und Minecraft auf der anderen eine Art allegorische Verbindung zu finden. Die Studierenden bauten zum Beispiel das berühmte modernistische Bauwerk Habitat 67 in Montreal nach – eingebettet in eine Welt, in der ab und zu auch Zombies die Baustelle angreifen.

Freier Mobilfunk für die Ukraine

Telekom AG am 25. Februar 2022

Wenn Konzerne plötzlich öffentlichkeitswirksam Solidarität zeigen, kann das auch ein Versuch sein, von inkonsequentem Handeln an anderer Stelle abzulenken. Die Telekom beispielsweise hat sich den Sanktionen gegen Russland noch nicht angeschlossen: Noch immer betreibt der Konzern seine Software-Entwicklung in Sankt Petersburg mit 2.000 Mitarbeiter:innen – und das, obwohl die Telekom zu Teilen dem deutschen Staat gehört. Dennoch: Einen Tag nach dem Beginn von Putins Angriff schaltete die Telekom Anrufe, SMS und Roaming in der Ukraine kostenlos frei. Wenig später bot sie ukrainischen Geflüchteten kostenlose SIM-Karten an. Das Telekom-T in der Browserleiste erscheint auf der Internetseite nun in ukrainischem Gelb und Blau. Vodafone gab ebenfalls seinen Mobilfunk in der Ukraine kostenlos frei.


Redaktion: Hans Böhringer, Bildredaktion: Philipp Sipos, Audioversion: Christian Melchert

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