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Warum wir die Schule im Dorf lassen sollten

Autorenpost von Bent Freiwald
etwa 3 Min. Lesedauer

Man kann Deutschland ja in viele Gegensätze aufteilen, wenn man denn möchte. In Ost und West zum Beispiel. Oder nach der beliebtesten Biersorte (warum ist Krombacher da so oft vorn?). Oder aber in Stadt und Land. In den Städten machen schließlich mehr Schüler Abitur als auf dem Land. Das stimmt, trotzdem werden Dorfschulen oft zu Unrecht belächelt, das zeigt eine neue Studie (Achtung: 143 Seiten PDF) des Aktionsrats Bildung.

Ein Beispiel: Auf dem Land gibt es mehr Ausbildungsmöglichkeiten, und das sollte man – gerade in Zeiten, in denen gefühlt alle Abitur machen wollen – nicht unterschätzen. Auch die Leseleistung ist laut der Studie bei Grundschüler:innen auf dem Land besser als in der Stadt. Was daran liegen könnte, dass in den Städten ungefähr jedes dritte Kind eine andere Muttersprache hat als Deutsch, auf dem Land sind das nur 17 Prozent. 

Meine drei Monate als Vertretungslehrer habe ich auch auf einer Dorfschule verbracht (obwohl es streng genommen eine sehr kleine Stadt war). Aber dort war tatsächlich noch Friede, Freude, Rhabarberkuchen aus der Mensa. Dafür haben Dorfschulen ganz andere Probleme: Weil immer mehr Familien in die Städte ziehen, mangelt es den Dorfschulen an etwas ganz Grundsätzlichem: den Schüler:innen. Ohne die braucht es keine Schule, könnte man jetzt schlussfolgern. Allerdings: Wenn man die Landflucht zu Ende denkt, kann man es sich als Familie ohne Schule in der Nähe kaum noch leisten, auf dem Dorf zu leben. Das kann ja nicht das Ziel sein. Vorschlag aus der Studie: mehrere Klassenstufen gemeinsam unterrichten.

Schön hiergeblieben!

Was die Autor:innen noch fordern: Mehr Entscheidungsfreiheit für die einzelnen Schulen. Die Schulleiter:innen wissen schließlich am besten, ob sie gerade am dringendsten eine Expertin für Sprachförderung, einen Inklusionshelfer oder eine Schulsozialarbeiterin einstellen sollten. Heute sind die meisten Schulen aber noch an ihre Behörden gebunden, an das Schulamt oder das Bildungsministerium. Bei Fragen der Finanzierung herrscht oft Chaos, das hatte ich im November am Beispiel einer Schule in Schleswig-Holstein gezeigt, die ein neues Gebäude braucht. Das Problem: Niemand will es bezahlen.

Zuletzt, so die Studie, solle man auch mal prüfen, wie fair die Bildungsausgaben von Hochschulen eigentlich sind. Der Malerbetrieb um die Ecke kennt das ja: Man bildet den Azubi teuer aus – und dann heuert er woanders an. So ähnlich gehts auch den Unis auf dem Land: Nach dem Abschluss ziehen die Student:innen in die Großstädte. Das führt dazu, dass einzelne Bundesländer viel investieren, aber kaum profitieren. Das kann sich auch der Malermeister auf Dauer nicht leisten.

Eine Zusammenfassung der Studie mit weiteren Ergebnissen liefert die Frankfurter Allgemeine


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Danke an alle, die mitgemacht haben! Eure Antworten helfen mir sehr! 


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... möchte für eine weitere Folge ihrer Serie zu Hans Roslings Buch „Factfulness“ ein kleines Experiment mit euch starten. Sie will euch eine Frage stellen, auf die ihr ganz spontan antworten sollt, ohne vorher über die Antwort nachzudenken, quasi der erste Impuls. Ihr könnt ihr die Antwort kommentarlos per Mail schicken, der erste Satz, der euch auf ihre Frage einfällt, "aus der Hüfte geschossen", könnte man sagen. Und hier (bitte Trommelwirbel dazudenken!) kommt die Frage: Was ist das erste, was euch zu Ruanda in den Kopf schießt? Und was als zweites? Eure spontanen Antworten gehen an: esther@krautreporter.de

Bis nächste Woche!

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