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Wasser

Das wichtigste Lebensmittel der Welt, erklärt von A bis Z

von Jessica Braun und Gil Okach
etwa 16 Min. Lesedauer

Allgegenwärtig

Sauerstoff, ein Gas, verbindet sich mit Wasserstoff, einem anderen Gas. Heraus kommt eine Flüssigkeit: Wasser. Dieser Stoff ist die Grundlage des Lebens auf unserem Planeten. Er bedeckt etwa 70 Prozent der Erdoberfläche. Eine gigantische, nahezu unveränderliche Menge: 1,4 Milliarden Kubikkilometer. Doch nur 2,5 Prozent davon sind Süßwasser, und nur ein Bruchteil steht dem Menschen zu Verfügung. Der Rest ist in Eis oder Schnee gebunden. Könnten wir Wasser endgültig verbrauchen, ginge dieser Vorrat schnell zu Ende. Wir gebrauchen es aber nur: Es bewegt sich in einem unendlichen Kreislauf zwischen Atmosphäre, Land und Meer.

Doch woher stammt das Wasser auf unserer Erde? Wasser kommt an vielen Orten in unserem Sonnensystem vor. Einer Theorie zufolge war es schon da, bevor die Erde entstand. Teile des Wassers in unseren Ozeanen sollen sogar älter als die Sonne sein. Lange, bevor diese zu brennen begann, schwebte das Wasser als Eiskörnchen in einer kosmischen Wolke durch das All. Als sich die Sonne entzündete, sammelte es sich auf der Erde – und wird dort nun zum Autowaschen und Blumengießen genutzt.

Barrieren

Farblos, klar, kühl, ohne Geruch und Beigeschmack und natürlich gesundheitlich unbedenklich – so muss Trinkwasser laut der Trinkwasserverordnung in Deutschland aus dem Hahn kommen. Um das zu gewährleisten, ist die Wasserversorgung hierzulande nach dem sogenannten Multi-Barrieren-Prinzip organisiert. Die erste Barriere ist der Schutz der Trinkwasserressourcen: Gesetze, Wasserschutzgebiete im Einzugsbereich von Trinkwasser-Gewinnungsanlagen und regelmäßige Analysen sollen sicherstellen, dass sich die Wasserqualität von Grundwasser, Quellwasser, Talsperren und Seen nicht unbemerkt drastisch verändert.

Eine weitere Barriere bilden die → Wasserbetriebe. Diese sind durch die Trinkwasserverordnung verpflichtet, regelmäßig zu testen, ob das von ihnen bereitgestellte Wasser die Grenzwerte und Anforderungen erfüllt. Wie oft ein Wasserversorger Untersuchungen durchführen muss, hängt von den Mengen ab, die er liefert: Große Versorger nehmen mehrmals täglich Proben, kleine Versorger seltener, mindestens jedoch alle drei Monate. Die Gesundheitsämter der Bundesländer überwachen wiederum diese Kontrollen und deren Ergebnisse. Als letzte Barriere ist der Hauseigentümer dafür verantwortlich, dass Rohre, Armaturen und Apparate in Ordnung sind und dort keine Schadstoffe oder Keime ins Wasser gelangen.

Je weniger es im Schwimmbad nach Chlor riecht, desto besser.

Chlor

Den Geruch von Chlor (in Verbindung mit Harnstoff) kennen die meisten aus dem Schwimmbad. Dort wird die Chemikalie zur vorbeugenden Desinfizierung eingesetzt. Im Leitungswasser kommt Chlor in Deutschland (im Gegensatz zu den USA und anderen Ländern sind nur 0,3 Milligramm pro Liter Wasser erlaubt) nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Zum Beispiel nach sehr starken Regenfällen. Dann besteht die Gefahr, dass die Filterung durch die verschiedenen Erd- und Sandschichten im Boden nicht mehr ausreicht und Keime ins Grundwasser gelangen könnten. Neben Chlor wird manchmal auch mit Ozon und UV-Strahlen desinfiziert.

Dünger

Die Agrarindustrie verbraucht ein Drittel des in Europa vorhandenen Wassers. Gleichzeitig gehört die industrialisierte Landwirtschaft in manchen Gebieten zu den Hauptursachen für eine schlechte Wasserqualität. Mineraldünger und stickstoffhaltige Gülle, die auf den Feldern ausgebracht werden, können ins Grundwasser gelangen. In Deutschland sind 18 Prozent des Grundwassers zu stark mit Nitrat belastet, in Gegenden mit hoher landwirtschaftlicher Nutzung sogar 28 Prozent.

Grundwasser macht den Großteil unseres Trinkwassers aus. Damit der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter nicht überschritten wird, müssen die Wasserversorger nachbessern, zum Beispiel, indem sie unbelastetes Wasser beimischen oder Brunnen verlegen. Das kostet: Laut einem Gutachten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft könnte Trinkwasser für die Verbraucher dadurch in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent teurer werden. In langsam fließenden Flüssen und Seen kommt es aufgrund des unnatürlich hohen Stickstoffgehalts zur sogenannten Eutrophierung: Phytoplankton (mikroskopisch kleine schwebenden Algen) und Makrophyten (großen, festsitzenden Algen) wachsen schneller. Diese „Algenblüte“ nimmt den am Boden wachsenden Pflanzen das Licht- und den Tieren den Sauerstoff weg. Sie ziehen weg oder sterben. Auch die deutschen Küstengewässer sind betroffen. Der Zustand von Ost- und Nordsee wurde vom Umweltbundesamt bei der letzten Auswertung durchgehend als „mäßig“ bis „schlecht“ eingeschätzt. Wer dem entgegenwirken will, kauft Lebensmittel aus Biolandbau.

Jahrelange Dürre in Kapstadt – die Trinkwasser-Reservoirs der südafrikanischen Stadt sind so gut wie leer.

Entsalzung

Dem südafrikanischen Kapstadt droht seit Ende 2017 eine Wassersperrung für Großteile der Bevölkerung. Eine jahrelange Dürre hat dafür gesorgt, dass die Reservoirs, welche die Stadt mit Trinkwasser versorgten, so gut wie leer sind. Der „Day Zero“, an dem Wasser für die meisten nicht mehr aus der Leitung kommt, sondern Verteilungsstellen nur noch 25 Liter pro Person ausgeben sollen, wurde zuletzt von April auf Juni verschoben. Grund dafür waren unter anderem die erfolgreichen Aufforderungen, Wasser zu sparen. Da die Bevölkerung Kapstadts aber weiterhin wächst und durch den Klimawandel nicht klar ist, ob die Regenfälle im dortigen Winter die Reservoirs wieder auffüllen werden, sind andere Maßnahmen nötig. Eine davon: Entsalzung. Im australischen Perth wird der Wasserbedarf inzwischen zur Hälfte aus entsalztem Meerwasser bestritten. Dort hatte der Zufluss aus Regenfällen in den letzten hundert Jahren um neunzig Prozent abgenommen.

Doch solche Entsalzungsanlagen sind mit mehreren Milliarden Euro sehr teuer und lassen sich nicht über Nacht errichten. Grundsätzlich gibt es mehrere Methoden, die eingesetzt werden können: Die häufigste ist Verdampfung. Dabei wird Wasser (meist mit der Abwärme eines Wärmekraftwerks) erhitzt, der Wasserdampf kondensiert und kann als salzfreies Wasser aufgefangen werden. Eine andere Technik ist die sogenannte Umkehrosmose (→ Trinkwasseraufbereitung)

Hier gibt es ein interessantes ARTE-Video, das die Problematik und das Verfahren erklärt:

https://youtu.be/1EuslrR2k9I

Filter

Die Hersteller von Tischwasserfiltern versprechen, dass ihre Produkte Kalk, aber auch Schwermetallrückstände aus dem Trinkwasser entfernen. Doch der Trinkwasserexperte Thomas Rapp vom Umweltbundesamt warnte vor dem Gebrauch: „Der Filter muss regelmäßig gewartet werden, was im privaten Haushalt leicht vergessen wird. Wird er nicht regelmäßig getauscht, kann das Trinkwasser mit Keimen belastet werden.“

Dafür, dass die Leitung frei von Blei oder Legionellen bleibt, trägt der Hauseigentümer die Verantwortung. Wer sich Sorgen macht, spricht seinen Vermieter an oder gibt beim Trinkwasserversorger eine Analyse in Auftrag. Die ist kostenpflichtig, außer es wohnen Schwangere oder Säuglinge im Haus. Wird tatsächlich eine Verunreinigung gefunden, muss der Vermieter die Analyse bezahlen – und Abhilfe schaffen.

Geld

Für Kunden, die auch beim Wasser auf Luxus bestehen, bietet der Handel eine ganze Reihe teurer Mineralwässer an. Extremstes Beispiel: Eine Flasche der „Luxor Collection Diamond Edition“ der Firma Beverly Hills 90H20 kostet 100.000 Dollar. Für das Geld bekommt man aber auch einen diamantbesetzten Deckel aus Weißgold – und einen Jahresvorrat des „normalen“ Wassers von Beverly Hills 90H20. Das ist im Vergleich dazu mit drei Dollar pro Halbliterflasche fast schon ein Schnäppchen.

Haltbarkeit

Mineralwasser hat zwar ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf dem Flaschenetikett, ist aber dennoch nahezu unbegrenzt haltbar. Gerät Wasser mit Luft in Kontakt, zum Beispiel in einer geöffneten Flasche oder einem herumstehenden Glas, sieht es anders aus. Das Wasser nimmt Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf und verwandelt dieses teilweise in Kohlensäure. Das Wasser schmeckt dann ein wenig anders. Solange es nur ein oder zwei Tage offen herumsteht, ist das gesundheitlich unbedenklich. Danach werden Bakterien und Staub aus der Luft ein Thema, auch abhängig davon, wie sauber das Behältnis ursprünglich war. Warum Flaschenwasser trotzdem ein Mindesthaltbarkeitsdatum hat? Weil ein solches gesetzlich für alle verpackten Lebensmittel vorgeschrieben ist.

In manchen der handlichen Plastikflaschen ist schlicht – Leitungswasser.

Industrie

Der Markt für Wasser aus der Flasche ist riesig und wächst jedes Jahr um rund neun Prozent. In den USA sorgte Flaschenwasser 2016 erstmals für mehr Umsatz als Cola und andere Limonaden: Rund 147 Milliarden Dollar geben Menschen inzwischen jährlich dafür aus. Oft enthalten die gekauften Flaschen jedoch abgefülltes Leitungswasser. So verkauft Coca-Cola mit seinen Marken Bonaqa und Dasani Wasser von → Wasserbetrieben, das mit Kohlensäure versetzt ist. 2007 räumten auch die Konzerne PepsiCo (Aquafina) und Nestlé (Pure Life) die Nutzung von Leitungswasser in ihren Produkten ein. Ihre auf dem US-Markt erhältlichen Wässer wurden neu etikettiert, um die Verbraucher darauf hinzuweisen. Einer aktuellen Studie zufolge wird das Leitungswasser durch das Umfüllen nicht unbedingt besser: Von 259 in neun verschiedenen Ländern gekauften Plastikflaschen verschiedener Marken enthielten 93 Prozent der Wässer Mikroplastik.

Jahrestag

Seit mittlerweile 25 Jahren findet am 22. März der von der UN organisierte Weltwassertag statt.

Klimawandel

Wie die Erwärmung der Meere, Unwetter und Flutkatastrophen zusammenhängen, erklärt hier kurz und einfach der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch:

https://www.youtube.com/watch?v=NpJkGhrEfX4

Lebendig

Was ist dran am „lebendigen“ oder „energetisierten“ Wasser – also an Wasser, das „Informationen“ in seinem „Gedächtnis“ speichert? Laut bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen: nichts. „Ich glaube nicht, dass es möglich ist, mit Wasser Energie oder Informationen zu übertragen“, sagte Ralf Ludwig, Professor für physikalische Chemie an der Universität Rostock und einer der bekanntesten deutschen Wasserwissenschaftler. Auch Rosenquarz im Glas macht das Wasser nicht „lebendiger“. „Trotz aller Versuche konnte keine dieser Wirkungen wissenschaftlich stichhaltig nachgewiesen werden“, schreibt der Chemiker, Wasserexperte und Buchautor Helge Bergmann. „Die heilsame Wirkung auf Wasser und Mensch ist damit auch nur Glaubenssache“, so Bergmann.

Mpemba-Effekt hin oder her – an der Sonne schmilzt das Eis wieder.

Mpemba-Effekt

Wasser ist durchsichtig, riecht nach nichts, schmeckt nach nichts. Aber ist es deshalb langweilig? Wissenschaftler würden sagen: Auf keinen Fall! Wasser verhält sich nämlich nicht immer wie erwartet. Über 70 Anomalien sind mittlerweile bekannt, also Eigenschaften, die von der physikalisch-chemischen Norm abweichen. Ein Beispiel? Schon in den 60er Jahren stellte der angehende tansanische Koch Erasto Mpemba fest, dass Speiseeis schneller gefror, wenn er das Pulver mit warmem statt mit kaltem Wasser anrührte. Anfangs glaubte ihm niemand, doch der Mpemba-Effekt ist mittlerweile nachgewiesen.

Von einer anderen Anomalie profitieren Fische im Winter. Das wird hier im Video schön erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=A5ct2BVVoIU

Natrium

Natrium im Trinkwasser ist ebenso wie Magnesium, Kalium oder Calcium unproblematisch, solange gewisse Werte nicht überschritten werden. Der Grenzwert für Leitungswasser liegt bei 200 Milligramm pro Liter. Mineralwasser darf mehr haben, muss dann aber als „natriumhaltig“ gekennzeichnet werden. Für Menschen mit Neigung zu Bluthochdruck oder Säuglinge wird natriumarmes Wasser empfohlen. Dieses muss weniger als 20 Milligramm pro Liter enthalten. Auf den Webseiten vieler → Wasserbetriebe kann man nachsehen, wie viel Natrium (und andere Stoffe) das Wasser im eigenen Postleitzahlengebiet enthält.

Im Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozean sind 97 Prozent der weltweiten Wasservorkommen.

Ozeane

Drei Ozeane bilden die zusammenhängende Wassermasse der Erdoberfläche: der Pazifische Ozean, der Atlantische Ozean und der Indische Ozean. Sie enthalten 97 Prozent der weltweiten Wasservorkommen. Über ihnen verdunstet etwa sieben Mal so viel Wasser wie an Land. Das macht sie zu den größten Wasserlieferanten. Etwa 3.000 Jahre verweilt ein Tropfen im Durchschnitt im Ozean, bevor er wieder in den Kreislauf eintritt. Während das über dem Pazifik aufsteigende Wasser dort weitgehend auch wieder abregnet – unter anderem, weil Rocky Mountains und Anden den Weg blockieren – liefert der nur etwa halb so große Atlantik zwei Drittel des an Land niedergehenden Regens. Das verbleibende Drittel stammt aus dem Indischen Ozean. Eigentlich verlieren die Ozeane durch Verdunstung mehr Wasser, als sie Regen aufnehmen. Doch Zuflüsse vom Land verhindern, dass sie austrocknen. In den vergangenen 100 Jahren wurden sie jedoch „überfüllt“. Der Meeresspiegel ist um 17 Zentimeter angestiegen. Schuld sind steigende Wassertemperaturen – das Volumen vergrößert sich – und das Schmelzen von Gletschern und Eiskappen an Land (da Eisberge bereits im Meer schwimmen, beeinflusst ihr Schmelzen den Meeresspiegel nur unwesentlich).

Plastik

Weltweit werden pro Jahr rund 400 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt (Stand 2015). Bis zu 30 Millionen Tonnen davon landen Schätzungen zufolge pro Jahr in den Weltmeeren – allein in Europa 3,4 bis 5,7 Millionen Tonnen (Stand 2013). Großer Müll wie Tüten, Plastikflaschen oder Fischernetze wird von Wind und Gezeiten zu sogenanntem sekundärem Mikroplastik zerrieben.

https://twitter.com/UN_Water/status/974658228041715713

Laut UN zirkuliert dieses mittlerweile in den Körpern eines Drittels aller Fische und Meeresfrüchte. Auch 80 Prozent des weltweiten Leitungswassers enthalten Mikroplastik – darunter winzige Partikel aus Peelings, Duschgels, Wasch- und Reinigungsmitteln. Dass der Plastikmüll weniger wird, ist nicht abzusehen. Ölkonzerne wie Exxon Mobile Chemical und Shell Chemical investieren seit Jahren Milliarden in neue Plastikproduktionsanlagen, um aus ihrem Öl noch schneller und billiger den Stoff zu produzieren, den wir dann wegwerfen.

Nicht jedes Quellwasser hat Trinkwasserqualität.

Quellwasser

In den USA verkaufen Firmen wie Live Water und Turmaline Spring neuerdings Raw Water, also unbehandeltes Quellwasser. Diesen Händlern zufolge fehlen dem aufbereiteten Wasser aus der Leitung Mineralien und Bakterien, die der Körper brauche. Ihr „lebendiges“ Wasser versorge die Zellen dagegen besser mit Feuchtigkeit, könne sogar den Alterungsprozess umkehren. Kunden, die sich für „water conscious“ halten, zahlen bis zu 30 Euro für eine Zehn-Liter-Flasche.

Ingrid Chorus, Leiterin der Abteilung für Trink- und Badebeckenwasserhygiene des Umweltbundesamts, riet vom Konsum ab: „Es ist riskant, massenhaft unkontrolliertes Quellwasser zu trinken. Man weiß ja überhaupt nicht, was in dem Wasser drin ist.“ Mögliche Verunreinigungen: Fäkalien, Keime oder Bakterien. Outdoor-Fans kennen das Problem. Um sich beim Trinken aus Quellen kein „Biberfieber“, also durch Geißeltierchen hervorgerufene Diarrhoe einzufangen, nutzen sie Wasseraufbereitungstabletten, tragbare Wasserfilter oder UV-Entkeimer.

Wer nach Quellen in seiner Umgebung suchen möchte, kann das zum Beispiel über diese Open Source Map tun: searchosm.com (Sucheinstellung: Geographical -> Natural Site -> Spring).

Recht auf Wasser

Am 28. Juli 2010 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit großer Mehrheit „das Recht auf einwandfreies und sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung als ein Menschenrecht an, das unverzichtbar für den vollen Genuss des Lebens und aller Menschenrechte ist“. Wasser, so die UN, sollte für jeden einwandfrei, sauber, zugänglich und bezahlbar sein. Rechtlich bindend ist diese Übereinkunft nicht, in Botswana konnten einheimische Kalahari-Bewohner ihren Anspruch jedoch erfolgreich durchsetzen. Einige Länder haben das Recht auf Wasser auch in ihrer Verfassung verankert, darunter Südafrika und Uganda. Aber noch immer beträgt die durchschnittliche Strecke, die Frauen in Afrika und Asien bis zur nächsten Wasserquelle gehen müssen, sechs Kilometer, haben 844 Millionen Menschen keinen Zugang zu Wasser und sterben jährlich 361.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, verursacht durch verschmutztes Trinkwasser, fehlende Toiletten und mangelnde Hygiene.

Statistisch gesehen, verbraucht jeder Deutsche 120 Liter Wasser pro Tag.

Sparen

Deutschland gehört zu den wasserreichen Ländern. Das Wassersparen haben wir trotzdem drauf – sogar in deutschen Popsongs ist es Thema („Wo fließt das viele Wasser hin, während ich noch am Zähne putzen bin?“)

https://www.youtube.com/watch?v=N_IfAdCXORo

Seit 15 Jahren geht die Wassernutzung hierzulande zurück. Lag der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf und Tag vor 25 Jahren im Durchschnitt noch bei 144 Liter, pendelte er sich zuletzt zwischen 120 und 123 Liter Trinkwasser pro Person ein. Im Vergleich zu anderen Industriestaaten ist das wenig.

Zu wenig, meinen manche Experten: Fließt das Wasser zu langsam durch die Rohre, könnten sich Keime bilden. Oder Geruch. In regenarmen Zeiten müssen die Wasserversorger dann zuspülen.

Ökologische Gründe, Wasser zu sparen, gibt es dennoch: Die Entsorgung von Ab- und Aufbereitung von Trinkwasser kostet Energie. Und wir nutzen dieses ja nicht nur zum Trinken und Kochen. Wir baden darin, waschen unsere Wäsche damit, und in den meisten deutschen Haushalten rauscht es auch durch die Toilette. Regenwasser kann eine Alternative sein – für die Toilettenspülung allemal, aber auch für die Wäsche. Weil es weich ist, wird diese laut Umweltbundesamt sogar mit bis zu 20 Prozent weniger Waschmittel sauber. Gesundheitlich völlig unbedenklich ist das allerdings nur bei hohen Temperaturen und wenn niemand mit geschwächtem Immunsystem oder Neurodermitis im Haushalt lebt.

Trinkwasseraufbereitung

Singapur gilt als die Schweiz Asiens: Reich im Vergleich zu anderen Ländern und mit einem funktionierenden Bildungs- und Gesundheitssystem. Was dem Stadtstaat jedoch fehlt, ist eine sichere Wasserversorgung. Es regnet in Singapur überdurchschnittlich viel, die 17 Reservoirs können den Bedarf dennoch nicht decken. Ihre Fläche ist zu klein, für neue kein Platz. Frischwasser wird aus dem benachbarten Malaysia herangepumpt. Das ist teuer und sorgt für Abhängigkeiten. Seit 2003 schöpft der Stadtstaat deshalb eine andere Ressource aus: Abwasser.

Dieses wird dafür mit einer ausgeklügelten Technik behandelt: mittels Mikrofiltration werden Bakterien und Hormone entfernt, „Umkehrosmose“ (in der → Entsalzung üblich), bei der durch starken Druck über eine Membran Wasser- und Schmutzteile voneinander getrennt werden, beseitigt verbleibende Viren oder Metalle – und ultraviolettes Licht gibt verbleibenden Krankheitserregern den Rest. Unter dem Namen „NEWater“ wird das so gewonnene Wasser in kleinen Mengen dem Leitungswasser beigemischt und bei Veranstaltungen in Plastikflaschen verteilt. Bis 2061, wenn der Importvertrag mit Malaysia ausläuft, will Singapur 50 Prozent seines Wasserbedarfs mit NEWater decken.

Hier ein Video, das die Situation auf Englisch erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=zFGy2t1AGZ8

Urin

Etwa 8.000 Tonnen Arzneimittel werden in Deutschland jährlich konsumiert – und zu großen Teilen wieder ausgeschieden. Rückstände davon finden sich in unserem Trinkwasser. Genau wie Spuren von Süßstoffen oder künstlichen Hormonen. Diese sind ein Spiegel unseres Lebensstils – und laut Experten unbedenklich für die Gesundheit, weil nur in sehr geringen Anteilen vorhanden. „Es gibt aktuell keine einzige Studie, die eine Gefährdung nachweisen kann. Es wird in der Wissenschaft so gesehen, dass eine Gefährdung akut oder auch chronisch nicht besteht“, sagte Martina Winkler vom Institut für sozial-ökologische Forschung.

Verbrauch

Wie viel Wasser verbrauchen wir wirklich? Direkt etwa 121 Liter pro Person, indirekt jedoch bedeutend mehr: Einer Studie des WWF zufolge liegt der virtuelle Wasserverbrauch pro Kopf und Tag bei 5228 Liter Wasser (Stand 2009) – dem Volumen von 35 Badewannen. Allein der Konsum einer Tasse Kaffee verbraucht demnach im Schnitt 140 Liter Wasser. Für die Herstellung eines Kilogramms Käse werden 5.000 Liter aufgewendet, ein Kilogramm Fleisch benötigt sogar 15.000 Liter.

Wer seine Wasser-Fußabdruck berechnen will, kann dies hier tun.

Wasserbetriebe

Dauerhaft umstritten ist die Frage, ob sich die Wasserversorger besser in öffentlicher oder in privater Hand befinden sollten. Private Wasserwerke, so die Befürchtung, könnten aus kommerziellen Interessen die Preise in die Höhe treiben – oder die Qualität senken. Ein regionales Monopol durch die öffentliche Hand führe dagegen zu Ineffizienz, so die Gegenmeinung. In Deutschland hat die regionale, öffentliche Versorgung eine lange Tradition: Rund 6.000 Unternehmen liefern den Deutschen Trinkwasser. Die meisten davon sind in öffentlicher Hand, einige sind teilprivatisiert. Komplett private Anbieter gibt es nur extrem selten. Eine umfangreiche Studie der Universität Leipzig hat nun versucht zu ermitteln, was für den Verbraucher besser ist: öffentliche oder private Wasserwerke. Dazu wurde die Trinkwasserversorgung zwischen 2009 und 2015 in den 100 größten deutschen Städten untersucht (50 der Versorger waren komplett in öffentlicher Hand, 49 teilweise und eines vollständig privatisiert). Das Ergebnis: Privatwirtschaftliche Beteiligung ließ die Wasserpreise nicht ansteigen. Allerdings ließ sich auch das Gegenteil – Effizienzgewinne und somit sinkende Preise durch den Einstieg von privaten Playern – ebenso wenig nachweisen.

In Berlin wurden 2013 jedoch zum ersten Mal Wasserbetriebe wieder rekommunalisiert: 49,9 Prozent hatte das Land Berlin 1999 für knapp 1,7 Milliarden Euro an RWE und Veolia verkauft. Jedoch kamen Geheimverträge ans Licht, in denen üppige Gewinne versprochen wurden. Die gab es auch: 2010 beispielsweise 270 Millionen Euro. Im ersten erfolgreichen Volksentscheid der Geschichte Berlins stimmten daraufhin 98,2 Prozent (bei rund 30 Prozent Wahlbeteiligung) für einen Rückkauf.

Zitat

Das letzte Wort zum Thema hat Bruce Lee mit einem legendären Zitat:

„Be water my friend.”


Alexander von Streit hat den Artikel redigiert. Schlussredaktion Vera Fröhlich. Bildredaktion Martin Gommel (Aufmacherbild: iStock / Reniw-Imagery.

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