© Philipp Gladsome

Hadnet Tesfai

„Man kann rassistische Dinge sagen, ohne dem allgemeinem Verständnis nach ein Rassist zu sein“

Halbe-Katoffl-Podcast von Frank Joung
etwa 2 Min. Lesedauer

Hadnet Tesfai wird 1979 in Eritrea in Ostafrika geboren. 1982 landet ihre Familie nach einer langen Flucht durch Sudan und Saudi-Arabien in Deutschland. Eritrea versinkt zu dieser Zeit in einem Krieg um die Unabhängigkeit von Äthiopien. Ungefähr zwei weitere Jahre ziehen die Tesfais durch verschiedene Asylbewerberheime, bis sie schließlich 1984 im schwäbischen Göppingen eine neue Heimat finden.

Ihre Eltern hätten sie und ihre drei Geschwister darauf vorbereitet, dass sie Menschen begegnen würden, die ihnen „feindlich“ gesinnt seien, sagt Hadnet. „Meinen Eltern war bewusst, dass sie uns in eine Umgebung gebracht haben, in der wir immer deutlich auffallen. Die Chance, einfach mitzuschwimmen, habe ich nicht.“

Hadnet findet sich gut in der Schule zurecht. „Schule ist mir leichtgefallen – was nicht heißt, dass es nicht auch schwer war.“ Sie ist sich ihres „Exoten-Daseins“ bewusst, findet aber Kommentare über ihre Hautfarbe wie „Hat's hier gebrannt“ gar nicht lustig.

„Die Schule war so derart weiß, dass ich sogar nach diesem einen Alibi-Türken gesucht habe. Und dann komme ich da hin und bin das kleine, dünne, schwarze Mädchen mit einer großen Klappe, die sich nichts sagen lässt. Das war nicht ohne. Aber ich komme aus einem gesettleten Elternhaus, wo wir diese Dinge auch besprochen haben.“

Generell ist der Familienzusammenhalt, aber auch der Community-Gedanke im eritreischen Bekannten- und Freundeskreis wichtig. Hadnet fühlt sich gut aufgehoben in beiden Welten – auch wenn rassistische und diskriminierende Situationen nicht selten sind.

Ihre Reaktion darauf variiert je nach Tagesform: „Manchmal will ich auch sauer sein.“ Sie habe keine Lust mehr, Leute zu erziehen. Viele verstünden ihre Reaktionen nicht:

„Man kann rassistische Dinge sagen, ohne dem allgemeinem Verständnis nach ein Rassist zu sein. Das macht das Sprechen über Rassismus so wahnsinnig schwer. Aber je älter ich werde, desto stärker habe ich das Gefühl, dass ich eine konstruktive Art finden muss, darüber zu reden.“

In ihrem Job als Moderatorin – unter anderen für RBB, MTV Germany, red! auf ProSieben, ZDF Kultur – erlebt sie häufig positiven Rassismus. Oft wird sie stereotyp besetzt. Sport und Musik sind ihre Themen. Aber manchmal fragt dann doch ein mittelständisches schwäbisches Unternehmen für eine Firmenfeier an, bei der sie die einzige Schwarze im Saal ist. „Da frage ich mich: Seid ihr sicher, dass ihr mich haben wollt? Und dann ist es voll cool und nett.“


Hadnet auf Instagram: @hihadnet

Der Halbe-Katoffl-Podcast ist eine Gesprächsreihe mit Deutschen, die nicht-deutsche Wurzeln haben. Moderator ist der Berliner Journalist Frank Joung, dessen Eltern aus Korea kommen. Es geht um Themen wie Integration (gähn), Identität (ach ja) und Stereotypisierungen (oha) – aber eben lustig, unterhaltsam und kurzweilig. Anekdoten aus dem Leben statt Theorien aus dem Lehrbuch.

Wer ist eine Halbe Katoffl?
Halbe Katoffln gibt es in den verschiedensten Sorten. Manche haben einen deutschen Pass oder ein deutsches Elternteil, manche sind hier geboren, aufgewachsen oder zugezogen.

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