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Tagebuch Ostdeutschland verstehen – Tour der Völkerfreundschaft , Folge 4

Ostdeutschland ist mein Alkohol

von Christian Gesellmann
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Tagebuch Ostdeutschland verstehen - Tour der Völkerfreundschaft
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Tagebuch Ostdeutschland verstehen - Tour der Völkerfreundschaft
Gemein- und Schönheiten im deutsch-deutschen Verhältnis

Vor Kurzem hat mir ein Freund erzählt, er habe sich bewusst dazu entschieden, seine ostdeutsche Identität nicht anzunehmen. Mich hat das an etwas erinnert, was ein Alkoholiker sagen würde (oder jemand, der aufhören will zu rauchen): „Ich hab die ganze Woche noch nichts getrunken.“

Dass jemand nichts getrunken hat, wäre ja eine absolute Nullinformation, hätte er kein Problem mit dem Trinken. So ist das auch bei meinem Ossi-Freund. Wenn er keine ostdeutsche Identität besäße, könnte er ja gar nicht beschließen, diese nicht anzunehmen. Es ist eine Reaktion auf etwas, das offenbar da ist, und ohne das es sich seiner Meinung nach besser leben ließe. So dumm der Spruch ist – gleichzeitig ist er das Intelligenteste, was ich zum Thema bisher gehört habe.

Denn geschrieben und geredet wird ja 30 Jahre nach dem Mauerfall wieder sehr viel über das innerdeutsche Verhältnis, über Ost und West, Ossis und Wessis, über Ungerechtigkeiten und die Treuhand und die AfD und die ewigen Nazis, die einfach nicht weniger werden. Der Begriff „ostdeutsche Identität“ zieht sich dabei wie Gummi durch die Feuilletons und Radiofeatures, die klugen wie dämlichen Essays.

Wir sind die Summe veränderlicher Eigentümlichkeiten

Lasst uns deshalb erst einmal kurz darüber nachdenken, was Identität eigentlich ist. Wie Heimat ist das ja ein Begriff, der zwar sehr oft benutzt wird, bei dem aber irgendwie unklar ist, was er bedeutet. Mir war das auch nicht so ganz klar, denn ich habe mich zwar sehr viel mit Geschichte und Politik Ostdeutschlands beschäftigt, aber nie intensiv mit „Identität“.

Mein erster Schritt war, bei Youtube mal „Ted Talk“ und „Identität“ in die Suchmaske einzugeben. Es erscheinen Dutzende Videos zum Thema, in denen kluge Menschen über Identität reden. Alle reden über etwas völlig anderes. Das hat mir also erstmal nicht weitergeholfen.

Dann habe ich bei Wikipedia nachgeguckt. Da habe ich eine sehr lange und komplizierte Definition gefunden und auf das Wesentliche zusammengekürzt:

Identität … ist die Gesamtheit der Eigentümlichkeiten, die (uns) kennzeichnen und als Individuum von anderen unterscheiden.
Wikipedia

Also habe ich mir ein Blatt Papier genommen und begonnen aufzuschreiben, welche „Eigentümlichkeiten“ mich denn so ausmachen. Zuerst auf meinem Zettel steht: Zwickau. Der Ort an dem ich geboren wurde, in den Kindergarten ging, meine erste Folge Lolek und Bolek schaute, wo mein Vater Trabis baute und Oma Ruhla-Uhren verkaufte. Die Stadt, dessen Fußballverein ich feiere, an dem ich zum Nachbar einer Neonazi-Terrorzelle wurde, und aus dem ich auch schon zweimal weggezogen bin. Ganz klar ist Zwickau für mich Identität. Was noch?

Deutschland.
Europa.
Mann/männlich.
Aufgewachsen in den 90er-Jahren.
Fußball.
Bolognese.

Bolognese? Ja, während ich so an meiner Liste saß, musste ich an Marcel Proust und die berühmte Madeleine-Szene aus dem Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ denken. Proust hat darin genial beschrieben, wie sich Identität in einem Stück Gebäck verstecken kann. Als Prousts Protagonist eine Madeleine in seinen Tee tunkt, rufen der Geschmack und der Geruch lange verschollene Kindheitserinnerungen herauf. Während ich darüber nachdachte, ging bei mir sofort der Bolognese-Alarm los.

Hat hier jemand Bolognese gesagt?

Christian Gesellmann

Irgendwo tief in mir gibt es einen Bolognese-Schalter. Ich weiß nicht, wann und wo er angeht. Aber wenn es passiert, dann muss ich sofort los und Nudeln machen. Das liegt an meinem Großvater. Der war Italiener, ist aber geboren und aufgewachsen im Erzgebirge. Wie die Männer seiner Zeit hat er natürlich nie gekocht. Die Küche: Omas Revier. Aber einmal im Monat hat er sich an den Herd gestellt und Bolognese gekocht. Kochen kann man eigentlich gar nicht sagen, es war eher eine Zeremonie, und bis heute kann ich dir jeden einzelnen Schritt dieser Messe beschreiben, vom Abtropfen der Dosenchampignons III. Wahl bis zum Falzen der Tomatenmarktube an der Tischkante, das Auswaschen des kleinen Tetrapaks mit den passierten Tomaten, das Zerbrechen der Makkaroni.

Irgendwann kommt die Zeit, da muss man lernen, seine eigene Bolognese zu kochen. Im Gegensatz zu meinem Großvater, der in einer feinkostfeindlichen Umgebung aufwuchs, konnte ich aus dem Vollen schöpfen. Ich wollte sie perfekt machen, wollte mich noch einmal so geborgen fühlen wie in dieser kleinen Küche im Erzgebirge, in der mein Opa seine fremde Heimat aus dem Kochtopf heraufbeschwor.

Aber egal, was ich tat, meine Bolognese wurde nie perfekt. Ob mehr Wurzelgemüse oder weniger, passierte oder stückige Tomaten, Sardellen oder Hühnerherzen – es war nie dasselbe. Nach Jahren verstand ich, warum diese Suche nach der verlorenen Bolognese so vergeblich war, als ich in einem kleinen ranzigen Bistro in Bukarest einen Teller serviert bekam. Ohne probiert zu haben, stiegen mir beim Blick auf die Nudeln die Tränen in die Augen. Das war die Bolognese meiner Kindheit. Sie war perfekt. Sie schmeckte schrecklich.

Der Volkswagen-Fanclub Karl-Marx-Stadt mit einem Mottowagen zum Thema Identitätskrise.

Christian Gesellmann

Was ich mit dieser Episode sagen will: Identität ist etwas extrem Individuelles, und oft auch sehr Zufälliges, und nicht selten Unfreiwilliges. Vor allem ist sie für jeden etwas anderes. Herkunft ist ein Teil unserer Identität. Aber eben nur einer von vielen, und letztlich wird sie vor allem dadurch definiert, wie wir uns damit auseinandersetzen, ob wir uns überhaupt damit auseinandersetzen müssen. Neben einem italienisch-erzgebirgischen Großvater habe ich noch zwei ungarische Großeltern. Und die sind wiederum Donauschwaben, die nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden waren und in Zwickau landeten. „Vergiss nicht“, sagte mein Opa einmal in seinem seltsamen Akzent zu mir, „wir sind keine Sachsen.“ Hä?, dachte ich, was soll das denn bedeuten? Ich hatte noch nie darüber nachgedacht. Auch, dass es bei der Bolognese meines anderen Großvaters gar nicht wirklich um etwas zu Essen ging, sondern um ein Stück Identität, konnte ich erst verstehen, als mir meine Heimat selber zum ersten Mal fehlte.

Ich kann das nur empfehlen. Macht diese Übung zur Identität mal selbst. Schreibt mal auf, was da für euch alles dazugehört. Da kann man sich selbst nochmal neu kennenlernen.

Oft wird Identität auf Herkunft beschränkt. Aber dass ich ein Reporter bin, hat mich zum Beispiel ebenfalls stark geprägt und als Mensch verändert. Ich habe andere Kulturen kennengelernt, was Armut ist, und was es bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, die nicht frei ist. Und dann ist ja auch das noch passiert in meinem Leben: Liebe. Auch noch mit einer Frau aus einem anderen Land. Sowas addiert auf jeden Fall ein paar neue Eigentümlichkeiten zu der Gesamtheit an Dingen, die dich als Individuum so ausmachen.

Und noch ein letztes ist wichtig zu wissen, wenn man über Identität spricht. Deine Identität ist ständig im Wandel. Panta rhei, „alles fließt“, sagten die alten Griechen. Nicht nur ist Identität bei jedem anders zusammengesetzt. Sie ist auch immer in Bewegung.

Meist bin ich dieser Mensch hier ganz links im Bild, Typ gutgelaunter Klugscheißer, würde ich sagen. Manchmal bin ich aber auch der in der Mitte, Typ Prolet, der auf dem Bau arbeitet, Wände einreißt, und zum Feierabend mit einem Bier in der Hand vom Dach pfeift. Und dann bin ich aber ab und zu auch mal der Typ ganz rechts, von dem ich noch nicht mal so genau weiß, was er eigentlich ist:

Wenn wir Begriffe wie „ostdeutsche Identität“ so sträflich generalisierend verwenden, dann kreieren wir damit auch ein Fremdsein gegenüber all unseren Eigenschaften, die nicht so beständig, vordergründig, offensichtlich sind. Wir kreieren eine Unsicherheit, die besonders Männer dann mit Gewalt kompensieren. Und ja, sowas passiert in Ostdeutschland statistisch gesehen häufiger. Ist es deswegen „ostdeutsch“? Nein. Das ist keine einfache Wahrheit. Aber so viel Komplexität müssen wir uns einfach mal zumuten, wenn wir in dieser Debatte vorankommen wollen.

Identität ist tatsächlich in vielerlei Hinsicht wie eine Beziehung. Eine Zweckbeziehung, um genau zu sein. Man kann jederzeit auch Schluss machen und sich eine neue Identität zulegen, wenn einem die alte nicht mehr gefällt. Man macht es aber meist dann doch nicht. Weil wir Menschen nicht so programmiert sind. Wandel macht uns Angst. Und so ist es uns oft lieber zu wissen, woran wir leiden, als ein Leiden zu beenden und dann nicht zu wissen, was auf uns zukommt.

Außerdem ist es auch viel bequemer, wenn wir jemanden haben, dem wir die Schuld geben können. Weil sonst müssten wir die Fehler immer bei uns selbst suchen. Und das ist sehr unbequem. Und genau das ist der Grund, warum wir so viel über ostdeutsche Identität reden, dass man denken könnte, es gibt sie wirklich. Die Vereinfachung von Komplexität gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. Es ist eigentlich eine banale Feststellung, aber es ist wichtig, sich nochmal klar zu machen – „Ostdeutsche Identität“ ist vor allem ein mediales Phänomen:

Eine Reportage der Zeit über Sachsen, wo angeblich alle Karl May lieben, „die Sprache peitscht und die Heimat glüht“.

Der Spiegel mit einem tiefen Griff in die Klischeekiste:

Natürlich ist es zu einfach, die Popularität der Schwarz-Weiß-Malerei allein auf die Medien zu schieben. Der Journalist Juan Moreno hat das sehr schön auf den Punkt gebracht. Er hatte vergangenes Jahr den Hochstapler Claas Relotius enttarnt, der als Star-Reporter des Spiegel Dutzende Preise für seine Reportagen erhielt, die nicht nur phrasenhaft waren, sondern auch zum Großteil frei erfunden. Moreno schrieb ein Buch darüber und fragte sich darin unter anderem, wieso denn alle auf diese oberflächlichen Texte so beständig reingeflogen sind. Seine Erklärung:

Ein Relotius-Text machte einen nicht schlauer, er gab einem aber das angenehme Gefühl, bereits schlau zu sein. Hatte da doch jemand in mühevoller Arbeit genau das zusammengetragen, was man schon immer ahnte.
Juan Moreno

Das Problem ist: Vereinfachung führt zu Klischees. Und Klischees sind zwar eine legitime Form der Auseinandersetzung mit der Welt, eine spielerische Form. Kein Witz würde ohne Klischee funktionieren.

Gesehen in Hypezig.

Christian Gesellmann

Klischees werden jedoch immer wahrer, je öfter man sie wiederholt. Vereinfacht gesagt: Man wird zu dem, für den einen andere eh schon halten. Ich möchte dir das kurz an dem Beispiel des Begriffs „Dunkeldeutschland“ erklären:

Der aus Rostock stammende Joachim Gauck sprach 2015 als Bundespräsident im Zusammenhang mit Angriffen auf Flüchtlingen davon, dass es ein „helles Deutschland“ und ein „Dunkeldeutschland“ gibt. Der Begriff stand 1994 schon einmal als polemische Bezeichnung für Ostdeutschland auf der Liste der Unwörter des Jahres. Damals wurde er vor allem im Zusammenhang mit den rassistischen Angriffen auf ein Flüchtlingsheim in Rostock-Lichtenhagen benutzt.

Ein Jahr nach Gaucks Äußerung erschien im Fan-Block des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden ein riesiges Transparent, auf dem stand: „Das ist der dunkle Osten.“ Darüber ein Bild von einem vermummten Dynamo-Fan mit Baseballschläger. Eine Botschaft an die Gastmannschaft aus München, an Gauck und natürlich eine bildgewaltige, kalkulierte Provokation, von der die Dynamo-Ultras genau wussten, dass sie bundesweit Schlagzeilen machen wird.

Screenshot: MDR

Christian Kabs, der als Sozialarbeiter seit einem guten Jahrzehnt beim Fan-Projekt Dresden arbeitet, sagt: „Die Fans spielen natürlich mit dem Klischee, und das ist auch in gewisser Weise eine Parodie. Andererseits passiert es auch, dass sich Leute mit dem Image identifizieren. Wenn man immer wieder den Stempel aufgedrückt bekommt, besonders rechts und besonders brutal zu sein – dann verinnerlicht man das irgendwann.”

So kommt eine Spirale in Gang, sagt Kabs, die auch zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden kann: „Ein negativer Ruf zieht dann auch ein gewisses Klientel an.”

Die Reaktion der Dynamo-Fans ist natürlich ein sehr drastisches Beispiel, ein Stadion ist letztlich auch eine Bühne, und die Übertreibung, mit der die Ultras hier arbeiten, ist eben genau das: eine Übertreibung. Abseits solcher Bühnen funktioniert die Fremdzuschreibung von Identität häufig viel subtiler, wie mein Leipziger Kollege Tarek in seinem Artikel „Sagt viel aus: Viele Ostdeutsche verstecken bewusst ihre Dialekte“ beschreibt.

Wir reden viel über ostdeutsche Identität. Und über Heimat. Und darüber, was deutsch ist, Leitkultur und Abendland und der ganze Mist. Lasst uns damit aufhören. Das sind Pseudodebatten, die nur dazu führen, dass Leute durch künstliche Definitionen in irgendwelche Raster gepresst werden, in denen sie sich nicht wohlfühlen. Es gibt kein Sandkorn, und erst recht keinen Menschen zweimal.

Ich sage allerdings ausdrücklich nicht: Lasst uns aufhören, über einen „Osten“ und einen „Westen“ Deutschlands zu reden. Wenn man sich die 56 Statistiken des Deutschland-Atlas anschaut, den das Bundesinnenministerium herausgibt, erkennt man auf vielen davon sofort, wo die Grenze einmal verlief:

Wenn es um die Wahlbeteiligung geht zum Beispiel:

BMI

Oder um das verfügbare Einkommen:

BMI

Um den Anteil junger Menschen an der Bevölkerung:

BMI

Oder um den Anteil ausländischer Menschen an der Bevölkerung:

BMI

In vielen anderen wichtigen Statistiken kann man hingegen gar keine Unterschiede zwischen Ost und West mehr erkennen. Bei der Erreichbarkeit von Krankenhäusern zum Beispiel:

BMI

Oder bei der Erreichbarkeit des Nahverkehrs:

BMI

Der Verfügbarkeit mobilen Internets:

BMI

Oder den Baulandpreisen:

BMI

Ein Argument, das häufig von denen verwendet wird, die die Ost-West-Debatte für beendet erklären wollen, ist der Blick auf die Arbeitslosenquote. An ihr könne man doch erkennen, dass die neuen Bundesländer längst kein Sonderfall mehr sind:

BMI

Wenn mit Klischees Politik gemacht wird, dann landen wir schnell bei Identitätspolitik. Das ist das, was die AfD macht. Identitätspolitik ist etwas, was Populisten und Diktatoren machen. Und es ist etwas, was immer am Anfang vom Ende einer freien Gesellschaft steht.

Niemand soll oder muss seine ostdeutsche Identität – was auch immer das ist – ablegen oder annehmen, wenn er oder sie das nicht möchten. Es ist doch scheißegal, ob meine Bolognese nord- oder süditalienisch oder rumänisch oder erzgebirgisch ist. Wichtig ist, dass sie schmeckt und dass ich jemand habe, mit dem ich gemeinsam am Tisch sitzen und sie essen kann!

Lasst uns lieber endlich mal über Lösungen reden für die großen Unterschiede, die es noch gibt zwischen Ost und West, und die immer mehr Menschen hier zu Recht nicht mehr hinnehmen möchten. Wir arbeiten mehr und verdienen weniger. Wir haben weniger Vermögen und weniger Wohneigentum und sind immer noch die verlängerte Werkbank westdeutscher Unternehmen. Unsere Kommunen haben nur halb so hohe Steuereinnahmen, und es gibt bei weiten Teilen der Bevölkerung inzwischen extreme, rechtsextreme Zweifel an unserem demokratischen System.

Lasst uns doch endlich mal über Lösungsansätze dafür reden! Über eine Ost-Quote für Führungskräfte zum Beispiel. Über eine gerechtere Verteilung der Steuereinnahmen. Lasst uns über die Politik der Treuhand reden und Arbeitsmarktreformen und Privatisierungen. Lasst uns darüber reden, dass man in ländlichen Regionen Deutschlands kaum noch Menschen oder Tiere oder echte Natur sieht. Und dass Gewaltdelikte fast immer nur von Männern begangen werden.

Aber hört auf, so zu tun, als wären wir ein seltsames Volk, mit einem seltsamen Akzent!

Drei Tipps für weniger Klischee

Wie kommen wir dahin? Zum einen brauchen wir den Mut, uns komplizierte Antworten anzutun. Es ist einfacher und befriedigender, von einem hellen und einem dunklen Deutschland zu sprechen. Es ist aber auch dumm, und führt zu nüschd. Identität ist deutlich komplexer. Ostdeutschland ist es auch.

Schaut genauer hin. Konsumiert bessere Medien und seid bereit, dafür auch Geld auszugeben (an dieser Stelle darfst du dir gern schon einmal auf die Schulter klopfen). Journalismus kostet. Aber eine freie Gesellschaft braucht guten Journalismus.

Zum anderen haben wir es uns hier im Osten Deutschlands lange genug geleistet, zur Politik insgesamt bestenfalls ein zynisches Verhältnis zu haben. Hört auf, so zu tun, als wäre Politik etwas, was nur von Menschen in Anzügen in Berlin gemacht wird! Jeder, der irgendwie am Gemeinschaftsleben teilnimmt, macht Politik. Es wird Zeit, dass wir diesen Teil unserer Identität auch annehmen.


Redaktion: Philipp Daum; Schlussredaktion: Vera Fröhlich; Bildredaktion: Martin Gommel.

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