© Unsplash / Paolo Nicolello

Familie

So bekommst du mehr kinderfreie Zeit – und kannst sie auch genießen

etwa 15 Min. Lesedauer

Ich selbst bin Mutter von zwei kleinen Kindern, und manchmal erwische ich mich bei einem Gedanken. Ich träume von den großartigen Dingen, die ich machen werde, wenn ich tatsächlich eine ganze Stunde für mich allein habe. Aber wenn es dann soweit ist, tue ich oft nichts davon.

Krautreporter-Mitglied Cona geht es ähnlich. Sie hat auch zwei Kinder, 4 und 7 Jahre alt. Sie arbeitet, genauso wie ihr Mann, und ist im Ehrenamt als Elternvertreterin aktiv. Schon morgens beginnt die erste Arbeit damit, die Kinder aus dem Haus in Kita und Schule zu bewegen. Wenn abends gegen 23 Uhr der Haushalt gemacht, die Arbeit erledigt ist und die Kinder schlafen, hat die 38-Jährige endlich Freizeit.

Sie ist müde, aber sie sagt: „Nach einem stressigen, durchgetakteten Tag, an dem ich viel für andere gemacht habe, möchte ich endlich auch noch etwas tun, was nur für mich ist. Wenn ich mich frage, was mir guttun würde, wäre das wahrscheinlich einfach schlafen gehen. Aber das finde ich auch langweilig.“ Meistens bleibt Cona dann bei Twitter und Netflix hängen. Und wenn sie drei Stunden später müde ins Bett fällt, fühlt sie sich nicht weniger gestresst als zuvor. Sie fragt sich, wie sie die freie Zeit hätte besser für sich nutzen können.

„Ich könnte auch zwischen 20 und 21 Uhr Sport machen, wenn mein Mann die Kinder hinlegt, aber das kriege ich irgendwie nicht hin. Verabreden ist auch schwierig, weil das auch Organisieren bedeutet. Ich wünsche mir eine Freizeitroutine, die sich in meinen Alltag integrieren lässt“, sagt Cona.

Liebe Cona, ich weiß, dass du mit diesem Wunsch nicht allein bist. Das habe ich gemerkt, als ich die Krautreporter-Leser gebeten habe, mir von ihren Erfahrungen zu berichten. Das zeigen auch Untersuchungen von Freizeitforschern. Aber während der Recherche habe ich dank der Krautreporter-Mitglieder auch sechs Strategien gefunden, die machbar sind und uns beiden helfen können.

Zeit für sich zu haben, ist für Eltern wichtig. Sie müssen auf sich achten, wenn sie für ihre Kinder da sein wollen. KR-Mitglied Ella hat auf Kur folgende Geschichte gelernt, die sie mehr oder weniger gut versucht zu beherzigen: „Wenn eine Mutter mit ihren Kindern im Flugzeug sitzt und es kommen Turbulenzen, dann setzt eine gute Mutter zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske auf. Denn mit einer bewusstlosen Mutter können die Kinder nichts anfangen.“ Das Problem: Eltern und speziell Mütter haben häufig am wenigsten freie Zeit.

Ein Berufstätiger, der Vollzeit arbeitet, hat heute jährlich durchschnittlich etwa 2.500 Stunden Freizeit. Das entspricht knapp einem Drittel des gesamten Jahres. Die übrigen 70 Prozent verteilen sich auf Arbeits- (20 Prozent) und Schlafzeit (30 Prozent) sowie Zeit, in der zu Hause nach- oder vorgearbeitet wird und E-Mails gecheckt (20 Prozent) werden. Die Grenzen vom Arbeitstag und dem klassischen Feierabend verschwimmen für viele Menschen immer häufiger. Wie fließend die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit sind, habe ich in einem früheren Artikel untersucht.

Immer mehr Menschen müssen in ihrer Freizeit für den Job arbeiten oder sich weiterbilden. Hat man nun Kinder, reduziert sich die frei verfügbare Zeit noch einmal erheblich. Besonders für Mütter: Sie arbeiten deutlich länger als noch vor 15 Jahren, verbringen aber gleichzeitig auch mehr Zeit mit ihren Kindern als früher. So kommen sie auf täglich 165 Minuten Betreuungszeit (Väter auf 80 Minuten), egal ob sie berufstätig sind oder nicht, wie eine umfangreiche Untersuchung des Statistischen Bundesamts zur „Zeitverwendung“ in Deutschland gezeigt hat.

Hinzu kommt folgendes Phänomen: Die meisten Menschen verbringen ihre Freizeit nicht so, wie sie eigentlich wollen. Wunsch und Wirklichkeit driften in der Freizeitgestaltung stark auseinander, so wie bei Cona, die mir deswegen schrieb.

Sinn der Freizeit ist die Pause. Doch vielen fällt es schwer, Leere auszuhalten, nichts zu tun, sich vielleicht sogar zu langweilen. Dabei entstehen gerade aus der Leere häufig neue Ideen und die Möglichkeit, für sich herauszufinden, was einem guttut.

In den 1950er Jahren lag das „Aus dem Fenster gucken“ als dritthäufigste Freizeitbeschäftigung noch ganz vorne. Es ist seither fast ausgestorben. Dabei war es kontemplativ und kommunikativ zugleich. Anfang der 1960er Jahre wurde das Fenster dann vom Bildschirm abgelöst. Fernsehen wurde im folgenden Jahrzehnt zur häufigsten Freizeitbeschäftigung und ist es bis heute geblieben. 95 Prozent der Deutschen schauen mindestens einmal pro Woche fern.

Überhaupt machen Medien den größten Teil der Freizeit aus. Die sechs häufigsten Beschäftigungen sind neben Fernsehen, Radio oder Musik hören, im Internet surfen sowie von zu Hause und unterwegs aus telefonieren. Dazu kommen Social Media und E-Mails sowie Zeitung lesen.

Das zeigt die Studie „Freizeit-Monitor“ (2018).

Dabei wünschen sich die Menschen etwas ganz anderes. In den Top 10 der Freizeit-Aktivitäten, die die Deutschen machen möchten, ist keine einzige mit Medienbezug. Spontan das tun, wozu sie Lust haben, ausschlafen oder auch einen Tages- oder Wochenendausflug unternehmen, stehen hier an erster Stelle.

Das sagt der Freizeitforscher

„Eine gelungene Freizeitgestaltung sollte den ganz persönlichen Bedürfnissen dienen“, sagt der Freizeitforscher und Zukunftswissenschaftler Ulrich Reinhardt. Das gelingt immer weniger Menschen. „Viele Menschen würden sich eigentlich lieber wirklich mit ihren Freunden treffen, als ständig nur zu schreiben. Sie würden lieber spontan ihren Bedürfnissen folgen, als immer erst in den Kalender schauen zu müssen, und würden gern auch einfach einmal faul auf der Couch den eigenen Gedanken nachgehen, als ständig aktiv zu sein. Kurzum, die Menschen wünschen sich nicht nur freie Zeit für etwas, sondern auch Freiheit von etwas.“

Reinhardt, der selbst Vater von zwei Kindern ist, hat untersucht, warum das so ist. Er sagt: „Während es früher hieß ‚Alles zu seiner Zeit’, lautet heute das Motto ‚Mehr tun in gleicher Zeit’. Das Freizeitangebot hat sich über die Jahre vervielfacht. Dieses Überangebot nehmen einige als Bereicherung wahr, bei anderen kann es aber auch zu Stress und Überforderung führen.“

Besonders was die Medien betrifft, stellt sich häufig das Gefühl ein, einer Flut an Nachrichten ausgesetzt zu sein, was Stress auslöst. Wie du informiert bleiben kannst, ohne dich darin zu verlieren, habe ich in einer anderen „Gebrauchsanweisung für dein Leben“ dargestellt.

„Zu den Verlierern zählen – entgegen der eigentlichen Wünsche – gerade in den letzten fünf Jahren, die zwischenmenschlichen Kontakte. Freunde treffen, Bekannte zu sich nach Hause einladen, Zeit mit den Enkeln verbringen oder einen Plausch mit den Nachbarn halten: All dies hat abgenommen.“ Stattdessen hat der Trend, sich selbst zu optimieren, auch die Freizeit ergriffen. Die werde damit immer öfter zur Stresszeit, in der man immer öfter von einer Aktivität in die nächste springe, Dinge parallel tue und überall dabei sein wolle, aus Angst, etwas zu verpassen.“

Reinhardt rät, sich so weit wie möglich von äußeren Zwängen zu befreien. Dazu gilt es zunächst herauszufinden, was einem – nicht nur in der eigenen Freizeit – wirklich wichtig ist und worauf man vielleicht doch eher verzichten könnte. Er selbst bastelt häufig in seiner Hobbywerkstatt Holzspielzeug für seine Tochter und Zubehör für die Modelleisenbahn des Sohnes.

Das sagen die KR-Leser

Die meisten KR-Leser, die sich an meiner Umfrage beteiligt haben, kennen das Problem, das Cona beschreibt. Nico sagt: „Immer wieder erwische ich mich beim Vertüddeln der Zeit im Internet und bin danach unzufrieden. Ein Stück weit kann ich das beeinflussen, indem ich die digitalen Geräte zum Beispiel nicht neben dem Bett lagere.“ Nils ist grundsätzlich auf Facebook auf allen Geräten ausgeloggt und hat ein langes, kompliziertes Passwort, das verhindern soll, dass er mal eben schnell auf die Sozialen Medien zugreift. Jule nimmt sich immer wieder vor, Sport zu machen, setzt es aber nie um, obwohl sie weiß, dass es ihr guttun würde. Dafür hat sie neulich angefangen zu puzzeln und dabei Musik oder Podcasts zu hören.

Dieser Beitrag beruht ganz wesentlich auf dem gesammelten Wissen der KR-Leser. Die Themen für diese Kolumne stammen von KR-Lesern. Die Leser stellen Fragen und stimmen anschließend darüber ab, welchem Thema ich mich widmen soll. Wenn ich mich an die Arbeit mache, frage ich immer zuerst die KR-Mitglieder, welche eigenen Erfahrungen sie gemacht haben und welchen persönlichen Rat sie haben. Häufig ziehe ich noch einen externen Experten hinzu, der aus Sicht seiner Profession spricht. Wenn du wissen möchtest, an welchen Themen ich gerade arbeite, und dich an meinen Recherchen beteiligen willst, abonniere meinen Newsletter.

Die KR-Leser haben zahlreiche Ratschläge geteilt, wie es gelingt, die rare Freizeit sinnvoll zu verbringen. Auch wenn die Tipps sich im Detail unterscheiden, lassen sie sich dennoch in sechs Schritten bündeln.

Der 1. Schritt: Akzeptiere, dass du nicht perfekt bist

„You can't pour from an empty bowl“, sagt Lillian. Das heißt, du kannst nicht aus einer leeren Schüssel gießen. „Selbstfürsorge ist unglaublich wichtig. Was leben wir auch unseren Kindern vor? Aufopferung bis zur Erschöpfung? Nein. Lieber eine relaxte Mama statt Pseudo-Perfektionismus“, sagt sie. Sie selbst nutzt ihre tägliche anderthalbstündige Pause nach dem Job, bevor das Kind nach Hause kommt, indem sie in Ruhe isst, dabei Netflix guckt und dann noch ein Nickerchen macht.

„Gerade Mütter werden heute einem unglaublichen Druck ausgesetzt“, sagt Grete. „Es muss alles perfekt sein. Kinder müssen vor der Schule lesen, schwimmen, Rad fahren können. Die Frau soll unendlich lange super sexy aussehen, top im Beruf sein.“ Es sei doch viel schöner, das alles mal hinter sich zu lassen. „Ich habe mir abgewöhnt, jedes Wochenende ein zauberhaftes Menü auf den Tisch stellen zu wollen, obwohl ich wirklich gern koche und Neues ausprobiere, oder immer das kulturell hochwertige Programm auf die Beine zu stellen – aber ich hadere damit, weil ich selbst in mir eher einen Hochleistungssportler sehe. Dafür geht es mir insgesamt besser damit.“

Grete führt gegen das ewige Optimieren in allen Lebensbereichen das „Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs“ an. Dieses wirtschaftswissenschaftliche Modell besagt, dass die letzte erzielte Einheit mit dem größten Aufwand einhergeht. Das heißt, „der Sportler, der von Platz 2 auf Platz 1 kommen will, muss für diesen meist kleinen Unterschied viel mehr trainieren als für den von Platz 5 auf 4.“ Schau also im normalen Leben genau, wo das Optimum liegt und schwimme einfach mal mit der Masse.

Grete sagt: „Wenn ich zum Beispiel nicht auf der Suche nach dem Staubkorn bin und nicht alles perfekt mache, wird auch im privaten Bereich der letzte erzielte Nutzen nicht so wahnsinnig teuer erkauft werden. Um mal alle Klischees zu bedienen: Dann darf die liebe Schwiegermutter etwas Staub sehen, der Partner mich nicht perfekt, aber sehr wohl passabel vorfinden – dafür in besserer Stimmung.“

Das sagt auch Karin: „Die eigenen Ansprüche runterschrauben: Mein Garten muss nicht wie geleckt aussehen. Wenn Freunde zu Besuch kommen, muss es kein Drei-Gänge-Menü geben. Und Prioritäten setzen: Lieblingsmenschen kommen vor allem anderen. Außerdem: Ansprüche an andere runterschrauben, zum Beispiel mit Unterstützung zufrieden sein und nicht 'nachbessern', auch wenn es nicht so geworden ist, wie man es selbst gemacht hätte. Und auch: Hilfe einfordern.“

Der 2. Schritt: Nimm dir nicht zu viel vor

Aber was macht man mit den langen Listen unerledigter Aufgaben? Zunächst mal kürzen: Nicht mehr als fünf Dinge sollten auf einer To-do-Liste stehen. Sandra nimmt sich oft zu viel vor und je mehr sie sich vornimmt, desto unmotivierter wird sie. Ihr hilft es, in ihrer Freizeit mit einem schönen Punkt auf der To-do-Liste anzufangen. Sie sagt: „Das erfüllt mit Zufriedenheit, trotz unerledigter Dinge.“

Für Achim funktioniert es genau andersrum am besten: „Es gibt meistens ein paar Sachen, die erledigt werden müssen. Bei solchen Dingen mit dem Ätzendsten anfangen, dann ist es erledigt und du fühlst dich schon mal besser und hast den Kopf frei für das, was du wirklich machen willst, statt vor unangenehmen Pflichten auszuweichen.“

Der 3. Schritt: Richte dir Freizeit ein

Das mag banal klingen, aber niemand, der arbeitet, einen Haushalt und Kinder hat, hat per se freie Zeit. Wie jede neue Angewohnheit, muss man sich die Freizeit erst nehmen. Auch wenn es anfangs vielleicht nur 20 Minuten sind. Es ist ein Lernprozess, der damit beginnt, freie Zeit erstmal zu erleben, um zu erfahren, wie wertvoll sie ist, und sich dann zu entscheiden, sie sich auch einzurichten. Sabine hat einmal in der Woche einen kinderfreien Nachmittag und Abend, zusammenhängend, und hat Folgendes für sich gelernt: „1. Ich bleibe nicht in meiner üblichen Umgebung (sonst passiert es mir wie Cona, dass ich vor dem Bildschirm festklebe). 2. Ich verabrede mich gegebenenfalls. 3. Ich plane vorher meine Aktivität, sonst siehe 1.“

Babette macht an einem festen Abend in der Woche einen Zirkuskurs. Der ist fix, und den lässt sie sich auch nicht nehmen. Sie sagt: „Ich finde es wichtig, sich ein Hobby zu suchen, was an einem festen Wochentag zu einer festen Zeit stattfindet. Wenn man dann dort auch noch nette Leute trifft, gibt es keine Ausreden mehr, doch auf dem Sofa liegen zu bleiben.“

Clarissa, Mutter einer einjährigen Tochter, ist ihr Sport einmal in der Woche und Gesangsunterricht einmal im Monat heilig. Sie sagt: „Als Mutter prasseln ständig irgendwelche Erwartungen auf einen ein. Mein Rat: Etwas zu tun, bei dem es überhaupt nicht darauf ankommt, etwas zu schaffen.“

Der 4. Schritt: Mach nur das, was du selbst willst

Eine Verhaltenstherapeutin gab Silke einmal den Tipp, Zettel zu schreiben, darauf je eine Tätigkeit, die sie gerne tun würde. „Nordic-Walking-Stöcke rauskramen“ steht auf einem ihrer Zettel. „Mandala häkeln“ oder „Spazierengehen“. Silke sagt: „Hab ich Pause, zieh ich einen. Theoretisch. Funktioniert bei mir aber nicht. Müßiggang verlernt.“ Vielleicht hilft es anderen, denn letztlich muss jeder für sich selbst herausfinden, was einem nützt. Jule, die neulich wieder angefangen hat zu puzzeln und dabei Musik oder Podcasts zu hören, schlägt vor, direkt einzuplanen, wie lange man auf Twitter verbringen möchte, sich dann einen Wecker zu stellen und Benachrichtigungen auszuschalten.

Pina hat einen halben Tag in der Woche Freizeit. Sie nimmt sich meistens vor, „etwas Bestimmtes aufzuräumen oder zu putzen (mit lauter Musik!) oder zu erledigen.“ Und wenn sie das gemacht hat und dann noch Zeit ist, belohnt sie sich mit TV oder Kaffee und Buch oder so. Sie sagt: „Es hilft, sich eine Sache auszusuchen, auf die man wirklich Lust hat, und danach die Disziplin aufzubringen, den Fernseher auszuschalten. Das beugt diesem unzufriedenen, gammligen Gefühl vor.“

„Ich würde keine Serien schauen, da ist schnell die ganze Nacht verschwendet“, sagt Fanny, die auch nur selten Zeit wirklich nur für sich hat (ohne Kind, ohne Freund). Und Lena rät: „Tagsüber keine Filme gucken. Habe ich schon so oft gemacht, um mich von einem turbulenten Vormittag vermeintlich zu erholen und mir was zu gönnen. Man ist aber hinterher matschig im Kopf und der Kreislauf ist im Keller.“

Edda hat mit Handarbeit begonnen, einem Hobby, in dem sie sich hervorragend verlieren kann, das aber keine weiteren Verpflichtungen mit sich bringt. Sie sagt: „Ich kann es einfach wochenlang liegen lassen, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen habe, und wenn ich doch etwas zu Ende bringe, ist es ein tolles Gesprächsthema, das mich stolz macht.“

Der 5. Schritt: Bleibe bei dem, was du dir vorgenommen hast

Auf dem Sofa hängen zu bleiben, hat auch mit einer menschlichen Eigenschaft zu tun, die besagt, dass wir hartnäckig dazu neigen, kurzfristige Bedürfnisse vor den langfristigen zu priorisieren. Es erfordert eben einige Anstrengung, eine alte Gewohnheit abzulegen und eine neue Aktivität aufzunehmen. Es sollte immer etwas sein, das man um seiner selbst tun will, nicht um etwas zu produzieren oder jemandem einen Gefallen zu tun.

Daniela joggt seit einigen Monaten, abends, wenn die Kinder schlafen, oder am Wochenende, wenn sie sich mit ihrem Mann in der Kinderbetreuung abwechselt. Besonders im Winter war es hart, Handy gegen Stirnlampe zu tauschen, aber danach hatte sie wirklich das Gefühl, was für sich getan zu haben. Sie sagt: „Zieh es durch, überwinde den inneren Schweinehund. Es wird jedes Mal leichter. Finde etwas, was dich motiviert und beobachte die Veränderungen an dir.“

Der 6. Schritt: Verzeihe dir selbst, wenn du am Ende doch deine Zeit am Bildschirm verdaddelt hast

Teresa hat mit Vollzeitjob und drei Kindern nicht sehr viel eigene Freizeit. Am liebsten ist ihr ihre eigene Zeit am Samstagvormittag, wenn ihr Mann mit den Kindern zwei Stunden einkaufen geht (Wocheneinkauf) und sie machen kann, was sie will. Sie sagt: „Ich finde es auch schwierig, die wenige Freizeit ‚gut’ zu nutzen. Mein Rat an Cona (und genauso auch an mich selbst!) ist, die Ansprüche herunterzufahren, was ‚gut’ genutzte Freizeit ist. Auch wenn es sich nicht so gut anfühlt, einen Abend mit Netflix verschwendet zu haben, war vielleicht gerade mal nötig und man hat am nächsten Abend wieder Energie für anderes.”


Danke an alle KR-Leser, die sich beteiligt haben: Babette, Nils, Sandra, Schmunzelfee, Nico, Inka, Michael, Melanie, Barbara, Achim, Jana, Ella, Jule, Sascha, Teresa, Silke, Edda, Grete, Dagmar, Lisa, Thomas, Wolf, Karin, Javier, Anna, Clarissa, Steffi, Christoph, Vera, Barbara, Frank, Elisabeth, Anton, Daniela, Lara, Angelika, Karina, Tanja, Nina, Lucy, Vanessa, Catrin, Connie, Aline, Julie, Lillian, Caro, Lena, Sabine, Fanny, Pina und Cona für ihre Frage.

Redaktion: Rico Grimm; Schlussredaktion: Vera Fröhlich; Bildredaktion: Martin Gommel.