© Getty Images / Koldunova_Anna

Rollenbilder

Warum Männer Probleme haben, Beziehungen zu führen

Autorinnen des Artikels
etwa 14 Min. Lesedauer

Es ist erstaunlich, wie banal die Momente manchmal sind, die unser Leben verändern. Ich meine die Art von Veränderungen, die nicht an Jahrestagen gefeiert werden, durch Glück oder Unglück ausgelöst wurden. Sondern die, die dich etwas verstehen lassen. In meinem Fall: ein Tassenklirren.

Die Tasse steht auf dem Küchentisch meiner Eltern und ist mit Filterkaffee gefüllt. Im Raum hängen die Worte: „Ich fliege nächste Woche nach Afghanistan.“ In der Luft gehalten werden sie von Angst. Die Pupillen meiner Mutter weiten sich. Ich werde als Journalist sächsische Soldaten in den Einsatz begleiten. Ich habe dafür trainiert und Fortbildungen gemacht. Hier, sage ich und klappe meinen Laptop auf, so habe ich mich vorbereitet, da geht es genau hin, das werde ich dort machen. Meine Mutter will alles wissen. Fragt nach, schaut sich Bilder und Google-Maps-Wüsten an.

Mein Vater sagt: nichts. Wie immer eigentlich. Stattdessen schlägt er mit dem Löffel gegen seine Kaffeetasse. Ding-Ding-Ding. Es ist sein Versuch, sich in unser Gespräch einzuklinken. Als meine Mutter und ich, an sein Schweigen gewöhnt, merken, dass er gar nicht seinen Kaffee umrührt, sondern eine Art panische Übersprungshandlung vollführt, endet für mich ein Lebensabschnitt.

Komm, setz dich mal vor den Fernseher, du wolltest doch eh Tennis gucken, sagt meine Mutter. Und mein Vater steht auf und geht. Mit ihm geht der Vater, von dem ich dachte, ich bin ihm egal. Dessen Schweigen, dessen Zorn, dessen Herabwürdigungen mich immer fühlen ließen, dass ich ungenügend bin. Dass aus mir erst noch jemand werden müsste, den man lieben kann. Dieser Vater hat sich gerade enttarnt. Ding-Ding-Ding. Er hat Angst um mich. Ding-Ding-Ding.

Das Patriarchat ist die Krankheit, von der die größte Gefahr für Körper und Geist von Männern ausgeht.
bell hooks

Das ist keine Geschichte über das Erwachsenwerden. Es ist eine darüber, wie
groß die Hilflosigkeit derer ist, die immer stark sein sollen. Wie unmöglich es ist, das zu sein, was fälschlicherweise als ein „richtiger Mann“ gilt – und zur gleichen Zeit echte Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Selbst zu denen, die einem am nächsten sind.

In meinem ersten Artikel als Reporter für Feminismus und Neue Männlichkeit habe ich am Beispiel Rechtsextremismus beschrieben, warum wir sowohl die alltägliche journalistische Arbeit als auch die größeren politischen Debatten dringend um eine feministische Perspektive ergänzen müssen. Wir müssen uns bewusst werden, dass unser Blick auf die Welt davon geprägt ist, dass wir in einem Patriarchat leben. Wegen der Gewalt, die Männer alltäglich gegen Frauen ausüben, wegen der Diskriminierung, die durch das geschlechtliche Machtgefälle in vielen Bereichen besteht.

Patriarchat (wörtlich „Väterherrschaft, Vaterrecht“) beschreibt in der Soziologie, der Politikwissenschaft und verschiedenen Gesellschaftstheorien ein System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird (nach Wikipedia).

Wir dürfen aber in der Debatte um männliche Gewalttäter, Rape Culture und #metoo nicht vergessen, wie sehr auch Männer alltäglich unter Gewalt leiden. Wie Männer zu Männern werden. Und vor allem, wie sie es wieder verlernen können.

Der Begriff Rape Culture wird in feministischen, politischen und sozialwissenschaftlichen Diskursen verwendet. In der deutschsprachigen Literatur finden sich sowohl der Anglizismus Rape Culture als auch seltener die direkte Übersetzung Vergewaltigungskultur. Sexuelle Übergriffe und andere Formen sexualisierter Gewalt sind zwar in erster Linie Verbrechen einzelner Individuen, können aber durch eine Vielzahl gesellschaftlicher Faktoren begünstigt werden. Als Rape Culture werden solche Kulturkreise bezeichnet, in denen das der Fall ist. Eine allgemein anerkannte Definition, welche gesellschaftlichen Faktoren sexualisierte Gewalt begünstigen, existiert aber nicht.

In der Praxis beinhaltet der Begriff Rape Culture, dass zum Beispiel Vergewaltigung oder auch Sexuelle Belästigung, zwar gesetzlich unter Strafe stehen, aber immer wieder als eine Art Kavaliersdelikt verharmlost werden. Dabei wird den Opfern oft eine gewisse Mitschuld an der Tat unterstellt, während viel Verständnis für Befindlichkeiten und Rechtfertigungen der Täter an den Tag gelegt wird. Darüber hat die Aussage eines Mannes vor Gericht, etwa in den meisten muslimischen Ländern, mehr Gewicht als die einer Frau. Wo eine Frau die Aussage, sie sei vergewaltigt worden, von männlichen Zeugen bestätigen lassen muss, reduzieren sich ihre Aussichten auf einen fairen Prozess von Anfang an. Viele Täter erhalten daher nur milde Strafen oder sogar Freisprüche (nach Wikipedia).

Der Druck, der von unserer Gesellschaft alltäglich auf Jungs und Männer ausgeübt wird, die Stereotype von Männlichkeit zu erfüllen, spielt eine wesentliche Rolle dabei, wenn diese zu Tätern werden. Der gleiche Druck ist es, der Männer unglücklich und krank macht, auch wenn sie, wie die meisten, nicht zu Gewalttätern werden.

Der Kreislauf der Gewalt wird nicht enden, wenn wir Männern nicht erlauben, ihre Gefühle zu kennen und auszudrücken.

Diesen Widerspruch müssen wir lernen, auszuhalten: Männer sind es, die in einem Patriarchat gegenüber Frauen die größeren Privilegien (oft auch als Abwesenheit von Nachteilen definiert) genießen. Dennoch leiden Männer ebenfalls darunter. „Das Patriarchat“, schreibt die Feministin bell hooks in ihrem Buch „The Will To Change“, „ist die Krankheit, von der die größte Gefahr für Körper und Geist von Männern ausgeht.“

Dieser Kreislauf der Gewalt wird nicht enden, wenn wir Männern nicht erlauben, ihre Gefühle zu kennen und auszudrücken. Wenn Männer nicht lernen, zu lieben. Wenn Männer weiterhin den Geschlechterrollen entsprechen müssen, die für sie festlegen: hart und stark zu sein. Sich zusammenzureißen. Emotionen auszuklammern. Weitermachen, egal, ob es weh tut.

„Sei ein Mann“, heißt doch nichts anderes als: „Hör auf zu jammern, mach es einfach.“ Genauer definiert hat das der Psychologe Ronald F. Levant, in den 1980er Jahren einer der wegweisenden Maskulinitätsforscher. Zu den sieben wichtigsten Normen und Eigenschaften, die die männliche Geschlechterrolle ausmachen, zählt er:

  • Weiblichkeit vermeiden (zum Beispiel bei der Auswahl von Kleidung, Hobbys, Getränken; in Gesten, Körperhaltung, Pinkelpausenfrequenz etc.)

  • eingeschränkte Emotionalität (zum Beispiel keine Angst, Nervosität, überschwängliche Freude, Mitgefühl zeigen)

  • Nach Erfolg und Status streben (statt zum Beispiel als Wert an sich zu sehen, gute Beziehungen zu führen)

  • Eigenständigkeit (bloß nicht von irgendjemandem abhängig sein; nicht um Hilfe bitten)

  • Aggressivität (heißt zum Beispiel auch: besonders viel Redeanteil beanspruchen in Diskussionen, besonders viel Raum einnehmen in öffentlichen Verkehrsmitteln; kein „Nein“ akzeptieren)

  • Homophobie (vor allem Hass und Gewalt gegen Schwule)

  • nicht beziehungsorientierte Einstellungen zur Sexualität (zeigt sich zum Beispiel darin, dass viel Sex mit vielen Frauen zu haben eine Art Statussymbol für Männer ist)

Diese Normen und Verhaltensweisen helfen vielleicht dabei, in Machtpositionen zu kommen. Sie helfen aber ganz sicher nicht dabei, ein glücklicher Mensch zu werden. Diese Normen und Verhaltensweisen lernen Männer aber nicht nur von anderen Männern. Sie lernen sie auch von Frauen. Zum Beispiel, weil Mütter mit ihren Söhnen weniger reden als mit ihren Töchtern. Oder weil sie es oft genug normalisieren, dass der „Herr des Hauses“ ab und zu ausrastet. Nicht angesprochen werden will. Sein Bierchen braucht. Etc.

Auch diesen Widerspruch müssen wir lernen auszuhalten: Frauen leiden am meisten unter dem Patriarchat. Dennoch halten auch sie es aufrecht, dennoch unterstützen auch sie Männer nur selten, wenn diese sich tatsächlich ändern wollen. Weil auch viele Frauen von einem Mann erwarten, ein „richtiger Mann“ zu sein. Der sie beschützen soll. Der den Heiratsantrag macht. Der immer Sex will. Der das Geld nach Hause bringt. Der halt mal laut wird. Der doch nicht rumheulen soll.

Der Psychotherapeut Terrence Real hat den Begriff des „psychologischen Patriarchats“ definiert, der beschreibt, wie sehr beide Geschlechter an dieser Dynamik mitwirken:

Das psychologische Patriarchat ist die Dynamik zwischen den Qualitäten, die als „männlich“ und „weiblich“ gelten, in der die Hälfte unserer menschlichen Eigenschaften überhöht wird, während die andere Hälfte abgewertet wird. Sowohl Männer als auch Frauen nehmen an diesem qualvollen Wertesystem teil. Das psychologische Patriarchat ist ein „Tanz der Verachtung“, eine perverse Form der Verbindung, die wahre Intimität durch komplexe, verdeckte Schichten von Dominanz und Unterwerfung, Absprachen und Manipulation ersetzt. Es ist das uneingestandene Beziehungsparadigma, das die westliche Zivilisation Generation für Generation durchdrungen hat, beide Geschlechter deformiert und die leidenschaftliche Bindung zwischen ihnen zerstört.

Wir lernen diese Rollen, setzen diese Masken auf. Wir verinnerlichen das so sehr, dass wir nicht mal auf die Idee kommen, sie infrage zu stellen („komm Vater, du wolltest doch eh Fernsehen gucken“).

Trotzdem wird es manchem von uns irgendwann bewusst. Es sind Momente, die ein Leben verändern können. Ding-Ding-Ding. Für die wir aber einen weiteren, letzten Widerspruch aushalten müssen: Sich zum Guten zu wandeln, fühlt sich nicht immer gut an. Und es reicht auch nicht die Erkenntnis dazu, es ist echte Arbeit. Kontinuierliche Arbeit, die wir nicht alleine leisten können, und für die wir mehr Spott und Hass als Zuspruch und Ermutigung ernten.

Freunde und Familienmitglieder nennen uns dafür verweichlicht, „verschwult“. Nicht nur dafür, wie wir über dieses Thema sprechen. Allein, dass wir über dieses Thema sprechen, bricht mit den Regeln des Patriarchats. „Solche Sachen“ sollte man schließlich für sich behalten, lernen wir; „das sollte in der Familie bleiben“ ist der Kodex, der emotionalen Missbrauch immer noch weniger schwer wiegen lässt, als sich in Situationen seelischer Not zu offenbaren.

Während ich so sehr darum bemüht war, ein Mann zu sein, bin ich vor allem daran gescheitert, ich selbst zu sein.

Erst seit ein paar Jahren habe ich überhaupt Freund:innen, mit denen ich über solche Themen reden kann, ohne mich schämen zu müssen. Es fühlt sich trotzdem noch an wie Verrat. Aber ich muss es tun, denn nur, wenn ich darüber reflektieren kann, kann ich verstehen, was mit mir passiert. Nur dann kann ich auch verstehen, dass dieser banale Akt des Tassenklirrens für so viel mehr steht. Nur dann kann ich mich emotional weiterentwickeln.

Kann es zum Beispiel sein, dass ich nur deshalb zur Bundeswehr gegangen bin, statt Zivildienst zu leisten, um mir und anderen zu beweisen, dass ich ein „richtiger Mann“ bin? Keiner dieser „Softies, die alten Leuten den Arsch abwischen“? Welchen Wert soll es denn gehabt haben, mit ein paar anderen verwirrten Teenagern im Tarnfleck durch den Wald zu robben und Maschinengewehre zu ölen? Warum habe ich mit so viel Verachtung auf die geschaut, die stattdessen gelernt haben, wie man Menschen in Not pflegt?

Selten habe ich mir bisher diese Fragen gestellt. Wichtiger war es für mich, herauszufinden, wie man die Rolle des Mannes am besten spielen kann.

Habe ich mir vielleicht als junger Journalist nur deshalb den denkbar gefährlichsten Job herausgesucht, den ich als Reporter machen konnte – nach Afghanistan zu fliegen –, um zu beweisen, dass ich kein Schreibtischhengst bin, sondern ein Mann, der kein Risiko scheut? Welchen Wert hatte denn diese Reportage, journalistisch gesehen? Welche Lücke hat denn meine Abwesenheit in der Zwischenzeit in der Redaktion gerissen und musste von den Kolleg:innen ausgefüllt werden, die eh schon überarbeitet waren?

Bin ich am Ende zu diesem Kaffeetrinken zu meinen Eltern gefahren und habe ihnen meinen gefährlichen Einsatz in aller Überheblichkeit „gebeichtet“, um endlich einmal von meinem Vater zu hören: „Wow, du bist ja ein richtiger Kerl. Ich bin stolz auf dich“? Oder weil es mir wichtig war, mein Leben mit ihnen zu teilen? Wie oft habe ich denn meinen Eltern vorgegaukelt, dass bei mir alles super läuft, um sie zu beeindrucken - und warum?

Es ist das permanente Scheitern an und in emotionalen Situationen, das uns Männer aggressiv macht. Nicht, weil uns die Menschen in unserem Leben egal sind, reagieren wir so, sondern weil sie uns wichtig sind.

Während ich so sehr darum bemüht war, ein Mann zu sein, bin ich vor allem daran gescheitert, ich selbst zu sein. Es ist kein Hurra-Moment, das herauszufinden. Ich fühle mich wie ein Klischee. Und vor allem habe ich das Gefühl, eine Menge Zeit verschwendet zu haben.

Ich will es nun anders machen. Ich will daran scheitern, ein Mann zu sein, während ich mich bemühe, ich selbst zu werden. Ich habe mich nicht um die Privilegien beworben, die ich in einem patriarchalen Gesellschaftssystem besitze. Und ich habe mich auch nicht freiwillig auf den Weg gemacht, meine Gefühle zu unterdrücken, bis ich nicht mehr weiß, was überhaupt in mir vorgeht, bis ich im Bett liege mit Frauen, die ich nicht mal mag. Bis ich gegen Türen schlage, die ich besser hätte öffnen sollen.

Es ist das permanente Scheitern an und in emotionalen Situationen, das uns Männer aggressiv macht. Nicht, weil uns die Menschen in unserem Leben egal sind, reagieren wir so, sondern weil sie uns wichtig sind. Wenn ein erwachsener Mann die Worte „Ich habe Angst um dich“ seinem Sohn gegenüber nicht aussprechen kann, wenn er sich nicht anders zu helfen weiß, als mit einem Löffel gegen eine Tasse zu schlagen und dann wegzulaufen – dann ist das ein Versagen, das nicht nur der Sohn empfindet, sondern auch der Vater. Ding-Ding-Ding. Und nun?

Natürlich hat sich bei mir nicht alles geändert, in jenem einen Moment in der Küche. Es dauerte ein paar Jahre, bis ich es wirklich verstand. Dass ich nur so wenige Erinnerungen an einen Vater besitze, der mir seine Liebe zeigt, liegt nicht daran, dass er mich nicht liebt. Es liegt daran, dass er nie wusste, wie er es zeigen kann. Ob er es zeigen darf. Es ist zum Heulen. Aber das macht man ja nicht.

Die, die sich die Mühe machen, uns auf unsere Fehler hinzuweisen und damit auch immer Gefahr laufen, Opfer unseres Zorns zu werden – gerade die sollten wir vielleicht am meisten lieben.

Diese Ohnmacht meinen eigenen Gefühlen gegenüber hat auch mich ergriffen, mein Leben als Junge mit Scham und als Mann mit Schuldgefühlen verpestet, mich in Schweigen gehüllt, zu Alkohol und Gewalt greifen lassen, wo ich hätte reden, lieben, helfen sollen. Wie so viele Männer, denen als Junge ein Vorbild an liebender Männlichkeit fehlte, wurde auch ich zu dem Mann, der ich gar nicht sein wollte. Zu einem, dem viele auf die Schultern klopfen. Der aber kaum jemanden hat, der wirklich eine Antwort auf die Frage möchte: Wie geht es dir?

Um zu Männern zu werden, die anders reagieren können, die in Beziehungen empathisch und aufmerksam und liebend agieren können, müssen wir die Normen für den „richtigen Mann“ verlernen.

Das heißt nicht, dass wir nicht mehr Männer sein können. Es heißt, dass wir die Männer werden müssen, die wir sein möchten. Und das heißt vor allem erst einmal: immer wieder zu scheitern. Immer wieder an dem zu scheitern, was von uns als „richtigen Männern“ erwartet wird: hart, stark, unemotional sein. Es heißt: Fehler machen.

Es ist normal, Fehler zu machen. Es ist normal, sich dafür zu schämen und sich darüber zu ärgern. Aber es ist kein Angriff auf unsere Persönlichkeit. Im Gegenteil, nur wer uns kritisiert, kann uns helfen. Die, die sich die Mühe machen uns auf unsere Fehler hinzuweisen und damit auch immer Gefahr laufen, Opfer unseres Zorns zu werden – gerade die sollten wir vielleicht am meisten lieben. Es bedarf großer Stärke, offen mit seinen Fehlern umzugehen. Es ist ein Zeichen von Größe, die zu lieben, die einen kritisieren – könnten das nicht auch Eigenschaften sein, die Männlichkeit definieren?

Es geht nicht um eine „bessere Fehlerkultur“. Es geht auch nicht um Tipps, wie man besser mit dem Patriarchat klar kommt. Denn Patriarchat bedeutet immer Dominanz eines Geschlechts. Aber „es gibt keine Koexistenz von Liebe und Dominanz“, schreibt bell hooks und erklärt, warum es ohne Liebe auch kein Ende der Dominanz geben kann:

Wir [Frauen] lieben nicht besser oder mehr als Männer, aber es fällt uns leichter, mit Gefühlen in Berührung zu kommen, weil selbst die patriarchale Gesellschaft diese Eigenschaft in uns unterstützt. Männer werden von der patriarchalen Kultur niemals Unterstützung für ihre emotionale Entwicklung erhalten.

Das mit der emotionalen Entwicklung kann man selbst angehen. Man kann sich dafür einen Trainingsplan aufstellen, wenn es sein muss. Heute eine Episode dieses Podcasts, bis Ende des Monats jenes Buch. Gespräche suchen, Denkaufgaben stellen. Es ist, wie gesagt, Arbeit. Der Lohn dafür landet nicht auf deinem Konto – der Lohn dafür bist du selbst.


Redaktion: Esther Göbel, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Till Rimmele, Audio: Christian Melchert

Prompt headline