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Sommer, Sonne, Lesen

Bücher von Autorinnen – das sind die Top Ten der Krautreporter-Community

Eine Liste zusammengestellt von Susan Mücke
etwa 6 Min. Lesedauer

Neulich unterhielt ich mich mit einem Freund über Urlaubslektüre. Wir redeten über Autoren und Autorinnen. Irgendwann fragte ich ihn: Wie viele Bücher von Frauen hast du eigentlich gelesen? Er meinte, die machen vielleicht drei Prozent aus. Drei! Das hat mich richtig schockiert. Und dann auf eine Idee gebracht.

Ich habe die KR-Leserinnen und -Leser gefragt: „Welches Buch einer weiblichen Autorin empfiehlst du?“ Ich bekam 309 Antwort-Mails mit genau 302 Empfehlungen. Ich habe daraus die zehn häufigsten Nennungen ausgewählt. Los geht es mit Platz zehn. (Die vollständige Liste findet ihr am Ende des Beitrags.)

10

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann (Roman, 2017)

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Nur wer, ist unklar. Leky erzählt davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, wagen oder gestehen. Zur Leseprobe

Empfohlen von Steven, Cynthia, Matthias

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Die Sprache. Unglaubliche Sätze! Mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit behandelt sie die großen Themen des Lebens: Liebe und Tod.“ (Steven)

9

Sibylle Berg: GRM – Brainfuck (Roman, 2019)

Die Helden des Romans, der in Großbritannien spielt, sind vier Kinder, die nichts anderes kennen als die Realität des gescheiterten Staates. Ihre Hoffnung, in die sie sich flüchten, ist Grime (kurz GRM), die größte musikalische Revolution seit dem Punk. Zur Leseprobe

Empfohlen von Franziska, Wilfried, Wintermutex, Hans

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Die extrem gute und plastische Beschreibung der Milieus der Protagonisten. Man fühlt sich ebenfalls eingeengt und hoffnungslos.“ (Franziska)

8

Margarete Stokowski: Untenrum frei (Essays, 2016)

Stokowski erzählt, wie es ist, als Mädchen in Deutschland aufzuwachsen. Sie schreibt von unzulänglichem Aufklärungsunterricht, von Gewalterlebnissen, von Sex und von Liebe. Sie zeigt dabei, dass wir von Geschlechtergerechtigkeit noch weit entfernt sind. Zur Leseprobe (PDF)

Empfohlen von Charlotte, Anonym, Sophia, Robert, Sonja, Frauke

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Margarete Stokowski enthüllt frauenfeindliche Strukturen und Denkmuster präzise und verständlich und schafft es, dabei auch noch lustig zu sein.“ (Sonja) „Es ist witzig, herzlich, klug und clever, und ich habe es am Stück verschlungen.“ (Frauke)

7

Marion Zimmer-Bradley: Avalon-Saga (8 Science-Fiction/Fantasy-Romane, 1983 bis 2010)

Die Saga ist eine der bekanntesten Fantasy-Reihen weltweit. Zimmer-Bradley erzählt die mittelalterliche Sage von König Artus und den Rittern der Tafelrunde aus der Sicht seiner Schwester Morgaine und zeigt die Helden in einem neuen Licht. Zur Leseprobe

Empfohlen von Ariane, Jörg, Manfred, Falk. Angela empfiehlt die „Darkover-Serie“

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Die Ich-Erzählung der Ereignisse der Artus-Saga aus dem Blickwinkel einer Frau. MZB hat einen großartigen erzählerischen Stil, der plastisch die Welt vor dem geistigen Auge erschafft.“ (Falk) „Die Art der Erzählung hat mich mitgenommen auf eine fantastische Reise in eine Traumwelt, aus der ich niemals mehr erwachen wollte.“ (Ariane)

6

Margret Atwood: u.a. Der Report der Magd (Roman, 1985)

Atwood entwirft die Dystopie eines totalitären Staates, in dem Frauen keine Rechte haben. Die Magd besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben. Zur Leseprobe

Empfohlen von Ming und Jonas, Uta empfiehlt „Katzenauge“, Julia „Lady Orakel“ und Lydia „Die essbare Frau“

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Spannende dystopische Geschichte.“ (Ming)

5

Christa Wolf: u.a. Kassandra (Erzählung, 1983)

Wolf kommentiert die Ereignisse des Trojanischen Krieges, einem zentralen Ereignis der griechischen und der römischen Mythologie, aus der Perspektive der trojanischen Königstochter und Seherin Kassandra. Sie lehnt sich gegen die Gewalt der Diktatur und gegen die Macht der Männer auf, nur ihrer eigenen Überzeugung verpflichtet. Zur Leseprobe

Empfohlen von Gerda und Wilfried. Martin empfiehlt „Kindheitsmuster“, Elga „Nachdenken über Christa T.“, Susan „Stadt der Engel“

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Das Buch orientiert sich an der griechischen Vorgabe von Aischylos, spielt aber auf Zustände in der DDR in der Zeit des Kalten Krieges an. Es ist eine beeindruckende gesellschaftliche Kritik von einer der größten Schriftsteller:innen der DDR.“ (Gerda)

4

Dörte Hansen: Mittagsstunde (Roman, 2018)

Ingwer Feddersen kehrt in sein Heimatdorf zurück. Seine Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Hansen erzählt von einem norddeutschen Dorf im Wandel, vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und Neubeginn. Zur Leseprobe

Empfohlen von Christiane, Chris, Sarah, KF, Annette und Michael. Anuschka empfiehlt „Altes Land“

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Die Art und Weise, das Landleben in einem Dorf in Norddeutschland zu beschreiben, ist genial, und die Perspektive eines Dorf-Jungen, der auszog in die Stadt und wieder zurückkommt, macht einfach großen Spaß.“ (Annette)

3

Ursula K. Le Guin: Freie Geister (Science-Fiction-Roman, 1974)

Das Buch ist eine der bedeutendsten Utopien des 20. Jahrhunderts. Es stellt die Systemfrage: Kommunismus, Kapitalismus oder Anarchismus? Zur Leseprobe (PDF)

Empfohlen von Evelyn, Fenja und Klaus. Asja empfiehlt „The Word for World is Forest“, Kosta „Die Enteigneten“, Simone Ines „Die linke Hand der Dunkelheit“, Enno „The Dispossessed. An Ambiguous Utopia“

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Die in dieser spannenden Science-Fiction entwickelte Utopie, dass sich wegen anarchistischer oder kapitalistischer Gesellschaftsformen völlig entfremdete und getrennt lebende Wesen wieder die Hand reichen und die verschiedenen Welten miteinander weiterentwickeln können.“ (Evelyn) „Die Komplextät der Charaktere, der ungewöhnliche Ansatz für einen SciFi-Roman, der gleichzeitig hochaktuelle Themen aufgreift (obwohl das Buch fast 50 Jahre alt ist).“ (Asja)

2

Juli Zeh: Unterleuten (Roman, 2016)

Unterleuten heißt das fiktive Dorf in der Prignitz im westlichen Brandenburg, das Schauplatz des Romans ist. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert, wer genauer hinschaut, entdeckt die Hölle. Als eine Investorenfirma einen Windpark bauen will, gerät das soziale Gefüge des Dorfes in einen Strudel. Zur Leseprobe (PDF)

Empfohlen von Sven, Hartmut, Leonie, Rebekka und Samuel. Jelka empfiehlt „Corpus Delicti“, M. und Sarah empfehlen „Nullzeit“

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Die Charaktere in dem Buch sind toll gezeichnet, mit Licht- und Schattenseiten. Kaum jemand darin ist nur gut oder schlecht, sondern mehrdimensional. Außerdem spielt es in Brandenburg – das hat man ja auch nicht alle Tage in einem Krimi.“ (Sven)

1

Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah (Roman, 2013)

Adichie erzählt von der Liebe zwischen Ifemelu und Obinze, die im Nigeria der neunziger Jahre beginnt. Dann trennen sich ihre Wege: Die selbstbewusste Ifemelu studiert in Princeton, Obinze strandet als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren begegnen sie sich in der alten Heimat wieder und stehen vor einer schweren Entscheidung. Zur Leseprobe (PDF)

Empfohlen von Anne, Lea, Julia, Stefan, Zoe und Wolfgang. Adalbert empfiehlt „Liebe Ijeawele – Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden“, Celine und Anonym „Die Hälfte der Sonne“, Katharina „Purple Hibiscus“

Was hat dir daran besonders gefallen?
„Afrikanische Perspektive auf Rassismus und Identität, hochpolitisch und deshalb für mich besonders bereichernd, weil afrikanische Lebensweisen und Perspektiven deutlich werden, von denen ich vorher viel zu wenig wusste.“ (Anne) „Dieser Klassiker von Chimamanda Adichie ist ein fantastisches, bewegendes und aufrüttelndes Buch über die unterschiedlichen Rollen und Schicksale von Männern und Frauen im nigerianischen Bürgerkrieg. Abgesehen davon, dass sie einen wundervollen Schreibstil hat, ermöglicht sie es einem, sich in die schwierige Lage ihrer Protagonisten und -innen reinzuversetzen und ihre teils gegensätzliche Kämpfe zu verstehen. Gänsehaut!“ (Celine über Die „Hälfte der Sonne“)


Die komplette Liste aller 302 Buchempfehlungen findet ihr in diesem PDF

Danke an alle Leserinnen und Leser, die sich an dieser Liste beteiligt haben.

Redaktion: Philipp Daum; Schlussredaktion: Vera Fröhlich; Bildredaktion: Martin Gommel.