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Fünf gute Nachrichten, die im Juli untergegangen sind

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Unter den vielen Nachrichten, die Tag für Tag auf uns einprasseln, verstecken sich auch positive News. Die Mitglieder der Krautreporter-Facebook-Gruppe „Gute Nachrichten – Lösungen hat die Welt“ sammeln diese Meldungen. Die folgenden fünf sind die beliebtesten, die die Mitglieder im Juni 2021 geteilt haben:

1. Roßtal macht vor, was die EU plant

Bayerischer Rundfunk am 02.07.2021

Das Ende von Styroporpackungen, To-Go Bechern und Plastikbesteck steht bevor – seit dem 3. Juli gelten in der Europäischen Union neue Regelungen für Plastikverpackungen. Jetzt heißt es, Alternativen finden, denn Einwegverpackungen sind seither nicht mehr erlaubt. Das bayerische Roßtal hat das allerdings wenig beeindruckt. Denn bereits seit 2014 verzichtet die Gemeinde weitestgehend auf Plastikverpackungen. Angefangen hatte es mit einer Tauschaktion: Die Bewohner:innen konnten ihre Plastiktüten gegen Baumwolltaschen eintauschen. Inzwischen sieht man die 10.000 Einwohner:innen regelmäßig mit Körben und Jutebeuteln in den Geschäften. Der Verzicht auf Plastikverpackungen war hier immer freiwillig. Rechtlicher Druck war nie nötig, im Gegenteil: Ein lokales Unternehmen stellt sogar Baumwolltaschen für den Handel her.

2. Zürcher Training zeigt Wirkung gegen wiederholte häusliche Gewalt

SRF am 30.06.2021

Schon seit einigen Jahren gibt es in Zürich ein verpflichtendes Training für alle, die gegenüber der eigenen Familie gewalttätig geworden sind. Täter lernen dort, Konflikte gewaltfrei zu lösen, über ihr Verhalten zu reflektieren und einen Notfallplan für künftige Konflikte zu erstellen. Und das erfolgreich, wie eine Studie jetzt zeigt. Innerhalb von zwei Jahren wurden nur knapp fünf Prozent der Täter nochmals gewalttätig, wenn sie an dem Programm teilgenommen hatten. Zum Vergleich: Von den Tätern, die den Kurs nicht belegten, wurden über 17 Prozent rückfällig. Die Zürcher Justizdirektorin Jaqueline Fehr sieht den Erfolg des Projekts vor allem für Familien: „Kinder verlieren ihren Vater nicht, Familien werden nicht auseinandergerissen und Leidensphasen verhindert.“ Zudem wurde das Programm im vergangenen Jahr ausgeweitet. Seit Juni 2020 können potenzielle Täter auch vor einer Verurteilung ein Gewalttraining auferlegt bekommen. Dadurch stieg die Teilnehmer:innenzahl im vergangenen Jahr nochmal stark an.

3. Landwirt:innen verzichten auf Teile ihrer Ernte, um den Feldhamster zu schützen

Landvolk Niedersachsen am 14.06.2021

Der Feldhamster gilt in Deutschland seit einigen Jahren als stark gefährdet. Durch Erntemaschinen, Pestizide und Düngemittel verliert er immer weiter an Lebensraum. Um das Aussterben des kleinen Nagers zu verhindern, hat die Stiftung Kulturpflege in der Region Hannover die Aktion „Hoher Halm“ ins Leben gerufen. Dabei schneiden Landwirt:innen die Halme bei der Ernte erst auf einer Höhe von mindestens 30 Zentimetern ab, um den Lebensraum des Feldhamsters nicht zu zerstören. Außerdem sparen sie Streifen ihrer Felder bei der Ernte aus, sodass an diesen Stellen Futter und schützendes Dickicht für den Nager erhalten bleibt. Bisher beteiligen sich 28 Landwirt:innen in der Region Hannover an dem Projekt. Die schützenden Maßnahmen für den Feldhamster bedeuten für sie lediglich einen Ernteverlust zwischen fünf und 15 Prozent.

4. Acht kleine Länder im Pazifik revolutionieren die industrielle Fischerei

The Guardian am 16.06.2021

Acht pazifische Staaten haben sich nach 40 Jahren der Zusammenarbeit eine halbe Milliarde Dollar im Jahr und vollkommene Kontrolle über die lokalen Fischereigebiete erkämpft. Rund um Papua-Neuguinea, die Salomon-Inseln, Kiribati, die Marshall-Inseln, Tuvalu, Nauru, Mikronesien und Palau wurden bis in die 1980er Jahre hinein große Aufkommen an Thunfisch von Großmächten wie Japan, den USA oder der Europäischen Union abgefischt. Von den Profiten sahen die acht Länder nichts. Bis sie 1982 beschlossen, ihren Teil der Gewinne abhaben zu wollen. Anstatt sich beim Versuch gegenseitig auszuspielen, den besten Preis für Fischereilizenzen zu ergattern, haben sich die beteiligten Staaten ein anderes Konzept überlegt: Gemeinsam errechnen sie die Menge an Thunfisch, die mit Rücksicht auf die Umwelt gefischt werden kann und brechen diese Menge auf Tage herunter, an denen gefischt werden darf. Die Fischereilizenzen für diese Tage können große Konzerne dann ersteigern. Das belässt nicht nur die Kontrolle über die Industrie bei der jeweiligen Region und sorgt für Wohlstand und Unabhängigkeit, sondern schützt auch die Gewässer vor Überfischung.

5. Saudischer Islamgelehrter unterstützt Frauen als Richterinnen, Anwältinnen und Muftis

Mena-Watch am 14.06.2021

Für Ahmed al-Ghamdi ist es ganz klar: Es gibt keinen religiösen Einwand dagegen, dass Frauen angesehene Berufe bekleiden. Für den saudischen Islamgelehrten ist das sogar im öffentlichen Interesse. Viele Frauen seien nicht in der Lage, einem männlichen Richter bestimmte Dinge zu offenbaren. Da sei es nur angemessen, dass einige Frauen als Richterinnen ernannt werden, um sich mit vielen Themen zu befassen, die etwa mit Frauen und Familienleben zu tun haben. Die Frau müsse eine echte Partnerin in allen Bereichen des öffentlichen Lebens sein, erklärt der frühere Leiter der Behörde für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters in Mekka. Al-Ghamdi hat sich in der Vergangenheit schon häufiger zum Thema Frauen im Islam geäußert. 2014 erntete er Kritik, als er sagte, dass Frauen in der Öffentlichkeit keinen Schleier tragen müssten.


Redaktion: Svenja Schlicht, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Till Rimmele, Audioversion: Christian Melchert

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