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Für den Sommerurlaub

10 Bücher, die einfach Spaß machen

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etwa 7 Min. Lesedauer

Der Corona-Winter hat Spuren hinterlassen. So richtig entspannen können wir uns zwar immer noch nicht, aber jetzt ist die Zeit gekommen, mal durchzuatmen, oder? Und um mal wieder in eine Welt abzutauchen, in der nicht alles schwer ist. Es gibt Bücher, bei denen das besonders gut funktioniert. Ihr kennt sie: Bücher, die einfach Spaß machen.

Für mich ist „Normal People“ von Sally Rooney so ein Buch. Die, die es gelesen haben, wissen: Mit Comedy hat der Roman nichts zu tun. Aber er liest sich so schnell weg, wie eine Chipstüte leer ist, es saugt einen rein in das Leben von zwei jungen Menschen, die versuchen, sich in der Welt zurechtzufinden. Ihnen dabei zuzuschauen, tut durchaus mal weh, dann bringt es einen wieder zum Lachen.

Welche Bücher bei unseren Leser:innen so ein Gefühl auslösen, haben sie uns in einer Umfrage verraten. Ich habe eine subjektive Auswahl getroffen, ausschlaggebend war die jeweilige Begründung.

1

Felix Lobrecht: Sonne und Beton (Roman, 2017)

In seinem Debütroman erzählt der Comedian die Geschichte von vier Jungs, die in der Gropiusstadt aufwachsen, ihren Sommer zwischen den Häuserblocks verbringen – und dann einen dilettantisch geplanten Einbruch begehen. Lobrecht selbst ist mit zwei Geschwistern bei seinem alleinerziehenden Vater in Berlin-Neukölln aufgewachsen. Zur Leseprobe

Buchcover von "Sonne und Beton"

© Ullstein

Empfohlen von Sarah:

„Ich komme selbst aus Berlin, das Buch ist sehr authentisch und gut geschrieben. Es zeigt, wie es wirklich ist, in Neukölln aufzuwachsen. Als Fan von Felix Lobrecht war es für mich Pflichtlektüre, ich würde es aber auch allen empfehlen, die sonst nicht so viel mit ihm anfangen können. Er zeigt in dem Buch eine ganz neue Seite von sich und seiner eigenen, nicht gerade leichten Jugend.“

2

James McBride: Der heilige King Kong (Roman, 2021)

1969 ist in New York Chaos angesagt: Rassismus, korrupte Polizeibeamte, zunehmende Beschaffungskriminalität, exzessive Gewalt bestimmen das Leben der Bewohner:innen. Zwischen all dem versucht eine kleine Baptistengemeinde, das friedliche Miteinander zu bewahren – doch dann fällt auch dort ein Schuss, und es ist vorbei mit den ruhigen Tagen. Zur Leseprobe

Empfohlen von Dietmar:

„Die Geschichte spielt im Brooklyn des Jahres 1969. Alltagsrassismus, Gentrifizierung, Drogen und Alkohol bestimmen die prekären Lebensumstände der Protagonisten. Trotzdem gehen die Menschen ihr Leben jeden Tag mit neuer Energie und einer gehörigen Portion Sarkasmus an – stets in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Großartiger Humor kommt insbesondere in den Dialogen zum Vorschein, man leidet und lacht mit den zum Teil sehr schrägen Figuren. Dazu kommen Erlebnisse der dritten Art wie bei Gabriel Garcia Marquez und am Ende ein überraschender Plot. Für mich bislang das unterhaltsamste Buch des Jahres.“

3

Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt (Roman, 2013)

Der Alltag des autistischen Uni-Professors Don Tillman ist minutiös durchgetaktet: Er weiß genau, wie lange welche Tätigkeit in Anspruch nimmt und vermeidet jede Form von Ineffizienz. Einzig die Beziehungen zu seinen Mitmenschen laufen nicht wie am Schnürchen. Eine Frau möchte er trotzdem, und so beginnt er, mit ganz klaren Vorstellungen (Nichtraucherin, pünktlich, keine Veganerin) sein Ehefrau-Projekt. Und natürlich trifft er auf eine, die diesen Anforderungen überhaupt nicht entspricht: Rosie. Zur Leseprobe

Empfohlen von Ben:

„Witzig geschrieben. Es schaut aus der Perspektive einer Außenseiterrolle auf unsere Kultur und stellt heiter verpackt tiefe Fragen nach Freundschaft und Liebe und Sinn.“

4

Karsten Dusse: Achtsam morden (Roman, 2019)

Der Rechtsanwalt Björn Diemel landet unfreiwillig bei einem Achtsamkeitscoach, verdonnert hat ihn dazu seine Frau. Für ihn eröffnet sich ein neuer Blick auf die Welt, der ihn schließlich dazu inspiriert, seinen langjährigen, gehassten Klienten zu ermorden – ganz im Einklang mit sich selbst. Zur Leseprobe

Buchcover von "Achtsam morden"

© Heyne

Empfohlen von Peter, Tina und Heinz:

„Es ist eine total skurrile Handlung, die aber folgerichtig auf den Prinzipien der Achtsamkeit beruht. Ich musste sehr lachen.“ (Peter)
„Die Absurdität und der schöne Schreibstil, bei dem man sehr oft lachen konnte, haben mir gefallen.“ (Tina)
„Die Mischung von Spannung und zum Teil absurdem Humor sind genial.“ (Heinz)

5

Sophie Passmann: Komplett Gänsehaut (Sachbuch, 2021)

In ihrem neuen Buch teilt die Autorin gegen die Generation der Millenials aus – und damit auch gegen sich selbst. Aus der Ich-Perspektive analysiert sie die privilegierten Einstellungen vieler Endzwanziger der deutschen Mittelschicht: von Minimalismus über Self-Care bis zur Wohnungseinrichtung. Zur Leseprobe

Empfohlen von Hannah:

„Die leichte, zynische Schreibweise und tolle Beobachtungsgabe, gefallen mir. Außerdem konnte ich mich sehr darin wiederfinden, da es genau um meine Generation geht und ich auch in solchen Situationen war und bin.“

6

Rutger Bregman: Im Grunde gut (Sachbuch, 2020)

In diesem Buch setzt sich der Historiker Rutger Bregman mit dem Wesen des Menschen auseinander und stellt die These auf, dass der Mensch von Grund auf gut ist. Basierend auf dieser Grundannahme, denkt er die Welt und Lösungen für gegenwärtige Probleme komplett neu. Zur Leseprobe

Empfohlen von Stefanie:

„Entgegen der vielen negativen Nachrichten und der vielen negativen Beispiele, wie schlecht die Menschen sind, zeigt das Buch, dass Menschen im Grunde gut sind. Die Gründe, warum das oft anders erscheint, werden ebenfalls erläutert. Und viele Beispiele, wo die Menschen gut sein können. Ich habe das Buch im Herbst letzten Jahres gelesen, zu Hochzeiten der Querdenker-Bewegung. Es hat mir Hoffnung gegeben und mich froh gemacht.“

7

Martin Knuth: Zwischenhalt Erde (Erzählungen, 2020)

Neun Geschichten, in denen vermeintlich Alltägliches aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Oft geht es dabei um Themen wie Flucht und Abschied – jedoch immer mit viel Freiraum für die eigene Fantasie.

Empfohlen von Daniel:

„Das Buch enthält Erzählungen ganz unerwarteten Inhalts, gleichermaßen spannend wie seltsam, noch dazu sehr schön geschrieben. Es handelt sich um das Debüt des Autors, der jetzt schon zu meinen Entdeckungen des Jahres gehört. Mich freut es immer, Bücher und Autoren fernab von Bestsellerlisten zu entdecken.“

8

Marc-Uwe Kling: Qualityland (Roman, 2017)

In der satirischen Dystopie spinnt der Autor, der auch gerne als Kabarettist unterwegs ist, die Entwicklung der Digitalisierung weiter: Die beschriebene Welt in Qualityland wird durch Algorithmen bestimmt, von künstlicher „Superintelligenz“ betriebene Maschinen sind allgegenwärtig. Zur Leseprobe

Buchcover von "Qualityland"

© Ullstein

Empfohlen von Adrian und Nina:

„Die kreative und teils absurde Weise, mit der Marc-Uwe Kling gesellschaftliche Themen anspricht und auch kritisiert, sind einzigartig. Aber das Ganze ist verpackt in einer unheimlich lustigen Dystopie.“ (Adrian)

9

Nick Hornby: Just Like You (Roman, 2020)

Der Roman des britischen Schriftstellers und Drehbuchautors spielt im Jahr 2016 in London, alle reden über den Brexit – und ein sehr ungleiches Paar verliebt sich ineinander. Sie, 42, weiß, Lehrerin. Er, 22, schwarz, Aushilfsmetzger und Babysitter ihrer Kinder. Wegen des großen Altersunterschieds versuchen sie, ihre Beziehung zu verheimlichen, doch ihre Kinder und seine Mutter wissen schnell, was Sache ist. Zur Leseprobe

Empfohlen von Heike und Nicole:

„Der Roman enthält scharfe, pointierte Dialoge, manche sehr witzig, viele triggerten bei mir aber auch etwas und brachten mich zum Nachdenken: Was, wenn das mir passiert wäre? Es geht um die Beziehung einer 42-jährigen Frau zu einem 22(!)-jährigen Kerl, sie ist weiß und gehört zur Mittelschicht, er ist schwarz und aus eher ärmlichen Verhältnissen. Es geht auch um den Brexit, die Story spielt zur Zeit des Referendums 2016, und die Sätze und Dialoge sind sehr nah am Leben und so gut beobachtet. Die Themen klingen ‚schwer‘, aber ich musste wirklich oft lachen oder schmunzeln.“ (Nicole)

10

Ottessa Moshfegh: Eileen (Roman, 2020)

Die 24-jährige Eileen Dunlop lebt in den 1960er Jahren mit ihrem alkoholkranken Vater in Neuengland. Sie arbeitet als Sekretärin in einer Vollzugsanstalt für jugendliche Straftäter und ist gänzlich unglücklich. Das ändert sich, als die selbstbewusste Harvard-Absolventin Rebecca Saint John ihren Job in der Anstalt antritt – Eileen fühlt sich sofort zu ihr hingezogen und tut alles für die Freundschaft zu ihrer neuen Kollegin. Doch die hat ihren Preis. Zur Leseprobe

Empfohlen von Sonja:

„Es ist düster und amüsant, brutal und extrem gut beobachtet, beklemmend, aber nicht depressiv. Es spielt in einem grauen Winter, alles scheint ausweglos, aber es endet mutig. Klingt nicht wie Sommerlektüre? Es ist immer die richtige Zeit, Moshfegh zu lesen.“


Danke an alle Leser:innen, die sich an der Umfrage beteiligt haben.

Die komplette Liste aller 282 Buchempfehlungen findet ihr in diesem PDF

Redaktion: Rico Grimm; Schlussredaktion: Susan Mücke; Fotoredaktion: Till Rimmele; Audioversion: Christian Melchert

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