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Social-Media-Manipulation, Folge 3

7 Fragen, mit denen du ein Fake-Profil auf Facebook erkennst

etwa 7 Min. Lesedauer

Alle Folgen von „Social-Media-Manipulation“:


Viele Menschen nutzen Facebook, um mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Aber immer mehr Menschen nutzen es auch, um mitzubekommen, was in der Welt passiert. Sie lesen dort ihre Nachrichten und kommentieren sie sofort, sie unterhalten sich mit ihrem Netzwerk darüber, was dieses und jenes zu bedeuten hat. In diesem Ökosystem kann es leider schnell passieren, dass Menschen beeinflusst werden. Weil der Algorithmus des Facebook-Newsfeeds so gebaut ist, dass er dir immer mehr von dem zeigt, was du geliked, kommentiert oder geteilt hast.

Wie im Internet manipuliert wird und welche Folgen das für unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und unsere demokratischen Prozesse hat, interessiert mich besonders, seitdem klargeworden ist, dass demokratische Wahlen dadurch in Gefahr sind. Ich habe mich mit diesem Thema ausführlich in dieser Serie über Wahlmanipulation am Beispiel des Brexit beschäftigt.

Wenn du aus Versehen oder immer wieder zwischendurch mit Postings interagierst, hinter denen zwielichtige Interessengruppen stehen, kann es passieren, dass – Posting für Posting, Tröpfchen für Tröpfchen – du mehr und mehr dieser interessengesteuerten Meldungen in deinem Newsfeed siehst und du irgendwann solchen Fanseiten folgst oder dich mit den Profilen anfreundest. Ziel dieser Seiten und Profile ist oft, dich dazu zu bewegen, dich in einer bestimmten Gruppe anzumelden – in der du natürlich fortan immer mehr Postings siehst, die dich beeinflussen wollen. Mehr über so ein Ökosystem der Beeinflussung kannst du weiter unten und in Folge 1 dieser Serie lesen.

Inzwischen hat Facebook bekanntgegeben, dass es mithilfe künstlicher Intelligenz, also mit Algorithmen, dafür sorgen möchte, dass du diesen Beeinflussungsversuchen weniger stark ausgesetzt bist. Solange wir noch nicht wissen, wie gut diese Systeme sind, kannst du dir mit den folgenden 7 Fragen selbst helfen. Jeder Punkt für sich allein genommen ist aber noch kein Hinweis auf einen falschen Freund. Je mehr Fragen du mit „Ja, ist so“ beantworten kannst, desto größer ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass mit dem Profil etwas nicht stimmt.

1. Teilt das Profil hauptsächlich unterirdische Inhalte und Werbung?

Das Ziel vieler Fake-Profile bei Facebook ist, dich auf eine bestimmte Website zu locken, die dich entweder mit Werbung bewirft oder deine Daten sammeln möchte oder beides. Manchmal ganz offen, indem sie dich zum Hinterlassen deiner E-Mail-Adresse auffordert. Doch in der Regel vor allem dadurch, dass sie dich anschließend mithilfe von Cookies durchs Netz verfolgt. Damit können unter Umständen deine Facebook-Profildaten mit denen, die auf der Reise durchs Netz entstehen, kombiniert werden. Ziel ist, dich besser kennenzulernen, um dir personalisierte Werbung anbieten zu können. Dazu gehören auch politische Anzeigen.

Die Strategie der Fake-Profile sieht oft so aus: Sie treten Facebook-Gruppen bei und versuchen, viele Freunde anzuwerben, die sie dann in einem zweiten Schritt mit Links bombardieren. Manchmal versuchen sie auch, dich dazu zu animieren, anderen Facebook-Gruppen beizutreten, in denen ihre Agenda verbreitet und diskutiert wird.

Vor allem, wenn du diese Merkmale findest, solltest du skeptisch werden:

  • viele Links zu Werbung
  • das Profil beherrscht die Sprache nicht gut
  • keine Kontaktinfos
  • keine persönlichen Infos über den Betreiber

2. Stimmen Profilname und URL-Endung überein?

Wenn Profile von echten Usern gehackt werden oder wenn Fake-Profile umfunktioniert werden, um eine andere Agenda zu verbreiten, stimmt der Profilname nicht mehr mit der Endung überein. Also Vorsicht, wenn ihr Rico Grimm auf Facebook trefft, die URL seines Profils aber nicht so aussieht: https://www.facebook.com/rico.grimm. Dann gebt ihr ihm am besten schnell Bescheid, denn dem sollte er unbedingt nachgehen.

Aber Aufpassen: Manchmal entscheiden sich auch echte User dazu, ihren Namen zu ändern. Zum Beispiel, wenn sie heiraten. Das ist also kein sicheres Anzeichen für verdächtiges Verhalten.

3. Postet das Profil plötzlich ganz andere Inhalte, ändert sein Netzwerk und sein Verhalten?

Wenn Profile plötzlich ihr Erscheinungsbild ändern – ein neues Profilfoto, neue Profilinfos und neue Themen – kann das verdächtig sein. Zumindest, wenn es in einem Rutsch passiert. Scrolle bei verdächtigen Profilen ein wenig runter und schaue dir an, ob du Anzeichen für so einen plötzlichen Umschwung findest. Das kann sich auch in den Gruppen zeigen, denen das Profil beigetreten ist, der Freundesliste oder ihrem Like- und Teil-Verhalten.

4. Ist das Profil völlig farblos?

Normalerweise tragen echte User einige Informationen über sich selbst in ihr Profil ein. Verdächtig ist, wenn all das fehlt:

  • einige öffentlich geteilte Fotos, unter denen Kommentare zu finden sind, die zu einer normalen Gesprächskultur über Fotos gehören
  • Postings zu einem breiteren Themenspektrum
  • auf sichtbar gestellte Freunde
  • einige sichtbare Profilfotos, die nach und nach ausgetauscht wurden

Diese Anzeichen sind vor allem dann verdächtig, wenn es sich um das Profil einer jüngeren Person handelt. Auch, wenn das Profil in langer Zeit nur einen Post abgesetzt hat und dieser Post aus einem Foto mit Null Bezug zu etwas Persönlichem besteht, ist das komisch.

5. Ist es ein 08/15-Profil?

Wir hatten es schon mit der Arbeitshaltung von Fake-Account-Ingenieuren in Folge 1 und 2 dieser Serie: Diese Entwickler fallen nicht gerade durch Kreativität und Fleiß auf. Deshalb findet man häufig typische Muster bei Fake-Profilen. Typisch ist, dass immer dieselben großen und bekannten Orte und Institutionen angegeben werden. Beispiel: „arbeitet bei Uni Hamburg, Ausbildung bei Uni Hamburg, lebt in Hamburg, geboren in Hamburg“. Das ist vor allem dann verdächtig, wenn andere Inhalte nicht zu diesen Angaben passen.

6. Gibt es viele Profile, die diesem ähneln?

Fake-Profile, die zu einem Netzwerk gehören, tragen manchmal die gleichen Profilfotos UND Namen – da sind wir wieder bei den Faulpelzen. Oft stammen sie aus gehackten Profilen von echten Nutzern. Du kannst mit der umgekehrten Bildersuche von Google herausfinden, ob sich viele Facebook-Profile ein Profilfoto teilen. Viele Fake-Profile benutzen Fotos, die perfekt gestylte Menschen zeigen, die wie professionelle Models aussehen – vor allem, wenn sie Frauen zeigen.

7. Besteht der Freundeskreis aus Fake-Profilen?

Gleich und gleich gesellt sich gern. Diese Regel gilt auch für Fake-Profile, die zu einem gesteuerten Netzwerk gehören. Ein Blick in die Freundesliste kann dir also gute Hinweise geben, bei wem das Profil gut ankommt. Je mehr Profile du als verdächtig einstufst, desto wahrscheinlicher wird es, dass es sich auch bei deinem Kandidaten um einen falschen Freund handelt.

Quelle für viele der Tipps: Medium

Was kannst du tun, wenn du einen „falschen Freund“ gefunden hast?

Wenn du glaubst, dass du es mit einem Fake-Profil zu tun hast, solltest du Facebook Bescheid geben. Wie das geht, hat Facebook in seinem Hilfebereich beschrieben. Außerdem solltest du nicht mit dem Profil interagieren und es am besten entfreunden.

Da die Plattformen nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz dazu verpflichtet sind, strafrechtlich relevante Inhalte zu löschen, kannst du dich bei entsprechendem Verdacht auf der Website des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz darüber informieren, was du in diesem Fall machen kannst. Außerdem kannst du die Internet-Wache der zuständigen Landespolizei aktivieren.

Facebook ist wegen der Löschpraxis, zu der es nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet ist, allerdings in der Kritik: Es löscht zu oft nach eigenen Regeln.

Was Facebook gegen Fake-Accounts tut

Facebook hat in den vergangenen Monaten mit einigen Aufräum-Aktionen Schlagzeilen gemacht: Es verbannte Fake-Profile und -Seiten, die mit Russland in Verbindung gebracht wurden. Durch die Untersuchungen zu Facebooks Rolle bei der US-Präsidentschaftswahl und dem britischen EU-Referendum (beides 2016) stieg der Druck auf den Giganten immens. Facebook hat daraufhin die Regeln verändert, nach denen Facebook-Seiten betrieben werden dürfen. Vor allem, wenn die Betreiber der Seiten bezahlte Werbung schalten, müssen sie auf der dazugehörigen Fanseite unter dem Reiter „Info and Ads“ darüber informieren, welche gesponserten Postings sie gerade schalten. Alte Werbung sieht man nicht und man kann auch nicht sehen, wie vielen Leuten die Werbung ausgespielt und wie viel Geld dafür ausgegeben wurde.

Facebook möchte künftig mithilfe von künstlicher Intelligenz und entsprechenden Algorithmen gegen Fake-Profile und problematische Inhalte vorgehen. Ob die jetzt schon bestehenden Maßnahmen reichen und die künftigen den Durchbruch bringen, darüber herrscht großer Zweifel bei vielen Experten. Es wird also weiterhin darauf ankommen, dass jede und jeder beim Facebook-Nutzen kritisch und wachsam bleibt.


Desinformationskampagnen und Falschinformation sind auch ein großes Problem bei Medizin- und Gesundheitsthemen.

Redaktion: Theresa Bäuerlein; Schlussredaktion: Vera Fröhlich; Fotoredaktion: Martin Gommel.