Bildung in Deutschland

Von welchen Bildungspionieren muss die Welt erfahren?

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„Meine Fresse!“, werden sich im Laufe der letzten Monate viele Eltern aufgeregt haben. Meine Fresse: Unser Bildungssystem ist eine Katastrophe! Und die Lehrer:innen! Faul. Digital irgendwo in den Neunzigern stehengeblieben. Legen die Füße hoch, während die Eltern zuhause versuchen Lehrkraft zu spielen (meistens geht so erfolgreich) und verschicken drei, vier PDFs im Monat. Und die Schulen? Keine Tablets, keine Laptops, kein WLAN, keine Ideen, kein Hygienekonzept. Argh!

Okay, kurz durchatmen. Ich glaube, es war wichtig, dass sich so viele Menschen in den letzten Monaten aufgeregt haben. Und es immer noch tun. Stichwort: Lüften. Ich glaube, dass das den Schüler:innen gut tut. Also nicht nur das Lüften, sondern das Aufregen. Denn die Kitas und Schulen sind endlich in der öffentlichen Debatte angekommen. Aber jetzt sollten wir nach vorne schauen. Ich glaube: Es haben noch nie so viele Menschen gleichzeitig versucht, Bildung besser zu machen!

Hättet ihr mir vor einem halben Jahr gesagt, dass sich die Bundeskanzlerin und die Bildungsminister:innen darauf einigen, jeder Lehrkraft einen Dienstlaptop zu bezahlen und jede Schule mit WLAN auszustatten (diesmal wirklich?) – ich hätte euch meine Hand auf die Schulter gelegt und euch mitleidig zugenickt. Ich war eine Zeit lang ziemlich pessimistisch, wenn ich mir die Schulen angeschaut habe. Ich finde: zu Recht.

Ich habe darüber berichtet, wie schlecht die Inklusion läuft (und woran das liegt). Ich habe mehrere Artikel zur Digitalisierung geschrieben (und woran sie scheitert), darüber, wie ungerecht unser Bildungssystem ist, wie sehr Bildung vom Elternhaus abhängt.  

Wo sind die Bildungs-Nerds da draußen, die es besser machen?

Aber eure Mails, eure Nachrichten, die Gespräche mit euch, die letzten Monate haben mich umgestimmt. Ich will gar nicht so tun, als wären die großen Probleme des Schulsystems jetzt gelöst. Aber es gibt Menschen da draußen, Lehrer:innen, Schüler:innen, Vereine, Initiativen, die schon jetzt eine neue Art Lernen in die Kitas und Schulen hieven. Die schon längst zeigen, wie es gehen kann. Aber: Diese Menschen kommen leider nur selten in der Öffentlichkeit vor. Es ist ja viel einfacher, sich aufzuregen. Das will ich ändern! 

Ich werde in den nächsten Monaten meinen Fokus verschieben und über diejenigen schreiben, die Hoffnung machen. Über Lehrer:innen, Eltern, Professor:innen und Studierende, die keine Lust mehr auf Methoden von vor 50 Jahren haben. Die neue, manchmal verrückte und nerdige Ideen haben, wie Lernen aussehen kann. 

Ich nenne sie „Bildungspioniere“. Denn sie zeigen uns nicht nur, dass es anders geht – durch sie verstehen wir auch besser, warum es anders gehen muss. Ich werde sie besuchen, mit ihnen sprechen, sie begleiten, nachbohren, und schauen, was bei ihnen funktioniert und was nicht. Damit wir von ihnen lernen können.

Und wie immer will ich das nicht in meinem kleinen Reporter-Zimmerchen mit mir selbst ausmachen. Ihr könnt mir dabei helfen: Von welcher Lehrerin, welcher Initiative, welchem Verein muss die Welt endlich erfahren? Ganz egal, ob die kleine Dorfschule nebenan oder die bundesweite Initiative – sagt mir unten in meiner Umfrage, wer euch inspiriert. Und wenn ihr die Umfrage auf Social Media teilt, benutzt gern den Hashtag #Bildungspioniere.


Redaktion & Schlussredaktion: Belinda Grasnick.

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