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Heilpraktiker, Homöopathie, „Schulmedizin“

Wie Gegner und Freunde der Alternativmedizin zusammenfinden könnten

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Melanie* ist KR-Mitglied und Heilpraktikerin. Sie ärgert sich oft darüber, dass ihre Arbeit pauschal abgewertet wird. „Viele Ärzte und Ärztinnen haben mich noch nie gefragt, was ich eigentlich genau mache. Aber sie bilden sich trotzdem ein Urteil und stellen nicht nur meine Arbeit, sondern gleich meinen ganzen Berufsstand in Frage.“

Melanies Frust ist kein Einzelfall. Vielen ihrer Kolleg:innen geht es ähnlich. Es stört sie, dass Patient:innen, die gute Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden machen, zu wenig ernst genommen werden. „Ich glaube, dass es den Mediziner:innen Angst macht, wenn sie hören, dass ich Menschen bei Problemen helfen kann, an denen sie sich schon lange die Zähne ausbeißen“, vermutet sie.

KR-Mitglied Knut brachte den Unmut in diesem Kommentar zum Text „Der Sinn und Unsinn von Heilpraktikern, verständlich erklärt“ auf den Punkt: „Natürlich dürfen sie sich Urteile bilden wie sie wollen und wie viele sie wollen, aber wenn sie das in Abrede stellen oder lächerlich machen, was andere erfahren haben, dann geht es ihnen um irgendwas anderes – zum Beispiel um Selbstbestätigung ihrer Mitgliedschaft in der Glaubensgemeinschaft ‚Homöopathie ist Quatsch“.

Die Diskussion um alternative Heilverfahren ist oft hitzig, auch in den Kommentaren bei Krautreporter – allerdings läuft sie dort nicht ganz so scharf, wie in den sozialen Netzwerken. Bei KR wurde noch niemand bedroht (und das soll bitte auch so bleiben). Im Netz hingegen kann man täglich Angriffe lesen, die unter die Gürtellinie gehen. Wenn Freunde und Gegner der alternativen Medizin sich Beleidigungen wie „dumm“, „verbohrt“ und „gemeingefährlich“ um die Ohren hauen, ist das noch vergleichsweise harmlos. Denn sogar aggressive Angriffe gibt es, bis hin zu Morddrohungen. Das muss zum Beispiel die Homöopathie-Kritikerin Natalie Grams erleben.

Lars Dittrich ist Biologe und Redakteur des Videoblogs MaiLab. Er gehört zu den Menschen, die sich öffentlich mit Anhänger:innen der Alternativmedizin streiten und die Prinzipien der wissenschaftsbasierten Medizin verteidigen – auch in den sozialen Medien. Er glaubt: „Die Diskussionen werden so erbittert geführt, weil es mittlerweile sehr oft um Vergeltung geht. Jede:r ist schonmal von der anderen Seite gekränkt worden. Deshalb ist die Stimmung schon geladen, bevor man überhaupt zu reden anfängt. Ich erwarte schon nichts anderes mehr als Kommentare, die unter die Gürtellinie gehen. Dabei ist mein Anliegen die Aufklärung.“

Heilpraktikerin Melanie kennt Ähnliches von der anderen Seite: „Ich werde als Mensch herabgewürdigt und verunglimpft, wenn ich auf Facebook über meine Arbeit schreibe. Insgesamt bekomme ich zwar wenige Kommentare, aber die sind in der Regel abwertend. Und der Ton ist einfach unverschämt.“

Der Begriff Alternativmedizin hat keine feste Definition. Manche verstehen darunter alle Methoden, die nicht von Krankenkassen bezahlt werden, andere alle Methoden, die von Heilpraktiker:innen angeboten werden. In diesem Text sind nur die Methoden gemeint, für die es keine wissenschaftlichen Wirknachweise gibt und die gleichzeitig nicht im Pflichtkatalog der Krankenkassenleistungen stehen.

Beide Seiten sind sehr frustriert über die hitzigen Diskussionen

Genau das ist das Absurde an dieser Debatte: Alle sind frustriert über die schlechte Streitkultur und leiden darunter, dass ihnen nicht zugehört wird. Das habe ich verstanden, als ich mich bei Anhänger:innen und Gegner:innen der Alternativmedizin umgehört habe. Niemand weiß so recht, wie man das Gespräch verbessern könnte. Denn beim Kern der Debatte kommen die Kontrahent:innen einfach nicht zusammen: Reicht es schon, wenn Menschen gute Erfahrungen mit einer Behandlung machen, um zu sagen, dass sie wirkt? Die Fans der Alternativmedizin sind überzeugt, dass die Antwort „Ja“ heißen muss. Alle anderen wissen, dass „Nein“ plausibler ist.

Statt Konsens zu finden, scheinen die Einstellungen zu Medizin und Alternativmedizin in der Gesellschaft immer weiter auseinanderzugehen. Ist ein Waffenstillstand möglich? Vielleicht sogar eine friedliche Koexistenz? Viele Patient:innen wünschen sich jedenfalls, dass der Streit endlich aufhört. Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig zu verstehen, worauf es den beiden Seiten eigentlich ankommt.

Darum geht es den Anhänger:innen der Alternativmedizin

Sie wünschen sich vor allem mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. Viele, die alternative Heilmethoden anbieten, sind Heilpraktiker:innen, aber es gibt auch Ärzt:innen, die mit Methoden experimentieren, für die wissenschaftliche Belege fehlen. Von den Patient:innen, die sie behandeln, bekommen sie viel Anerkennung. Was sie sich jedoch vor allem wünschen, ist, stärker ins Gesundheitssystem eingebunden zu werden – zum Beispiel wollen sie die Erlaubnis bekommen, gemeinsam mit Ärzt:innen Patient:innen zu versorgen. Das sieht das Berufsrecht von Ärzt:innen aber nicht vor.

Viele Verfechter:innen der Alternativmedizin verstehen sich auch als Anwält:innen ihrer Patient:innen. Denn diejenigen, die alternative Methoden schätzen, sind meist sehr zufrieden mit den Behandlungen – und oft sehr frustriert vom herkömmlichen Medizinbetrieb. Alternativmediziner:innen verbuchen das unter „Patientenzufriedenheit“. Ein Faktor für die Zufriedenheit ist, dass die Behandler:innen mehr Zeit fürs Gespräch haben. Ein weiterer, dass die Verfahren manchmal sehr beeindruckend sind, wie zum Beispiel bei der Akupunktur, wo Nadeln in die Haut gestochen werden. Wer so etwas auf sich nimmt, hat die Hoffnung, dass es hilft. Mit dieser Erwartungshaltung steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine Maßnahme als hilfreich empfunden wird – genauso wie die Wahrscheinlichkeit, dass der Placebo-Effekt zuschlägt.

Placebos sind Mittel, die keinen Arzneistoff enthalten und deshalb auch keinen spezifischen Effekt haben können. Sie werden als Kontrollsubstanz in der klinischen Forschung eingesetzt, um zum Beispiel die Wirksamkeit von neuen Arzneien zu testen: So findet man heraus, wie gut ein Mittel im Vergleich zu einem Scheinmedikament wirkt. Dadurch verhindert man, dass ein Medikament auf den Markt kommt, das nicht über den Placeboeffekt hinaus wirkt. Beim Placeboeffekt stellt sich eine psychische und/oder körperliche Reaktion ein, obwohl das Mittel oder die Maßnahme nicht in dieser Weise wirken. Die Reaktion wird auf den Kontext zurückgeführt, in dem das Placebo verabreicht wird. Zum Beispiel, wenn die Erwartung besteht, dass das Mittel einen positiven Effekt hat oder wenn Behandler:innen ganz detailliert beschreiben, wie etwas eingenommen werden muss (eine Stunde nach dem Essen, kein Metalllöffel, in reinem Wasser auflösen, dreimal umrühren).

Die Krankenkassen zahlen die meisten dieser Behandlungen nicht. Das empfinden viele Alternativmediziner:innen als ungerecht, da sie und ihre Patient:innen ja positive Erfahrungen machen. Oft bringen sie das Argument: Wer heilt, hat recht.

In den letzten Jahren kritisieren immer mehr Menschen den Beruf der Heilpraktiker:innen und fordern Reformen. Aktuell hat die Bundesregierung ein Gutachten in Auftrag gegeben, mit dessen Hilfe geklärt werden soll, ob Änderungen am Ausbildungs- und Berufsrecht nötig sind.

Für das Gutachten wurde allerdings ein Gutachter bestellt, der in der Kritik steht. Möglicherweise hat er Interessenkonflikte.

Der wichtigste Punkt der Kritik lässt sich wohl so zusammenfassen: Anbieter:innen von alternativen Heilmethoden kämpfen gegen viele Regelungen des Gesundheitssystems. Allerdings nicht, indem sie alternative Verfahren anbieten. Genau das missverstehen viele, auch Patient:innen, die darin eine Alternative zur Medizin sehen, die sie abfällig „Schulmedizin“ nennen (ein problematischer Begriff, siehe Anmerkung). Eigentlich geht es den Anbieter:innen vor allem darum, dass ihre Verfahren und ihre Art zu behandeln einen Platz im normalen Gesundheitssystem bekommen sollen.

Der Begriff Schulmedizin wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einem Homöopathen erfunden, um alternative Methoden von damals üblichen abzugrenzen. Schon kurze Zeit später wurde der Begriff als Kampfbegriff eingesetzt, um die herkömmlichen Medizinmethoden abzuwerten. In der Nazizeit erfuhren alternative Ansätze zuerst eine Aufwertung, weil viele Ärzt:innen jüdischer Abstammung waren. In dieser Zeit war „verjudete Schulmedizin“ ein Kampfbegriff. Als Jüd:innen später untersagt wurde, ärztlich tätig zu sein, verschärfte man auch das Heilpraktikerrecht, um ihnen diesen Ausweg zu nehmen. Der Begriff Schulmedizin ist deshalb belastet. Die Unterscheidung zwischen wirksamen und unwirksamen Methoden ist zielführender. Als Begriffspaar bietet sich Medizin für alles, was nachweislich wirkt, und Scheinmedizin oder Pseudo-Medizin, für alles, was nicht nachweislich wirkt, an.

Darum geht es den Kritiker:innen der Alternativmedizin

Die schärfste Kritik an der Alternativmedizin kommt gar nicht von den Institutionen des Gesundheitssystem direkt – obwohl man genau das meinen könnte, wenn man sich die Motive der Alternativ-Fans und ihre Abwehr gegen das System anschaut. Krankenkassen, Fachgesellschaften oder das Bundesministerium für Gesundheit kritisieren eher verhalten und sehr punktuell, zum Beispiel einzelne Verfahren wie die Homöopathie. Was übrigens auch dazu beiträgt, dass diejenigen, die die Alternativmedizin laut kritisieren, so frustriert sind. Sie finden, dass das System durch sein Schweigen einen großen Fehler macht.

Die leidenschaftlichste Kritik an unwissenschaftlichen Verfahren kommt interessanterweise von Menschen, die ebenfalls auf eine Schwäche unseres Gesundheitssystems hinweisen wollen. Zu diesen Kritiker:innen gehören Ärzt:innen, Therapeut:innen, Pflegekräfte, Apotheker:innen, Medizinjournalist:innen und Wissenschaftler:innen, die zu medizinischen Fragen forschen. Einige Verbände zählen auch dazu. Und viele kleinere Initiativen, wie zum Beispiel das Informationsnetzwerk Homöopathie (das übrigens einen Kodex für gute Kommunikation veröffentlicht hat).

Sie fordern, dass alles, was in der Medizin angewendet wird, zuvor gut überprüft wird. Die entscheidende Frage dabei lautet: Nutzt es den Patient:innen mehr, als es schadet? Sie nennen das „Patientensicherheit“. Medizinische Verfahren dürfen Patient:innen nicht gefährden. Das ist die erste Prämisse. Gleichzeitig sollen sie Krankheiten wirkungsvoll bekämpfen. Das alles beschreibt man so: Das Verfahren muss eine spezifische Wirkung haben. Das dazu passende Argument: Wer nachweisen kann, dass er heilt, hat tatsächlich recht.

Zum Teil ist diese Forderung bereits fester Bestandteil des Systems, zum Beispiel immer dann, wenn neue Arzneimittel oder Therapieverfahren entstehen und von den Krankenkassen bezahlt werden sollen, damit möglichst alle Menschen Zugang dazu bekommen. Das entscheidende Prüfgremium dafür ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) (Erklärvideo).

Ihre Kritik an der Alternativmedizin ist, dass sie eben diese Voraussetzungen nicht erfüllt. Studien, die eine spezifische Wirkung nachweisen, fehlen in der Regel. Da an alle Verfahren der gleiche Maßstab angelegt werden muss, fallen die alternativen Heilverfahren deshalb meistens durch. Deswegen werden diese Verfahren nicht von Krankenkassen bezahlt, von Mediziner:innen nicht verordnet und von Wissenschaftler:innen nicht anerkannt.

Es gibt ein paar Ausnahmen, zum Beispiel Akupunktur bei Knie- und Rückenschmerzen.

Ein wichtiges Prinzip der wissenschaftlichen Medizin ist die sogenannte patientenrelevante Forschung, die – einige wird das wundern – Patient:innen in den Mittelpunkt stellt (Grafik beim Klick auf das i). Dabei geht es um vier Fragen:

  1. Verlängert die Behandlung das Überleben?
  2. Verringert die Behandlung Beschwerden und Komplikationen?
  3. Fühle ich mich besser?
  4. Welche unerwünschten Effekte hat die Behandlung?

Diese Grafik stellt dar, was für Patient:innen wichtig ist.

Quelle: Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen

Wenn Wirkungsnachweise für eine Behandlung in Bezug auf diese vier Kriterien fehlen, ist eine Diskussion überflüssig. Dann muss einfach abgewartet werden, bis es diese Belege gibt oder klar ist, dass das Verfahren sich schlicht nicht eignet.

Es gibt auch viele etablierte Verfahren in der Medizin, denen dieser Wirkungsnachweis ebenfalls fehlt. Da sie aber gerade nicht neu eingeführt werden, greift der institutionelle Überprüfungsprozess bei ihnen nicht. Beispiel: Zahnspangen. Für sie ist bisher ein medizinischer Nutzen nicht belegt, der Nutzen beschränkt sich meistens auf kosmetische Aspekte. Trotzdem werden die Kosten zu einem großen Teil von den Krankenkassen übernommen.

Emotional explosiv wird es genau dann, wenn Menschen – aus welchen Gründen auch immer – anzweifeln, dass wissenschaftliche Wirkungsnachweise überhaupt nötig sind. Oder sie zweifeln an den Nachweisen, die es bereits gibt. Das stellt nicht nur die Prinzipien des wissenschaftlichen Fortschritts, der in der Medizin sehr mühsam erkämpft wurde, in Frage. Es gefährdet potenziell auch die Patient:innen.

Kritiker:innen der Alternativmedizin beklagen, dass eine sachliche Diskussion oft nicht möglich ist, weil der anderen Seite häufig das Wissen über die wissenschaftlichen Prinzipien fehlt. Sie müssen dann gegen Behauptungen argumentieren, die in der wissenschaftlichen Medizin gar nicht diskutierbar sind.

Beide Seiten haben Gemeinsamkeiten

Einen Kompromiss in der Sache kann es eigentlich nicht geben. Die einen sagen: „Wir möchten Teil der etablierten Medizin sein. Auch wenn unseren Verfahren der Wirkungsnachweis fehlt.“ Die anderen wollen das System noch strenger machen, also nur noch medizinische Verfahren im Gesundheitswesen sehen, die einen solchen Wirkungsnachweis haben. Dazu müssten übrigens auch viele Methoden, die im Gesundheitswesen etabliert sind, nochmal neu auf den Prüfstand, denen dieser Nachweis ebenfalls fehlt.

Deshalb muss man fragen: Welchen Sinn hat es, überhaupt weiter zu diskutieren? Viel logischer wäre es, einmal festzuhalten, dass eine Einigung in Sachfragen nie kommen wird.

Helfen könnte es aber, sich klarzumachen, wo es Gemeinsamkeiten gibt. Eine große, vielleicht die entscheidende, habe ich gefunden. Alle wollen, dass das Gesundheitssystem besser wird. Die Alternativmediziner:innen fordern mehr Zeit und Zuwendung für Patient:innen und würden diese Qualität gerne selbst mehr in das System einbringen. Die Botschafter:innen der wissenschaftlichen (evidenzbasierten) Medizin fordern, dass alle Verfahren, die angewendet werden, nachweislich wirken. Denn nur was wirkt, kann Medizin sein. Alles andere ist eher Wellness oder, im schlechten Fall, schädlich.

Die Politik muss sich einmischen

Das Problem ist, dass jedoch keine Seite wirklich die Macht hat, das Gesundheitssystem zu gestalten. Zwar sind schon viele Prinzipien der wissenschaftlichen Medizin in das System integriert, aber gleichzeitig ist es in großen Teilen auch darauf ausgerichtet, Kosten einzusparen und sogar Profit zu machen. Das sieht man zum Beispiel am Abrechnungssystem der Krankenkassen. Es belohnt diejenigen, die viele Patient:innen durchschleusen. Qualität der Behandlung und Zuwendung spielen für das Abrechnen der Leistungen so gut wie keine Rolle.

Der Widerstand gegen das System und die Leiden, die dadurch erst entstehen, wächst spürbar. Vor allem bei Pflegekräften, Ärzt:innen und Therapeut:innen. Sie wären froh, wenn sich mehr Patient:innen auf ihre Seite schlagen würden, anstatt die Flucht in ein Parallelsystem anzutreten, das ihre Bedürfnisse nach Zuwendung und Zeit besser bedienen kann. Und das nur deshalb so gut funktioniert, weil Patient:innen selbst dafür zahlen müssen.

Klar ist aber doch: Das Patientenwohl muss im Mittelpunkt jeder Medizin stehen. Damit es Patient:innen gut geht, müssen vor allem zwei Dinge erfüllt sein: Erstens, Medizin muss sicher sein. Sie muss nachweislich mehr wirken als schaden (nicht nur gefühlt!). Und, zweitens, müssen sich Patient:innen gut aufgehoben fühlen. Das hat weniger mit einem beeindruckenden Verfahren zu tun, das viel Geld kostet, als vielmehr mit Vertrauen in die Fähigkeiten der Methode, der Behandler:innen und des Systems. Und damit, dass Patient:innen an ihrer eigenen Behandlung beteiligt werden – dass sie nicht hilflos sind.

Wenn die Energie, die zurzeit in die fruchtlosen Kontroversen über die Legitimität der Verfahren gesteckt wird, in den Kampf um ein wissenschaftlicheres und zugleich menschlicheres Gesundheitssystem gesteckt werden würde, wäre dem System und den Patient:innen gedient.

Dazu ist es wichtig, die Gesprächspartner:innen zu wechseln. Beide Seiten wollen etwas von der Politik. Also wäre es logisch, Politiker:innen zu verdeutlichen, dass das System schief ist und sie zum Handeln zu drängen. Das Problem dabei ist allerdings, dass Politiker:innen oft nur auf öffentlichen Druck reagieren. Und genau dafür braucht man auch eine entsprechend große und laute öffentliche Debatte.

Eine Erkenntnis ist: Ohne neue Gesetze wird der Streit nicht beigelegt werden können. Deshalb muss die Politik dafür sorgen, dass alle Verfahren, die zur Medizin gehören, die gleichen Voraussetzungen erfüllen müssen. Außerdem muss sie prüfen, welche Teile des Parallelsystems „Alternativmedizin“ vom regulären System übernommen werden können, ohne die Prinzipien der wirksamen Medizin zu gefährden. Die emotionale Debatte, die darauf folgen wird, muss die Politik dann einfach mal aushalten.


*Der Name wurde von der Redaktion geändert und ist der Autorin bekannt.

Redaktion: Theresa Bäuerlein, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Martin Gommel

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