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Petitionen

Online-Petitionen können etwas bewirken – ausgerechnet der gescheiterte Protest gegen Artikel 13 zeigt wieso

Analyse von Rico Grimm
etwa 3 Min. Lesedauer

Wer sich in den letzten zehn Jahren im Internet bewegt hat, hat sie schon einmal bekommen: die Aufforderung, eine Online-Petition zu unterschreiben, für dieses, gegen jenes. Und Millionen Menschen haben es auch getan.

Es geht ja auch ganz einfach: Mail-Adresse eingeben, klicken und schon hat man sich engagiert. Aber gerade, weil es so einfach ist, werden viele misstrauisch: Was kann das dann schon bewirken?

Diese Frage stellte uns Aline aus der Community, und sie setzte sich unter 800 Krautreporter-Lesern gegen neun andere Fragen in einer Umfrage durch. Also habe ich mich an die Recherche gemacht: Ich habe Studien gelesen, berühmte Online-Petitionen angeschaut und mit Wissenschaftlern gesprochen, mit Menschen, die Petitionen gestartet haben und mit den Betreibern von Plattformen, auf denen Petitionen gestartet werden.

Die Frage setzte sich gegen folgende anderen Fragen durch:

  • Was muss getan werden, damit Vertreter in Bundes- und Landtagen einen echten Querschnitt der Gesellschaft darstellen?
  • Woher bekommen die Kirchen in Deutschland eigentlich ihr Geld, wie viel haben sie und wofür geben sie es aus?
  • Gemeinschaftsprojekte scheinen ein Trend zu sein, aber haben sich unsere Eltern wirklich weniger gesellschaftlich engagiert?
  • Warum sind die unter 30-Jährigen nicht politisch aktiver?
  • Welche Auswirkungen hat Gendermarketing auf die Gesellschaft?
  • Erst Karriere, dann Kind. Warum ist „Social Freezing“ in Deutschland eher unbekannt?
  • Wie schafft es Costa Rica, ein liberales Musterland umgeben von Chaos und Korruption zu sein?
  • Was ist mit den Flüchtlingen passiert, die Erdogan der EU abgenommen hat?
  • Wie könnte Deutschland kinderfreundlicher werden?

Bevor ich mit der Recherche begonnen habe, habe ich Fragen der Leser zu dem Thema gesammelt. Hier findet ihr die Ergebnisse. Klare Schwerpunkte lassen sich bei Finanzen, Wirkung und Datensicherheit erkennen. Ich bin deswegen im Text insbesondere auf die Geschäftsmodelle der Plattformen nochmal etwas tiefer eingegangen.

Meine Recherche zeigt: Online-Petitionen können etwas bewirken, sogar mehr als die meisten Menschen vermuten. Allerdings führt keine gerade Linie von der Unterschrift zu neuen Gesetzen oder politischen Veränderungen. Petitionen bündeln Interessen, helfen Aktivisten dabei, sich zu organisieren und wichtige Informationen unter die Leute zu bringen. Sie sind ein Werkzeug unter vielen, das Menschen einsetzen können, um etwas zu verändern.

Wie politische Veränderung passieren kann, beschreiben wir in diesem Zusammenhang.

Das Problem ist: Wie und ob Petitionen genau wirken, kann ein Außenstehender fast nie einschätzen. Denn der politische Prozess ist oft sehr komplex. Es gibt Ausnahmen, etwas diese hier, bei der ein Fan des Fußballvereins Borussia Dortmund mit einer Petition durchsetzen konnte, dass das Westfalenstadion plastikfrei wird. Aber was bitte haben denn zum Beispiel die 3,2 Millionen Unterschriften gegen das nordatlantische Freihandelsabkommen TTIP genau bewirkt?

Deshalb möchte ich mit euch nun ins Innere der größten Online-Petition blicken, die Deutschland in den vergangenen Jahren gesehen hat. Unter der Überschrift „Stoppt die Zensurmaschine – Rettet das Internet! #Uploadfilter #Artikel13“ machten Aktivisten gegen eine Urheberrechtsreform der Europäischen Union mobil. Stand heute haben mehr als fünf Millionen Menschen aus der ganzen Welt diese Petition unterschrieben. Wer vergessen hat, worum es bei der Urheberrechtsreform genau ging, kann noch mal einen Blick auf meinen Erklärtext werfen.

Diese Geschichte erzählen wir auf eine etwas andere Weise als sonst. Wenn ihr weiter scrollt, startet eine Grafik, durch die ihr durchwischen oder durchscrollen könnt. Am besten sieht es übrigens am Handy aus. Mit angeschalteten Werbeblockern funktioniert die Grafik nicht.

-> Hier geht es zur Grafik. <-


Redaktion: Philipp Daum; Schlussredaktion: Vera Fröhlich; Bildredaktion: Martin Gommel.

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