© Lutz Stellmacher

Ariana Baborie

„Wir leben in einer viel größeren Multi-Kulti-Gesellschaft, als wir meinen“

Halbe-Katoffl-Podcast von Frank Joung
etwa 2 Min. Lesedauer

Als Arianas Großeltern väterlicherseits ihre Heimat Afghanistan verlassen, glauben sie, in drei Jahren zurückkehren zu können. Ihr Großvater arbeitet im Auswärtigen Amt in Bonn als Botschaftssekretär. Doch die politische Situation in Afghanistan wird zu heikel. Arianas Großeltern müssen in Deutschland bleiben.

Arianas Großmutter hat noch ein offeneres Afghanistan erlebt. Als junge Frau musste sie noch keine Burka tragen oder sich verschleiern. Ihrer Enkelin erzählt sie: „Weißt du, wie schön ich war? Das mussten die Leute sehen.“

Ariana wächst in einem multikulturellen Umfeld in Berlin auf. Die Eltern ihrer Mutter sind im ehemaligen Jugoslawien, dem heutigen Kroatien, geboren. Zu Hause spricht sie Deutsch und Farsi. So viel sie auch von afghanischen Sitten und Traditionen mitbekommt, eines fehlt ihr bis heute: Sie kann Afghanistan nicht besuchen – es ist zu gefährlich.

„Noch nicht in dem Land gewesen zu sein und nichts darüber zu wissen, ist komisch für mich, weil es ja ein Teil von mir ist“, sagt Ariana. „Es ist wie bei einem Puzzle. Da fehlt zwar nicht die Hälfte, aber zwei Teile sind nicht da. Das macht mich manchmal ein bisschen traurig. Du hast das Gefühl, du weißt alles darüber, nur selbst hast du es noch nicht gesehen. Deswegen ist es wenig greifbar für mich.“

Manchmal holen Ariana die aktuellen Geschehnisse in Afghanistan ein. Auf Instagram sieht sie gelegentlich Posts in schwarz-weiß von ihrem Großcousin, dem ein großer Fernsehsender in Afghanistan gehört. Es sind Beileidsbekundungen. Sie sollen Menschen gedenken, die bei Anschlägen ums Leben gekommen sind. Oft sind es junge Journalisten. „Ich fühle mich in diesen immer, als würde mir jemand plötzlich mit einem ganz schweren Gegenstand richtig ins Gesicht hauen.“

Humor hilft bei dummen Anspielungen

Traumatische Erfahrungen durch Diskriminierung oder Alltagsrassismus habe sie in Deutschland nicht direkt erlebt, sagt die Moderatorin. Auf dumme Anspielungen oder nervige Fragen reagiert sie häufig mit Humor.

„Ich bin da schmerzbefreit. Dieses Gefühl von Ausgrenzung kommt bei mir gar nicht auf.“

Das könnte auch daran liegen, dass die meisten sie herkunftsmäßig nicht einordnen können. „Ich fühle mich manchmal wie ein Chamäleon. Wenn ich in anderen Ländern bin, kann ich immer behaupten, dass ich dort herkomme.“

Ariana sieht in Deutschland trotz aller negativen Meldungen eine positive Entwicklung. „Ich glaube, dass wir in einer viel offeneren Gesellschaft leben, in einer viel größeren Multi-Kulti-Gesellschaft, als man so meint, wenn man die Nachrichten sieht." Die Reaktionen auf ihre Herkunft seien heute ganz anders als zu ihrer Teenie-Zeit. „Früher konnten die meisten nichts damit anfangen und haben oft rumgedruckst. Mittlerweile finden das viele super interessant. Die Leute haben heute keine Berührungsängste mehr.“


Ihr findet Ariana auf Instagram @ariana_baborie, ihren Podcast Herrengedeck hier.

Der Halbe-Katoffl-Podcast ist eine Gesprächsreihe mit Deutschen, die nicht-deutsche Wurzeln haben. Moderator ist der Berliner Journalist Frank Joung, dessen Eltern aus Korea kommen. Es geht um Themen wie Integration (gähn), Identität (ach ja) und Stereotypisierungen (oha) – aber eben lustig, unterhaltsam und kurzweilig. Anekdoten aus dem Leben statt Theorien aus dem Lehrbuch. Ihr könnt den Podcast abonnieren bei Apple Podcasts und Spotify.

Wer ist eine Halbe Katoffl?
Halbe Katoffln gibt es in den verschiedensten Sorten. Manche haben einen deutschen Pass oder ein deutsches Elternteil, manche sind hier geboren, aufgewachsen oder zugezogen.

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