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Trotz allem: Frau Mydlowski wird Lehrerin!

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Mit drei großen Sprüngen nähert Dennis sich dem Luftballon, der vor der Tafel auf dem Boden liegt. Dennis bückt sich, zerknautscht den Ballon zwischen den Händen, wirft ihn hoch und holt aus.
Patsch!
Voll gegen Frau Mydlowskis Kopf.
„Dennis!“
Laura Mydlowski schüttelt den Kopf, dreht sich um. Dennis motiviert das nur noch mehr. Der Luftballon schubbert, als der Drittklässler ihn an ihren Haaren reibt. Einige stehen ihr jetzt zu Kopf.
„Hör auf!“, ruft die Lehrerin.
Aber Dennis hört nicht auf.
Er pocht mit seiner Faust gegen ihre Schulter. Dann reibt er ihren Kopf, wie eine Großmutter, die ihre Nichte neckt.
„Das kannst du nicht machen!“, sagt sie. „Es reicht!“

Später, als Dennis auf dem Schulfhof spielt, sagt Laura Mydlowski: „Das war gut, alles gut. Die Kinder haben gut mitgemacht, sehr gut.“

Zum zweiten Mal in ihrem Leben steht Laura Mydlowski hier, im hessischen Offenbach, als Lehrerin vor einer Klasse. Die Zwanzigjährige müsste hier nicht stehen, eigentlich sind Ferien, sie macht es trotzdem. Freiwillig und ehrenamtlich. Nach ihrem Lehramtsstudium möchte sie Französisch und Physik unterrichten. Sie ist hier, weil sie noch besser darin werden will.

Millionen Eltern haben während der Corona-Pandemie schlechte Erfahrungen mit den untergetauchten Lehrkräften ihrer Kinder gemacht – so die öffentlichen Beschwerden. Faul, digital abgehängt, kritikresistent; mal wieder steht eine ganze Berufsgruppe unter Verdacht, besonders wenig zu können und besonders wenig zu wollen. Gleichzeitig landen überdurchschnittlich viele Lehrkräfte im Burnout. Schlechter Ruf, miese psychische Gesundheit, wo führt das hin?

Schon in vier Jahren sollen laut Bertelsmann Stiftung über 25.000 Lehrer:innen fehlen. Laura Mydlowski will eine von denen werden, die weder untertauchen, noch fehlen. Sie ist hochmotiviert, es besser zu machen. Was treibt junge Lehramtsstudent:innen heute an? Weiß sie, worauf sie sich da einlässt? Und was für eine Lehrerin will sie sein? Ich habe Laura Mydlowski zwei Tage lang begleitet und auch Antworten auf eine Frage gefunden, die ich gar nicht gestellt hatte: Warum das Schulsystem ist, wie es ist.

Laura Mydlowski ist jetzt schon die Ausnahme

Laura Mydlowskis Weg ins Lehrerzimmer der Goetheschule Offenbach begann im neunten Stock eines Frankfurter Hochhauses. In der Zwei-Zimmer-Wohnung in Fechenheim wohnte sie teilweise mit ihren Eltern, ihrer Tante und ihrem Onkel, mit ihrer Schwester teilte sie sich ein Bett. Ihre Kinderbeine schleppten sie jahrelang in den neunten Stock – der Aufzug sei eigentlich immer kaputt gewesen. Geplant war das alles nicht. Ihre Eltern wollten in den 1990er Jahren nur für kurze Zeit weg aus ihrem kleinen Dorf in Polen, östlich von Warschau. Die Mutter arbeitete dort als Beraterin in einer Bank, in Frankfurt ließ sie sich zur Steuerfachkraft weiterbilden. Der Vater machte sich wieder selbstständig. In Polen verkaufte er Parfüms, in Deutschland Brötchen. Am Ende war die Arbeit in Deutschland zu sicher, das Leben zu voll, um einfach wieder zu verschwinden. Familie Mydlowksi blieb.


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Als ich höre, dass Laura Mydlowskis Eltern aus Polen kommen, denke ich an meine Lehrer:innen. Sie hießen Schulmeister, Eichler, Kuschel, Schürmann, Horns und Heinz. Laura Mydlowski sagt, vielleicht verstehe sie Kinder mit Migrationshintergrund besser als Lehrer:innen, die aus Deutschland kommen und ich denke: Wahrscheinlich hat sie recht. Lehrkräfte begleiten Schüler:innen oftmals jahrelang, sind Ratgeber:in, Vertrauensperson und oft auch Vorbild. Laut Mikrozenzus hatten 2020 mit 38 Prozent über ein Drittel aller Schüler:innen einen Migrationshintergrund, bei den Lehrkräften waren es 2016 nur 7,8 Prozent. Seitdem dürfte sich daran wenig geändert haben.

Die Goetheschule in Offenbach ist außen schick und innen Linoleum. Pro Stockwerk versteckt sich ein kleines, angerostetes Waschbecken an den orangenen Wänden. Im Erdgeschoss hängt ein ausgedruckter Zeitungsartikel hinter einer Glasscheibe: Schüler demonstrieren vor dem Rathaus für die Renovierung ihrer Schule. Für sichere Fluchtwege. Und dafür, dass es im Gebäude nicht immer so stinkt. Ob sie es nicht frustriert, dass ihr Arbeitsplatz später mal so aussehen wird? „Das ist halt Offenbach“, sagt sie. „Die Stadt hat viele Probleme.“ Ich denke an die vielen Schulen, die ich schon von innen gesehen habe, und zweifle daran, dass es wirklich an Offenbach liegt.

Der Flur in der Goetheschule Offenbach.
Der Schulflur ist ein Traum in Linoleum.

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Im zweiten Stock der Goetheschule finden zum ersten Mal die Lernferien der Hamburger Initiative „Climb“ statt. Das steht für „Clever lernen, immer motiviert bleiben.“ In 13 Städten nutzt die Initiative die leerstehenden Klassenräume während der Ferien, um arme und armutsgefährdete Schüler:innen auch dann Mathe und Deutsch zu lehren, wenn die meisten anderen Kinder mit ihren Eltern im Urlaub oder auf dem Bolzplatz sind. Alle, die hier unterrichten, tun das ehrenamtlich. Alle, die hier unterrichten, sind Frauen. Das sind vor allem Quereinsteigerinnen, die schauen wollen, ob der Lehrerberuf etwas für sie ist. Laura Mydlowski ist die einzige Lehramtsstudentin unter ihnen.

Warum gehe ich zur Schule? Um selbst mal Lehrerin zu werden

In die Schule musste Laura sich nie schleppen, sie liebte es dort. Mit acht lernte sie zu kochen (Nudeln mit Pesto), mit zwölf, sich ein Ziel zu setzen (ein guter Abschluss) und mit 14, sich selbst zu verteidigen (beim Boxen). Ihr Vater sagte: Jungs haben das im Blut, die können auch mal draufhauen, wenn es sein muss. Mädchen müssten das erst lernen.

In der neunten Klasse hatte Laura mal keine Lust auf Unterricht, erzählt sie. „Da dachte ich: Warum gehe ich eigentlich zur Schule?“ Und die Antwort war: um selbst mal Lehrerin zu werden. Anderen etwas von ihrem Wissen abzugeben, macht ihr Spaß.

Laura Mydlowski bückt sich zu einer Schülerin an den Tisch und erklärt ihr eine Aufgabe.
Hä? Ich verstehe die Aufgabe nicht!

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Die Lernferien werfen Laura Mydlowski ins kalte Lehramtwasser. In ihre Climb-Klasse, die Tigerklasse, gehen neun Schüler:innen von der ersten bis zur vierten Stufe. Alle haben einen Migrationshintergrund. Zum zweiten Mal ist sie hier Lehrerin. Als ich sie besuche, trägt sie eine pinke Adidas-Trainingsjacke und große, runde Ohrringe, am darauffolgenden Tag Lederstiefel, die bis über die Knie gehen. „Kinder! Was sagen wir morgens immer?“, ruft sie. Die Kinder antworten im Chor: „Guten Morgen Tiger, wir sind Sieger!“ Ein Mädchen summt hinterher: „Guten Morgen Tiger, wir sind müde ...“

Heute steht Mathe auf dem Stundenplan. Laura Mydlowski greift in einen kleinen Karton, in dem lauter bunte, abgebrochene Kreidestücke liegen. Sie schreibt auf die nasse Tafel, man sieht nichts. Sie drückt fester auf, man sieht nichts. Schließlich wischt sie mit einem Handtuch nochmal über die dunkelgrüne Fläche. Letzter Anlauf: Man sieht was. Eine Aufgabe nach der anderen erscheint an der Tafel.

5 + 3 = ?

Zwei Jungs schreien durch die Klasse: „Das ist ja pipi-einfach! Sieben! Seven!“

7 + 9 = ?

Die achtjährige Yansel schaut Laura mit großen Augen an. „Komm mal nach vorn und rechne“, sagt Laura. Yansel schüttelt den Kopf. „Komm, wir rechnen zusammen.“ Yansel tippelt nach vorne. Laura nimmt ihre Finger und rechnet Finger für Finger, Ziffer für Ziffer. Yansel macht es ihr nach. Dabei nennt das Mädchen Laura Mydlowksi ständig beim Vornamen. „Ich heiße Frau Mydlowski“, sagt sie dann jedes Mal. „Du musst mich siezen.“

Man muss für sein Fach brennen – sonst wird das nichts

Die wichtigsten Werte sind Ehre und Respekt, sagt Mydlowski mir später. „Man muss Respekt haben.“ Vor anderen Leuten, aber auch vor sich selbst, also: Selbstachtung, Selbstbewusstsein, zufrieden sein damit, wie man ist. Das haben ihre Eltern ihr beigebracht. „Die wollten, dass ich mich nicht unterkriegen lasse, dass ich weiß, dass ich alles schaffen kann.“ Wenn du als Lehrerin nicht dafür sorgst, dass die Schüler dich respektieren, bist du verloren, sagt sie. „Die Schüler sind nicht auf meiner Ebene. Die Schüler sind eine Ebene unter mir.“

Diese Einstellung ist schon fast oldschool. Heute gelten Lehrer:innen in manchen Schulen vor allem als Lernbegleiter, auf Augenhöhe der Schüler:innen. Sie stupsen die Kinder in die richtige Richtung, aber welche Richtung das ist, sollen die Schüler:innen auch mal selbst herausfinden. Es gibt demokratische Schulen, an denen die Kinder jeden Tag selbst entscheiden, was sie lernen. Laura Mydloswki will das nicht. „Mich interessiert, was die Schüler interessant finden, aber es gibt nun mal einen Lehrplan. Und mit 14 wissen die meisten nicht, was gut für sie ist und was nicht.“

Laura Mydlowski reicht einem Schüler ein Stück Kreide.
„Na dann zeig mal, was du kannst!“

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Wichtiger sei es, auf die Schüler:innen einzugehen, sagt sie. „Manche lernen schnell, manche langsam, du kannst nicht einfach dein Tempo vorne machen und alle müssen sich anpassen. Das funktioniert nicht. Aber mich stresst schon sehr, wenn es mehr um das Verhalten der Kinder als um das Fach an sich geht.“

In Mathe sind am zweiten Tag Multiplikation und Division dran. Laura Mydlowski schreibt Beispiele an die Tafel, daneben schreibt sie, wie man diese Art des Rechnens nennt:

Zerlegung mit Addition.
Zehnerzerlegung.
Einerzerlegung mit Addition.

Die Erstklässler schauen sich ratlos um.

„Wenn du eine Zahl durch die gleiche Zahl teilst, kommt was immer raus?“, fragt sie.
Niemand antwortet.
„Am Gymnasium fragen die Kinder wenigstens, wenn sie was nicht verstanden haben“, raunt Laura Mydlowski nach der Stunde.

Ob das wirklich so ist, kann sie nur hoffen. Sie hat noch nie selbst am Gymnasium unterrichtet. Sie sagt: „Didaktik und Pädagogik ist schon wichtig, aber eigentlich geht es mir um meine Fächer.“

Angst vor Burnout hat sie nicht

Für Laura Mydlowski ist Physik kein Fach, sondern eine Leidenschaft, sagt sie. In der Tigerklasse lässt sie die Kinder Eis und eine Schüssel Wasser auf eine Waage stellen, um zu gucken, was schwerer ist. Sie legen Eis ins Wasser, um zu gucken, ob es oben schwimmt oder untergeht. Mydlowski wirft einen Stein ins Wasser, um zu gucken, in welcher Form sich die Wellen ausbreiten. Kreisförmig!

Ein Junge fragt: „Warum brauchen wir sowas?“
Sie sagt: „Weil ihr Forscher seid und Forscher müssen forschen!“

Klausuren schreiben, in Physik – „das ist doch sinnlos“, sagt sie mir nach der Stunde. Wenn sie fertig ausgebildete Lehrerin ist, will sie ihren Schulleiter davon überzeugen, keine einzige Klausur schreiben zu müssen mit ihren Schülern. Die sollen lieber alles ausprobieren, Erklärvideos drehen, Portfolios erstellen, Referate halten, am Ende mal eine Zusammenfassung eines Themas schreiben, um es wirklich zu verstehen, Klausuren könne man in Mathe schreiben – „aber Physik“, strahlt Laura, „muss man erleben.“

Laura Mydlowksi bückt sich zu einem Jungen herunter und reden mit ihm.
Vielleicht machen wir lieber Mathe, statt uns Stifte ins Ohr zu stecken?

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Die Unterrichtsstunden der Lernferien dauern eigentlich eineinhalb Stunden, davon wirklich zu gebrauchen sind nie mehr als 45 Minuten. Spätestens dann fangen die ersten Kinderbeine an unter den Tischen zu tippeln, die ersten Schüler:innen stehen unvermittelt von ihren Plätzen auf und laufen durch den Raum. Je länger die Stunde geht, desto unruhiger wird es in der Tigerklasse. Als sich das Mittagessen nähert, hört kaum noch ein Kind zu. Dennis, der Junge mit dem Luftballon, zieht seine Arme in seinen Pullover, und schlägt mit den Ärmeln um sich. Laura Mydlowski bekommt das gar nicht mit. Ihre Augen müssen gerade überall sein.

Neben der Lehrerin sind jede Stunde noch drei Kolleg:innen mit im Raum: eine hat den Hut auf – Laura Mydlowski –, zwei sind die sogenannten Augen und behalten die Kinder im Blick. Eine weitere Person macht Pause. Voraussetzungen, die es so in keiner Schule Deutschlands gibt. Betreuungsschlüssel der Tigerklasse: eine Lehrkraft, zwei Kinder. Betreuungsschlüssel der meisten Klassen in Deutschland: eine Lehrkraft, 30 Kinder. Tendenz: steigend. Denn es fehlen nicht nur jetzt schon zu viele Lehrkräfte. Selbst von denen, die Lehramt studieren, wollen über 30 Prozent nach dem Studium gar nicht an einer Schule arbeiten. Auch Laura kann sich vorstellen, später neben der Schule auch als Dozentin an der Uni zu bleiben.

Der Lehrermangel spitzt sich auch zu, weil sich der Job in den letzten Jahren radikal verändert hat. Digitalisierung, Inklusion, Integration – die Aufgaben werden immer mehr und so richtig vorbereitet werden die Lehrkräfte darauf nicht. In diesem Zusammenhang erkläre ich, wie es soweit kommen konnte.

Knapp ein Viertel aller angehenden Lehrer:innen leidet unter Burnout-Symptomen, noch bevor sie überhaupt angestellt werden. Fast ein Drittel verlässt bereits in den ersten fünf Jahren wieder die Schule, das fanden Forscher:innen der Universität Halle-Wittenberg heraus. Wie man dafür sorgt, dass Stress nicht krank macht, das lernen Lehrer:innen in ihrem fünfjährigen Studium nicht.

Mydlowski hat davor keine Angst. Ob sie glaubt, dass sie das auch dann noch denkt, wenn sie Klassenfahrten organisieren, den Elternabend vorbereiten, Schüler verarzten, Streitereien schlichten, Mobbing verhindern, Elterngespräche führen, Projekttage umsetzen, einem geflüchteten Jungen mit den Vokabeln helfen und den Unterricht vorbereiten muss? „Das werde ich dann sehen. Es gibt Strategien und die kann man anwenden, wenn es zu stressig wird.“

Die Herkunft von Lehrer:innen spielt eine viel größere Rolle, als wir glauben

In ihrem eigenen Politikunterricht hat Laura Mydlowski gelernt, welche Art Lehrerin sie nicht werden will. „Mein Lehrer war sehr unfair!“, erzählt sie und klingt empört. Warum unfair? „Er hat Leuten, die viel, viel, viel schlechtere Noten verdient haben, viel zu gute Noten gegeben.“

Laura Mydlowski sitzt in der Pause am Lehrerpult.
Hinsetzen, durchatmen, die letzte Stunde durch den Kopf gehen lassen, die nächste planen.

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Ich hake nach: Ist das denn so schlimm – welche Schülerin beschwert sich über zu gute Noten? „Es gibt halt Schüler, die sich anstrengen, die gute Leistung bringen. Die, die sich nicht anstrengen, müssen das auch spüren und sollen nicht belohnt werden dafür. Wer eine schlechte Leistung bringt, hat keine gute Note verdient.“

An dieser ewigen Wahrheit unseres Schulsystems wird heute eigentlich kräftig gerüttelt. Die Forderungen, Noten ganz abzuschaffen, oder zumindest niemanden mehr mit schlechten Noten zu bestrafen, werden mehr und lauter. Mydlowski findet Noten wichtig: „Mir hat es immer geholfen zu wissen, wie gut ich bin.“

Als sie das sagt, beantwortet sie eine Frage, die ich ihr nie gestellt habe. Wir sehen Lehrer:innen immer nur da, wo sie gerade sind: im Schulsystem, also: gefangen. Wir fragen nie: Woher kommst du? Die Antworten sind nämlich nie gleich, haben aber genauso Einfluss darauf, wie Schüler:innen lernen und ob sich das System wandelt oder nicht.

Die Herkunft der Lehrer:innen, ihre Werte und Überzeugungen sind die großen Unbekannten, wenn man sich fragt, warum das Schulsystem ist, wie es ist. Denn ein Teil der Antwort lautet: weil die Lehrer:innen sind, wie sie sind.

Wer Lehrer wird, hat vom System profitiert, sonst hätte er oder sie nicht die nötigen Abschlüsse, nicht die nötigen Noten. Sich gegen dieses System aufzulehnen, ist jedes Mal eine kleine Revolution.

Müsste man nur das Schulsystem ändern, damit sich all das ändert, was heute schiefläuft? Wahrscheinlich nicht. Wird sich das Schulsystem zwangsläufig ändern, wenn immer mehr junge Menschen in den Schulen unterrichten? Nach zwei Tagen in Offenbach denke ich: Wahrscheinlich auch das nicht.

In den Pausen sitzt Laura Mydlowski alleine im leeren Klassenraum. Sie denkt an die letzte Stunde. Als Dennis ihr einen Luftballon ins Gesicht geworfen hat, war sie überfordert, das weiß sie. Das darf sie im dritten Semester auch sein, das ist okay, auch das weiß sie.

Laura Mydlowski unterrichtet, wie sie unterrichtet, weil sie die Lehrer:innen hatte, die sie hatte. Weil sie die Eltern hat, die sie hat. Deswegen sind ihr Respekt und Ehre wichtig – nicht weil das Schulsystem oder ihr Studium es so von ihr verlangen.

Und noch wichtiger: Sie wird Lehrerin, weil sie es wirklich will. Das sind die Lehrer:innen, die Deutschland braucht, die wir in diesem System nicht kaputtmachen dürfen. Laura Mydlowski ist wichtig, dass Kinder etwas lernen, damit sie es im Leben zu etwas bringen. So wie sie nämlich.


Redaktion: Lisa McMinn, Schlussredaktion: Susan Mücke, Fotos: Bent Freiwald, Fotoredaktion: Till Rimmele, Audioversion: Christian Melchert

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