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Griechenland unter Tsipras: „Wir halten den Atem an und drücken die Daumen“

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Dienstag 27. Januar

In Athen ist Ende Januar gewöhnlich das Nachweihnachtsgeschäft vorbei. Durch die Schaufenster mit ihren knalligen roten und gelben Werbetafeln, die den nächsten Preisrutsch verkünden, ist der eine oder andere Verkäufer zu sehen, der die Zeit totschlägt und auf einen der seltenen Kunden wartet. Keine wirkliche Überraschung – die Geschäfte laufen schlecht, wie jeder bestätigen kann. Anna Kotzabassaki, die in der Nähe des Syntagma-Platzes - fünf Minuten zu Fuß vom Parlament entfernt - eine Mode-Boutique besitzt, erwartet zwar in den kommenden Monaten keine Besserung. Aber sie hofft, dass es nicht zu lange dauern wird, bis sich die Lage bessert. Jetzt, wo das Land eine neue Regierung hat.

Am Montag vor einer Woche wurde der 40 Jahre alte Parteiführer des Linksbündnisses Syriza als Ministerpräsident vereidigt – der jüngste in der Geschichte Griechenlands. Der Präsident beauftragte ihn, eine Regierung zu bilden. Nur wenige Stunden nach dem Sieg seiner Partei bei der Wahl am Sonntag, bei der 36,3 Prozent der griechischen Wähler Syrizas Anti-Austeritäts- und Anti-Sparprogramm-Haltung unterstützt und ihm 149 der 151 für eine absolute Mehrheit nötigen Sitze im Parlament gesichert hatten, vereinbarte Alexis Tsipras eine Koalition mit den Unabhängigen Griechen. Diese rechtspopulistische Partei hatte eine heftige Kampagne gegen die Sparmaßnahmen geführt und damit 4,74 Prozent der Stimmen erhalten, was 13 Abgeordneten entspricht.

Anna ist nicht gerade begeistert von der Aussicht, die Unabhängigen Griechen in der Regierung zu haben. „Abgesehen von ihrer Grundeinstellung, die ich nicht teile, würde ich viel lieber PASOK oder auch Neue Demokratie als Koalitionspartner sehen. Die haben einfach mehr Erfahrung.“ Doch dann denkt sie ein paar Sekunden nach und korrgiert sich: „Nein, es ist wahrscheinlich besser, dass sie nicht in der Regierung sind. Besser jemand mit weniger Erfahrung, als diejenigen, die uns in diese Lage gebracht haben.“ Sie sei mit dem Wahlergebnis sehr zufrieden, sagt Anna. Sie war jahrelang PASOK-Anhängerin, hat diesmal aber für Syriza gestimmt – in der Hoffnung auf eine wirkliche Veränderung. „Ich kann diese Hoffnungslosigkeit und diese Armut nicht mehr ertragen. Es war so anstrengend, kein Licht am Ende de Tunnels zu sehen.“

Jetzt ist sie erleichtert. Niemand sei so naiv, Wunder von der neuen Regierung zu erwarten, angesichts der schlimmen Ausgangslage, meint Anna. Sie hoffe einfach auf Verhandlungen über eine faire und menschlichere Umsetzung des Sparprogramms. Die Aussicht auf einen “Grexit” - das mögliche Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone - lässt sie schaudern. Wieder denkt sie nach: „Wenn ein erträglicheres Sparprogramm nicht in Frage kommt, dann wäre ich vielleicht zu einem Leben ohne den Euro bereit.“

Anna Kotzabassaki in ihrer Mode-Boutique

Katerina Oikonomakou

Während wir uns unterhalten, kommt eine Frau herein. Anna begrüßt sie herzlich und stellt uns vor. Es ist eine Freundin von ihr, Warwara Mavromati, Theaterregisseurin, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hält. Sie habe es nicht mehr ausgehalten, dass genau diesselben Politiker, die zuerst die Wirtschaft zerstört und dann die ganze Gesellschaft ins Elend getrieben hätten, sich nun als Retter darstellten. „Sie terrorisieren uns laufend mit dem nächsten Rettungspaket, und dann dem nächsten und wieder dem nächsten. Ich komme noch über die Runden, aber um mich herum gibt es zu viele verarmte Menschen. Ich erwarte von der neuen Regierung nur, dass sie den Armen hilft.“

Die Unabhängige Griechen machten ihr keine Sorgen, sagt sie. Sie will sie nicht in die äußerste rechte Ecke rücken. “Nein, nein, nur ihr Auftreten ist ungehobelt. Alles in allem sind ihre Ansichten zur Einwanderung nicht völlig konträr mit denen der patriotischen Linken, mit denen ich manchmal sympathisiere.„ Auf jeden Fall gewinnt Warwara der Zusammenarbeit einer linken und einer rechten Partei etwas Positives ab. “Ich mag keine bürgerkriegsähnlichen Zustände“, sagt sie. Sie selbst sei die dritte Generation nach einem Bürgerkrieg, geboren in Prag, aufgewachsen in einer Familie politischer Flüchtlinge.

Ich verlasse das Geschäft. Auf dem Weg ins Makriyianni-Viertel auf der Südseite der Akropolis erfahre ich, dass ein neues Kabinett ernannt ist und gerade vereidigt wird. Ich halte an einem kleinen Café an. Das Fernsehgerät ist an, und die Stammgäste verkünden bereits lautstark, was sie von den neuen Ministern halten. Niemand lässt sich von der Diskussion abbringen, um mit mir ausführlich zu sprechen. Es sei viel zu früh für eine Einschätzung, heißt es unisono. „Wir halten den Atem an und drücken die Daumen“, sagt der Mann, der mir einen Becher Kaffee zum Mitnehmen in die Hand drückt.

Ein paar Ecken weiter liegt eine Saftbar, versteckt in einer kleinen Straße in der Nähe des Akropolis-Museums. Dort treffe ich die erste Person, die wenig zu der neuen Regierung zu sagen hat, dafür um so mehr über die rechtsradikale Goldene Morgenröte. Sofia Rafti ist 27 Jahre alt, Englischlehrerin, und arbeitet hier, um über die Runden zu kommen. „Ich erwarte von einer linken Regierung drastische Maßnahmen, um der angeschlagenen und praktisch ausgelöschten Mittelklasse zu helfen“, sagt sie. Nur das erwarte sie, und das sei schon eine Menge. Große Sorgen macht sie sich über die ungebrochene Popularität der Neonazi-Partei Goldene Morgenröte. Sofia lebt in Keratsini. In dem Viertel wurde ein antifaschistischer Aktivist, der Rap-Sänger Pavlos Fyssas, von einem Mitglied der Goldenen Morgenröte ermordet. Das Viertel sei noch immer eine Partei-Hochburg, erzählt mir Sofia.

Am Tag der Wahl hätten einige Mitglieder der Goldenen Morgenröte darauf bestanden, im Wahllokal zu bleiben, ganz offensichtlich, um die Wähler einzuschüchtern. „Willst du das Schlimmste wissen? Die Polizei griff erst ein, nachdem wir sie mehrfach darum gebeten hatten”, beklagt sich Sofia. Sie ist davon überzeugt, dass die meisten Griechen wegschauen, wenn es um die Goldene Morgenröte geht. “Sind die 6,92 Prozent bei der Wahl am Sonntag nicht Beweis genug?"

Mittwoch, 28. Januar

Die neue Regierung ist 24 Stunden im Amt, die Griechen hatten einen Tag Zeit, sich eine erste Meinung über das Kabinett zu bilden. Sie wurden von einer Flut von Meldungen überschüttet, was die Minister jetzt alles vorhaben. Ich rufe Ioanna Sotirchou an, eine Reporterin mit langjähriger Erfahrung in Menschenrechtsdingen. Ioanna spricht von einem Dream-Team und meint die Minister. “Besonders in den Ressorts Justiz und Katastrophenschutz; oder der stellvertretende Minister für Einwanderung. Das sind wirklich Demokraten und nicht zuletzt kompetente Fachkräfte.” Was Ioanna so optimistisch macht, ist die Ankündigung, dass die 2013 im Zuge von Haushaltskürzungen entlassenen Putzfrauen des Finanzministeriums ihre Arbeitsplätze zurückbekommen. "Syriza ist nicht als Teil einer großen Volksbewegung an die Macht gekommen, was für eine Partei der Linken ideal gewesen wäre. Ihr überwältigender Sieg hatte mehr mit der Verzweiflung der Menschen über die letzten Regierungen zu tun, die Furcht und Angst verbreiteten. Ich bin sicher, dass sich das Blatt jetzt gewendet hat. Alles andere wird man sehen - sie werden an ihren Taten gemessen werden , und sie haben einen harten Weg vor sich”, sagt Ioanna.

Jeder, der mit mir spricht, sagt dasselbe: Es sei noch viel zu früh für eine ausgewogene Meinung über die neue Regierung.

Vor zwei Tagen hatte der Wunsch nach Veränderung die Menschen geeint. Folglich teilen die Erleichterung, von der Anna gesprochen hat, jetzt weit mehr als nur die Syriza-Wähler. Da ist zum Beispiel Filippos Tsitos, Filmemacher, der zwischen Athen und Berlin pendelt.

In seiner Athener Wohnung, die er mit Frau und Tochter teilt, erklärt er bei einem Kaffee, er sei froh, dass Syriza im Amt sei, auch wenn er To Potami gewählt habe. Für ihn ist diese neugegründete Partei offener für Koalitionen und kompromissbereiter. “Schlußendlich müssen wir abwarten. Ich werde weder über eine Partei noch über eine Regierung mein Urteil fällen, bevor sie nicht gehandelt hat”, lautet der Kommentar des Filmemachers.

Auf meine Frage, was er von der neuen Regierung erwarte, antwortet Filippos, die Minister müssten auch die Menschen respektierten, die sie nicht wegen ihres Parteiprogramms gewählt hätten. „Nicht, dass plötzlich 36 Prozent der Griechen plötzlich Linke sind. Ich glaube, dass ein erheblicher Teil der Syriza-Wähler ihr Vertrauen in die Partei gesetzt haben, weil sie eine Regierung wollen, die zwar dem Land ein Platz in der Eurozone sichert, aber auch eine Politik der sozialen Gerechtigkeit umsetzt. Diese Bürger müssen sehr ernst genommen werden“, erklärt er. Filippos meint, dass sich der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras dessen bewusst und nicht bereit ist, große Risiken einzugehen. Nicht, dass Risiken von Natur aus immer falsch seien. Nur gerade jetzt seinen sie nicht angebracht. Die gerechte Verteilung der wirtschaftlichen Lasten müsse Vorrang haben.

Später am Abend rede ich mit zwei Freunden über die Nachrichten des Tages. Beide begrüßen zwar, dass jetzt frischer Wind im Land weht. Aber beide fühlen sich ziemlich unwohl damit, dass bei der Suche nach einem Koalitionspartner die Wahl auf die Unabhängigen Griechen fiel.

Eleni Koukou ein Kunstkuratorin. Sie ordnet sich im politischen Spektrum unter Mitte-links ein. Nach ihrer Ansicht war die Wahl dieses Koalitionspartners möglicherweise ein strategischer Schritt. "Vielleicht haben sie den Rechten einen Brocken hingeworfen, um den Rücken freizuhaben.” Ungeachtet dessen spricht sie von einem ernsten Fehlgriff. Sie hofft, Alexis Tsipras werde beweisen, dass er die Unabhängigen Griechen an einer sehr kurzen Leine halten kann.

Donnerstag, 29. Januar

Jede neu gewählte griechische Regierung benutzt seit Jahrzehnten dieselbe Floskel: „Wir haben verbrannte Erde vorgefunden“, soll heißen: “Unsere Vorgänger haben eine solche Verwüstung hinterlassen, dass es nicht unsere Schuld ist, wenn wir nicht alle die erstaunlichen Versprechen umsetzen können, die wir gemacht haben.” Griechen zucken nicht einmal mit der Wimper, wenn sie diesen Satz hören. Sie reißen nicht einmal mehr Witze darüber.

Yianna Mastroyianni ist Ende 30 und Friseurin, hat vor kurzem ein Baby zur Welt gebracht. Sie flippe aus, wenn sie diese Floskel höre, sagt sie. Sie habe null Geduld und null Toleranz. "Ich fordere diese Regierung auf, das umzusetzen, was sie uns versprochen hat. Sie muss die drückende Steuerlast lockern, die kleine Unternehmen erstickt und das berufliche Überleben zu einem quälenden Kampf macht. Die Ungerechtigkeit der Sparpolitik muss ein Ende haben, und sie muss etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit tun, die höher als 50 Prozent ist.” Das bisschen Optimismus, das Yianna hat, fußt auf der Überzeugung, dass Alexis Tsipras weiß, was auf dem Spiel steht.

Heute treffe ich den ersten Menschen, der den allgemeinen Optimismus nicht teilt. Ein ehemaliger Sportjournalist und Amateurmusiker, Dimitris Hatzis. Er machte sein Hobby zum Beruf, als seine Zeitung dichtmachte. Jetzt verdient er seinen Lebensunterhalt damit, in Tavernen “Rembetiko„ zu spielen - eine Art griechischen Blues. “Es beunruhigt mich, dass die Regierungsmitglieder Maßnahmen angekündigt haben, die weder durchdacht noch realistisch sind. Zum Beispiel haben sie gesagt, dass das monatliche Mindestgehalt auf 751 Euro steigen wird. Für diejenigen, die im öffentlichen Dienst sind, ist das toll. Aber die haben bereits eine Arbeit und müssen nicht fürchten, sie zu verlieren. Aber für den Rest ist es eine sehr schlechte Idee. Denn die Arbeitslosen brauchen keine Gewissheit, dass sie nicht weniger als 751 Euro verdienen, sollten sie jemals wieder einen Job bekommen. Wir wissen genauso wie sie: Für den Fall, dass dieses Gesetz durchkommt, werden die Arbeitgeber in der Privatwirtschaft Menschen schwarz beschäftigen, keine Krankenversicherung zahlen, und zu ihren Bedingungen.” Es sei kein Geheimnis, sagt Dimitris, dass die Überwachung der Arbeitsbedingungen schon heute nicht funktioniere.

Was ihm Angst macht, sei die Ernennung von Nikos Kotzias zum Außenminister, sagt Dimitris. Der 64 Jahre alte Professor für Politik gehörte früher der kommunistischen Partei an. In den vergangenen Jahren wurden ihm enge Beziehungen zu nationalistischen Kreisen nachgesagt. Er sei ein Politiker, der gefährlich werden könne, glaubt Dimitris. „Ich bin sehr besorgt über eine mögliche Annäherung an Russland. Ich hoffe sehr, dass es nicht so kommt.” Vor dem Abschied sprechen wir kurz über seine Enttäuschung über die, wie er sagt, sehr polarisierte Stimmung im Land. Ich sage ihm, ich hätte den Eindruck, dass ausschließlich Politiker den Zorn der Menschen auf sich ziehen. Nein, antwortet er. “Die Wut war nur ein bisschen von der allgemeinen Enttäuschung über ehemalige Regierungen unter Verschluss gehalten. Aber sie war schon da .“

Freitag, 30. Januar

Neugierig auf die Gedanken von Menschen, mit denen ich vor der Wahl am Sonntag gesprochen hatte, rufe ich Vasso Kotsi an. Sie hatte erzählt, sie werde sich von den Wahllokalen fernhalten. "Ich bin sehr glücklich über die Ankündigung, dass die Kinder von Einwanderern endlich die griechische Staatsbürgerschaft bekommen. Ich bin froh, dass das Finanzministerium die Putzfrauen wieder einstellt, und ich gebe ihnen Rückendeckung bei den Verhandlungen über bessere Verträge”, sagt sie. Vasso kündigt an, das nächste Mal Syriza zu wählen.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Maria W., die ihren vollen Namen nicht genannt haben wollte, unterbricht mich, bevor ich meinen Satz über den vorsichtigen Optimismus beenden kann, den die meisten meiner Befragten zeigen. "Ich dagegen bin unvorsichtig pessimistisch. Meine beiden Hauptgründe dafür sind die Unabhängige Griechen als Koalitionspartner für eine radikale linke Partei und [Finanzminister] Yianis Varoufakis, weil der nicht weiß, wie europäische Institutionen arbeiten, außerdem ist er arrogant und kann nicht verhandeln. Und es gibt noch einen dritten Grund, nämlich die Ankündigungen des Ministers. Sie können und wollen nicht ihre Versprechen wahrmachen, die Privatisierungen einzudämmen und Tausende von Menschen wieder einzustellen. Diese Regierung sieht nicht, dass die Wirtschaft schwächer ist als im jüngsten Haushalt angenommen, weil sie die Bedeutung des wachsenden Liquiditätsengpasses nicht erkennt.”

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass jede neue Regierung zunächst immer beliebt war. Im Telefongespräch sagt der politische Analyst Elias Tsaoussakis, man könne noch kein klares Bild über die Reaktion der Bevölkerung haben. Er denke aber, ein sehr großer Teil der Menschen sei durch symbolische Gesten wie das Entfernen der Barrikaden vor dem Parlament positiv überrascht worden.

“Auf der anderen Seite gibt es eine wachsende und verständliche Sorge über die Schuldenverhandlungen.” Es existiere ein Gefühl der Freude, dass die Hoffnung über die Angst gesiegt habe. Gleichzeitig wüssten die Griechen sehr wohl, dass vor ihnen kein Zuckerschlecken liege.

Ein paar Stunden später findet in Athen die Pressekonferenz nach dem Treffen zwischen dem neuen Finanzminister Yianis Varoufakis und dem Vorsitzenden der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, statt. Sie endet mit der Ankündigung von Varoufakis, dass sich die neue Regierung um Kooperation mit den Institutionen der Eurozone, der EU und dem IWF bemühen werde. “Aber wir haben nicht die Absicht, mit einem aus drei Mitgliedern bestehenden Komitee zusammenzuarbeiten, dessen Ziel es ist, ein Programm umzusetzen, von dem wir glauben, dass es auf einer antieuropäischen Logik basiert." Varoufakis sprach von der Troika internationaler Aufseher von der Europäischen Kommission, von der Europäischen Zentralbank und vom Internationalen Währungsfonds (IWF), die die Umsetzung des Sparprogramms überwacht.

Samstag, 31. Januar

Ich bin wieder in Berlin und versuche, mit den Nachrichten aus Griechenland Schritt zu halten. Mir wurde beim Beobachten, Zuhören und in Gesprächen klar: Die Spannung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten über die ersten Maßnahmen der neuen Regierung liegt in der Luft und ist zum Greifen nahe. Was zuvor auf die sozialen Medien beschränkt war, wird nun langsam in den alltäglichen verbalen Auseinandersetzungen sichtbar. Vor dem Abflug aus Athen hatte ich meine Gedanken mit einer engen Freundin besprochen. „Wir alle reden auf einmal über Politik. Vor den Wahlen hatten wir den gemeinsamen Wunsch, die alte Regierung loszuwerden. Seit Montag mussten wir uns zu viel zu früh zusammenreimen. Wir werden uns beruhigen, irgendwann, was auch immer geschieht“, glaubt sie. Sonst könnte Dimitris Hatzis doch recht behalten mit seinen Sorgen über die Spaltung der griechischen Gesellschaft.


Schon vor der Wahl hatte Katerina Oikonomakou in einem Tagebuch über die Stimmung in Athen berichtet

Aufmacherbild von der Autorin: Monastiraki-Square