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Zuversicht

Fünf gute Nachrichten, die im August untergegangen sind

Eine Liste der Krautreporter-Gruppe für Lösungen
etwa 3 Min. Lesedauer

Unter den vielen Nachrichten, die Tag für Tag auf uns einprasseln, verstecken sich auch Berichte über Lösungen und hoffnungsvolle Anfänge. Die Mitglieder der Krautreporter-Facebook-Gruppe „Gute Nachrichten – Lösungen hat die Welt“ sammeln diese Meldungen. Das sind die fünf beliebtesten Nachrichten, die die Mitglieder im August 2020 geteilt haben:

1. Medizinstudent entwirft Handbuch für Krankheitssymptome auf dunkler Haut

Atlanta Black Star am 09.07.2020

Medizinische Lernmaterialien sind nicht divers genug. Das fiel dem Londoner Medizinstudenten Malone Mukwende auf. „Uns wurde oft beigebracht, nach Symptomen wie rotem Ausschlag zu suchen. Ich wusste, dass sie nicht wie beschrieben auf meiner eigenen Haut auftreten würden“, sagt Mukwende. Ein Problem, das während der Coronakrise noch verstärkt wurde. Potentiell Erkrankte habe man gefragt, ob sie blass seien oder ihre Lippen blau. „Das sind keine hilfreichen Beschreibungen für einen schwarzen Patienten und ihre Behandlung wird von Anfang an beeinträchtigt“, sagt der Student im zweiten Lehrjahr. Also entwarf er ein Handbuch, in dem Ärzt:innen nachschlagen können, wie Symptome auf unterschiedlichen Hauttönen aussehen. Mukwende hofft jetzt, dass Mediziner:innen weltweit sein Handbuch benutzen.

2. Stadt in Kentucky engagiert Sozialarbeiter:innen statt mehr Polizist:innen

Wave 3 News am 28.07.2020

Eine Kleinstadt in Kentucky hat etwas Neues ausprobiert. Als die 17 Polizist:innen immer mehr Arbeit hatten, schaffte die Stadt keine neue Stelle bei der Polizei, sondern stellte eine Sozialarbeiterin ein. Kelly Pompilio arbeitet seitdem mit der Polizei zusammen. Manchmal rückt sie gemeinsam mit ihr aus, meistens versucht sie aber, die Menschen so zu unterstützen, dass sie den Notruf gar nicht erst wählen müssen. Das Ergebnis: Die Zahl der Notrufe ging signifikant zurück und 15 Prozent weniger Menschen mussten ins Gefängnis. Außerdem sparte die Polizei fast 50.000 Dollar pro Jahr, denn die Ausrüstung von Polizist:innen ist teurer als die von Sozialarbeiter:innen. Das war vor vier Jahren. Die Stadt freut sich über den Erfolg und stellt jetzt zwei zusätzliche Sozialarbeiter:innen ein.

3. Unilever unterstützt seine Lieferant:innen mit Geld und Krediten

Brandeins Ausgabe 06/2020

Unilever ist ein Weltkonzern, der die Welt ein bisschen besser machen will – zumindest behauptet er das von sich selbst. Das Unternehmen produziert Konsumgüter, beispielsweise Lebensmittel oder Kosmetika. In der Vergangenheit machte der Konzern mit ambitionierten Plänen auf sich aufmerksam. Zum Beispiel verpflichtete er sich, Mitarbeiter:innen und Zulieferer:innen fair zu behandeln. Nicht immer hielt sich Unilever an seine Pläne – in der Coronakrise aber funktioniert es. Das Unternehmen hat 500 Millionen Euro mobilisiert, um Lieferant:innen durch die schwere Zeit zu helfen. Außerdem vergibt das Unternehmen Kredite an kleine Händler:innen und Dienstleister:innen, deren Existenz von Unilever abhängt.

4. Dieses Boot fährt mit der Energie der Wellen

BBC Future am 16.07.2020

Ein philippinischer Ingenieur hat ein Boot entworfen, das mit der Energie der Wellen arbeitet – und nicht gegen sie. Die Philippinen sind eine Inselnation: Mit Booten, Fähren und Transportschiffen bewegen sich Menschen und Waren zwischen mehr als 7.000 Inseln hin und her. Dabei stoßen sie jede Menge Treibhausgase aus. Im Jahr 2012 war der Verkehr die zweitgrößte Quelle für Treibhausgase auf den Philippinen. Der Ingenieur Jonathan Salvador wollte daran etwas ändern und hat nun den Prototyp eines neuartigen Bootes gebaut. Die Technik ist kompliziert: Hydraulikpumpen nehmen den Schwung der Wellen auf und wandeln die kinetische in elektrische Energie um. Die wird wiederum in einen Generator eingespeist, der das Boot mit Strom versorgt. Und dieser Strom treibt den Motor an. Das neuartige Boot mit dem „Wellenenergie-Umwandler“ wird nun optimiert.

5. Französische Regierung verbietet Vogelfallen mit Leimruten

Komitee gegen Vogelmord e.V. am 28.08.2020

In Frankreich ist es fortan verboten, Drosseln mit Leimruten zu fangen. Der Verein „Komitee gegen Vogelmord“ feierte auf Facebook den Erfolg. Die Leimrute ist eine Vogelfalle, bei der Jäger:innen Äste mit Klebstoff bestreichen und sie zum Beispiel in der Nähe eines Beerenstrauches platzieren. Landen die Vögel auf dem Ast, bleiben sie mit Füßen und Federn daran kleben, bis ein:e Jäger:in das Tier tötet oder als Lockvogel verwendet. Tierschützer:innen kritisieren, dass die an der Rute klebenden Vögel Schmerzen und Angst leiden. In Deutschland ist die Jagd mit Leimruten verboten, Frankreich ist eines der letzten Länder in der EU, in dem es noch erlaubt war. Auf Druck der EU-Kommission hat die französische Regierung Leimruten in diesem Herbst verboten. Das „Komitee gegen Vogelmord“ hofft, dass das Verbot nach dem Herbst weiter gilt.


Redaktion: Isolde Ruhdorfer, Schlussredaktion: Susan Mücke, Fotoredaktion: Martin Gommel

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