© GMH/BDC

Zuversicht

Fünf gute Nachrichten, die im September untergegangen sind

Autorinnen des Artikels
etwa 4 Min. Lesedauer

Unter den vielen Nachrichten, die Tag für Tag auf uns einprasseln, verstecken sich auch positive News. Die Mitglieder der Krautreporter-Facebook-Gruppe „Gute Nachrichten – Lösungen hat die Welt“ sammeln diese Meldungen. Die folgenden fünf sind die beliebtesten, die die Mitglieder im September 2021 geteilt haben:

1. Diese Frau bringt indigene Pfirsichsorten zurück

Atlas Obscura am 28.07.2021

Pelzige Haut, rot und grün gefärbt, und so groß wie eine Aprikose – nach über hundert Jahren gibt es wieder heimische Pfirsichsorten im US-Bundesstaat Utah, wie sie sie einst von der indigenen Gruppe der Navajo gezüchtet wurden. Reagan Wytsalucys Familie ist selbst Teil der Navajo, wuchs aber sehr verwestlicht auf. Ihr Vater leitete sogar mehrere McDonalds-Filialen im Reservat. Im Studium begann sie, sich mit Botanik zu beschäftigen und ihr Vater erzählte ihr zum ersten Mal von den Pfirsichen seiner Kindheit. Die Navajo züchteten jahrhundertelang Pfirsiche, bis ein britischer General 1863 das Land für sich beanspruchte und die Pfirsichbäume niederbrennen ließ. Wytsalucy machte sich auf die Suche nach alten Pfirsichsorten, die sich vor allem an den Orten erhalten konnten, an denen die Navajo ins Exil geflohen waren. Drei Jahre dauerte es, bis sie ihren ersten Pfirsichkern in der Hand hielt. Inzwischen hat Reagan Wytsalucy die Geschichten vieler Menschen gesammelt, um mehr über den Erhalt und die Rituale rund um die Pfirsiche zu lernen und damit einen Teil der Navajo-Traditionen zu erhalten.

2. Licht aus für die Umwelt

Earth Night am 07.09.2021

Bei der Earth Night am 7. September wurde weltweit dazu aufgerufen, ab 22 Uhr das Licht auszuschalten, um auf Lichtverschmutzung aufmerksam zu machen. Künstliches Licht, das in den Himmel gestrahlt wird, sorgt vor allem über Städten immer wieder dafür, dass es auch nachts nie wirklich dunkel wird. Das stört nicht nur unseren Schlafrhythmus und unser Wohlbefinden, sondern gefährdet viele Insekten und nachtaktive Tiere, die die Dunkelheit zum Jagen und Überleben brauchen. Mit dem Slogan „Licht aus! Für wenigstens eine dunkle Nacht pro Jahr!“ macht die Initiative Earth Night seit 2019 auf dieses Problem aufmerksam. Wer nachts arbeiten muss oder auf das Leselicht nicht verzichten will, kann auch einfach die Vorhänge schließen – so bleibt das Licht in der Wohnung und die Nacht trotzdem dunkel. Die Initiative appelliert aber nicht nur an Privatpersonen: Ein Großteil der Lichtverschmutzung entsteht durch Werbeanzeigen, das Anstrahlen von Gebäuden und übermäßige Straßenbeleuchtung. Die Gemeinden Bernau am Chiemsee, Aschau im Chiemgau und Röthlein haben bei der Earth Night ihre Straßenbeleuchtung abgestellt. Natürlich nicht auf Kosten der Sicherheit: Mögliche Gefahrenstellen wurden mit Blinkleuchten gesichert.

3. Wer öfter die Füße hochlegt, arbeitet besser

Makronom am 26.08.2021

Erste Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die kürzer arbeiten, produktiver sind. In einer Analyse mehrerer Studien zu dem Thema stellte die Universität Bielefeld fest, dass kürzere Arbeitszeiten dafür sorgen, dass Angestellte besser mit Stress klarkommen, mental und körperlich gesünder sind und effizienter arbeiten. Das deckt sich auch mit den Wünschen vieler deutscher Beschäftigter: 60 Prozent der Beschäftigten gaben im Jahr 2017 an, lieber weniger arbeiten zu wollen, als es in ihrem Arbeitsvertrag steht. Wer zu viele Stunden im Büro verbringt, erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das ergab eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Ein einfacheres Reduzieren der Arbeitszeiten würde für viele jedoch finanzielle Einbrüche bedeuten. Makronom schlägt deswegen vor: Wenn ich in sechs Stunden die gleiche Leistung bringe wie in acht, sollte ich auch genauso viel verdienen.

4. Pilze gegen den Welthunger

Gemüse Online am 10.09.2021

Wer glaubt, ein Pilz bestehe nur aus einem Hut und einem dicken Stiel, ignoriert den größten Teil des Gewächses. Das Mycel, also die Pilzwurzel, kann sich über mehrere Quadratkilometer Fläche erstrecken. Was wir über der Erde sehen, sind in erster Linie Fruchtkörper, wie Äpfel oder Tomaten. Unter dem Mikroskop erkennt man aber, dass der Pilz und seine Wurzel aus den gleichen Fasern bestehen. Das heißt, die vielen Quadratkilometer Pilzwurzel sind ebenfalls essbar. Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen haben das Geflecht auf seine Inhaltsstoffe untersucht und entdeckt, dass die Wurzel voller Mineralstoffe, Vitamine und Proteine steckt. Damit eignet sie sich besonders gut als Fleischersatz und kann helfen, den Fleischkonsum weiter zu reduzieren. Weil die Pilzwurzeln sich so weit ausbreiten, versprechen sie aber vor allem eine reiche Quelle an Nahrung, die vielen Menschen Lebensmittel liefern kann.

5. Der Baum baut mit

Technische Universität München am 26.08.2021

Stellt euch vor, euer Haus lebt und wächst um euch herum. Die Baubotaniker:innen der Technischen Universität München bauen mit lebenden Bäumen und nutzen sie als Stützen für Pavillons, Balkone oder um Hausfassaden zu kühlen. Mit 3D-Scans ermitteln die Wissenschaftler:innen, wie die Bäume weiter wachsen und passen ihre Pläne daran an. „Wir spielen Pingpong mit dem Baum“, sagt Ferdinand Ludwig, der das Projekt leitet. „Wir machen einen Aufschlag, er schlägt zurück und dann müssen wir schauen, ob das mit unserem Plan übereinstimmt.“ Die zunehmende Versiegelung von Grünflächen begünstigt den Klimawandel und sorgt dafür, dass Städte immer wärmer werden. Lebendige Bäume in Gebäude zu integrieren, sorgt dafür, dass die Hitze der Sonne nicht einfach vom Asphalt aufgenommen und abgestrahlt wird. Bäume und Pflanzen nehmen die Hitze auf und kühlen so ihre Umgebung ab. Ludwigs Projekt eröffnet somit neue Möglichkeiten, Grünflächen in Städten zu erhalten.


Redaktion: Svenja Schlicht, Schlussredaktion: Susan Mücke, Audioversion: Christian Melchert

Prompt headline