Welches Essen dir Superlaune macht

Welches Essen dir Superlaune macht

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Julie Holland arbeitet seit vielen Jahren als Therapeutin in Manhattan. Ihr Spezialgebiet ist die Psychopharmakologie, also wie sich chemische Substanzen (Psychopharmaka oder Drogen) auf das Gehirn und somit die Psyche auswirken. In ihrem neuen Buch „Moody Bitches" erklärt sie, was unser Lebensstil mit unseren Körpern macht: welche Nebenwirkungen die Beruhigungsmittel haben, die immer mehr Menschen nehmen, was konstanter Schlafmangel in unserem Gehirn anrichtet und warum wir auch unsere Launen als gesundheitliche Signale ernst nehmen sollten. Dies ist ein Auszug aus ihrem Buch.


Unser Körper ist darauf ausgelegt, Kalorien für Notzeiten zu horten. Damit stehen wir heute vor dem Problem einer genetischen Fehlanpassung – alte Gene, die uns auffordern, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, kräftig reinzuhauen, damit wir für eine künftige Hungersnot gerüstet sind, mit der in unserem Kulturkreis allerdings kaum zu rechnen ist.

Unsere Vorfahren waren vor zehntausend Jahren Jäger und Sammler, und unsere Körper und unser Stoffwechsel haben sich seit der Zeit nicht sehr verändert, unsere Nahrungsquellen dagegen schon. Statt nach erfolgreicher Jagd über offenem Feuer einen Bisonschenkel zu grillen, können wir tagtäglich Hamburger und Burritos mit tausend Kalorien pro Stück verspeisen. Wenn man damals in der Savanne eine Nahrungsquelle entdeckte, wurde sie sofort als wichtig markiert, und man jagte oder sammelte so viel wie möglich davon ein. Der Dopaminschaltkreis blinkte wie wild und half dem Menschen, sich daran zu erinnern, wo man die Nahrung gefunden hatte, veranlasste zum Hamstern und belohnte dieses Verhalten mit Wohlbefinden, sodass man immer weiteraß. Das alles, um zu überleben.

Machen wir einen Sprung in die Gegenwart, in der es kalorienreiche Nahrung im Überfluss gibt, aber bereits ein Blick darauf als Trigger für den gleichen Dopaminschaltkreis wirkt. Der Neurotransmitter Dopamin, der eine wichtige Rolle bei Motivation und Glückgefühlen spielt, ist der molekulare Grundstein für Abhängigkeit. Es reicht schon, dass man „Schokoladenkeks” hört oder Bilder mit kalorienreichem Essen betrachtet, damit das Dopamin-Belohnungszentrum aktiviert wird. Vor allem, wenn man sowieso Probleme mit dem Essen hat.

Junkfood macht buchstäblich süchtig

Industriell verarbeitete Lebensmittel mit einer ausgeklügelten Kombination aus Zucker, Fett und Salz sind eigens dafür geschaffen, unsere angeborenen Vorlieben auszunutzen, und haben letztlich die gleiche Wirkung wie Drogen. Junkfood macht buchstäblich süchtig, es verändert die Gehirnchemie auf ähnliche Weise wie Crack oder Speed. In einem Tierversuch mit Oreo-Keksen und Kokain trugen die Oreos den Sieg davon, sie lösten bei den Ratten eine stärkere Dopaminreaktion aus. Junkfood macht uns nicht nur abhängig, es erhöht auch unsere Toleranzschwelle, das heißt, wir brauchen für den erwünschten Effekt immer mehr davon, und wenn wir damit aufhören, bekommen wir Entzugserscheinungen.

Zucker erzeugt einen „Glückspunkt“, der den Belohnungsschaltkreis in Gang setzt und das Verlangen nach mehr weckt. Fett veranlasst uns, zu viel zu essen, weil es ein angenehmes Mundgefühl erzeugt, und auch Salz trägt das Seine dazu bei, uns immer wieder nach industriell verarbeiteten Lebensmitteln greifen zu lassen.

Der Fettgehalt von Nahrungsmitteln ist schwer zu erkennen, wenn es sich nicht gerade um ein marmoriertes Steak handelt, bei dem man das Fett deutlich sieht. Zucker macht alles noch schlimmer. Da verarbeiteten Lebensmitteln ständig noch mehr Zucker zugesetzt wird, verschiebt sich der Glückspunkt immer weiter nach oben. Kinder, die mit Fruchtsaft und Limonade aufwachsen, finden Wasser fade. Verarbeitete Lebensmittel enthalten so viel Salz, dass statt Brokkoli irgendwas, selbst Pappe, auf dem Teller liegen könnte.

Wer sich gesund ernähren will, muss seine Geschmacksknospen umerziehen

Das ist ein erlerntes Verhalten, und eine gesündere Ernährung erfordert eine Umerziehung der Geschmacksknospen. Selbst Süßstoff kann süchtig machen, wie Versuche mit Ratten zeigen, und anders als bei Kokain oder Metamphetamin hat das Angebot einer interessanteren Umgebung mit Spielkameraden oder Spielzeug keinen Einfluss auf die Selbstverabreichung.

Die Grundlagenforschung zum Essverhalten zeigt, dass unser internes Morphinrezeptorsystem, der Endorphinschaltkreis, über den Schmerz gelindert und Glücksgefühle erzeugt werden, durch bestimmte Nahrungsmittel aktiviert wird. Die Hirnchemie von Ratten, denen man überzuckertes Futter vorsetzt und es ihnen dann abrupt entzieht, ähnelt der bei einem Opiatentzug, einschließlich typischer Symptome wie Zähneklappern und Zittern. Das Endorphinsystem hat also eine gewisse Ähnlichkeit mit der Lok eines außer Kontrolle geratenen Zuges, auch Fresssucht genannt.

Was wir essen, hat Auswirkungen auf unsere körperliche Gesundheit. Der Zusammenhang zwischen Essen und mentaler Gesundheit wird immer klarer. Unsere Ernährung hat Einfluss darauf, wie wir uns fühlen; und wie wir uns fühlen, hat wiederum Einfluss darauf, wie wir uns ernähren. Stress und Emotionen beeinflussen unser gastrointestinales System und umgekehrt. Es führen mehr Nerven vom Verdauungstrakt zum Gehirn als vom Gehirn zum Verdauungstrakt. Diese Zweiwegekommunikation erklärt das „Bauchgefühl” in bestimmten Situationen oder die berühmten „Schmetterlinge im Bauch”.

Im Darm werden ebenso Neurotransmitter, die Botenstoffe der Nervenzellen, produziert wie im Gehirn. Das heißt, was man zu sich nimmt, kann sich unmittelbar auf die Stimmung auswirken. Kleine Leckerbissen lassen zum Beispiel den Endorphin- und Endocannabinoidspiegel steigen. Es hat schon seinen Grund, warum man von Seelennahrung spricht. Dick machende Nahrungsmittel lassen all diese Wohlfühltransmitter in uns zirkulieren und versetzen uns auf diese Weise in Hochstimmung. Hat man erst einmal von dem stimulierenden neuralen Süppchen gekostet, kann man nicht mehr damit aufhören.

Zucker macht süchtig wie Kokain und Heroin

Essen in der richtigen Mischung von süß, salzig und fett versetzt das Gehirn in einen Zustand der Euphorie. In der Folge isst man einfach immer weiter. Untersuchungen zeigen, dass bei gestressten Affen, die zu viel fressen, das Dopaminsystem gestört ist. Sie therapieren sich selbst mit Nahrung, um ihr Dopaminbelohnungssystem zu stimulieren, und infolge der durch das Essen ausgelösten Belohnungssignale haben sie eine geringere Selbstkontrolle und zeigen eine verminderte Sättigungsreaktion. Mehr Belohnung und weniger Kontrolle sind die Kennzeichen von Abhängigkeit.

Bei übergewichtigen Menschen ist die Fähigkeit des Gehirns, einen Dopaminanstieg zu erkennen, erheblich verringert; in dieser Hinsicht ähnelt es dem Gehirn eines Kokainsüchtigen.

Wie kommt es also, dass wir eingreifen, wenn jemand sein Leben mit Drogen oder Alkohol ruiniert, aber alle wegschauen, wenn er es mit Essen tut? Nicht nur in den Vereinigten Staaten und in weiten Teilen Europas, wo zwei Drittel aller Erwachsenen übergewichtig oder fettleibig sind, ist Esssucht ein großes Gesundheitsproblem. In meiner Praxis witzele ich manchmal, dass Zucker das „andere weiße Pulver“ ist, genauso süchtig machend und ungesund wie Kokain und Heroin.

Aber leider ist das kein Witz. Das Gehirn reagiert auf Zucker ganz ähnlich wie auf Drogen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass jemand, der seinen Drogenkonsum einstellt, erheblich zunimmt. Drogen und Essen kämpfen im Gehirn um Verstärkung. Was soll man also machen, wenn industriell verarbeitete Lebensmittel speziell dafür entwickelt wurden, unsere Schwäche auszunutzen?

Warum wir nicht mehr aufhören können zu essen

Das Endocannabinoidsystem, das die Ausschüttung körpereigener, cannabisähnlicher Moleküle reguliert, ist einer der Gründe, warum die Menschheit noch existiert. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Essverhaltens. So wie ein Süchtiger sich keine Gelegenheit zum Drogenkonsum entgehen lässt, bekommt man Hunger und kann nicht mehr aufhören zu essen, sobald dieses System aktiviert wird. Das System hat die Aufgabe, einen zum Weitermachen zu veranlassen, sobald man den ersten Bissen in den Mund gesteckt hat. Das ist eine gute Nachricht für dünne Marihuana-Patienten, die Krebs oder Aids haben und denen von ihren Medikamenten übel wird. Für alle anderen ist es nicht so toll.

Das Hormon Leptin hilft Ihnen, mit dem Essen aufzuhören. Damit Sie Ihre gute Figur behalten, signalisiert Leptin dem Hypothalamus im Gehirn, den Appetit zu zügeln, weil Sie satt sind, und außerdem mehr Kalorien zu verbrennen. Je mehr Fettzellen Sie haben, desto mehr Leptin wird ausgeschüttet. Insofern wirkt es wie ein Sensor und sagt Ihrem Körper, wie dick Sie wirklich sind – ein wahrer Freund.

Aber dann wird es auch schon heikel: Je mehr Körperfett, desto mehr Leptin, und irgendwann hören die Rezeptoren des Körpers einfach nicht mehr zu. Sie gewöhnen sich an die Signale, mit dem Essen aufzuhören und, was noch wichtiger ist, auch an den hohen Leptinspiegel. Das wird als Leptinresistenz bezeichnet. Diese ist ungünstig, weil die Fettzellen im Bauch alle möglichen Stoffe produzieren, die man nicht seinem Körper haben will. Sie erzeugen einen niedriggradigen Entzündungszustand, der den Stoffwechsel noch mehr durcheinanderbringt.

Ein niedriger Leptinspiegel signalisiert dem Endocannabinoidsystem, dass es sich an die Arbeit und Sie hungrig machen soll. Ein hoher Leptinspiegel senkt den Endocannabinoid-Spiegel im Hypothalamus und dämpft den Heißhunger. Aber das Endocannabinoidsystem tut noch viel mehr für Sie, als Sie nur zum Essen zu animieren. Es sorgt dafür, dass Sie glücklich sind.

Hormone beeinflussen nicht nur den Sex, sondern auch den Appetit

Das Endocannabinoidsystem ist eine von mehreren ausgefeilten Rückkopplungsschleifen für unsere Gelüste. Unser Körper ist darauf geeicht, Appetit und Gewicht in Einklang zu bringen. Blutzucker, Hunger und der gesamte Energiestoffwechsel werden vor allem durch drei Hormone gesteuert. Wenn man weiß, wie diese Hormone das Hungergefühl beeinflussen, fällt gesundes Essen leichter.

Von Leptin habe ich schon gesprochen, daher komme ich jetzt zu Insulin, mit dessen Hilfe der Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel reguliert wird. Insulin sorgt für körpereigenes Dämmmaterial, indem es verhindert, dass Fett abgebaut und als Energiequelle genutzt wird. Stattdessen veranlasst Insulin die Zellen dazu, vor allem Zucker zu verwenden. Beim Essen steigt der Blutzuckerspiegel, und die Bauchspeicheldrüse (sie liegt unter und hinter dem Magen) setzt Insulin frei, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen transportiert, und der Blutzuckerspiegel sinkt wieder – alles ist gut.

Problematisch wird es, wenn die Bauchspeicheldrüse überreagiert und zu viel Insulin freisetzt, was zu einem niedrigeren Blutzuckerspiegel führt als zu Beginn des Prozesses. Das passiert, wenn man einfache Kohlenhydrate zu sich nimmt, die sich schnell in Zucker verwandeln. Oder sie trinkt. Gesüßte Getränke machen Ratten mehr Hunger, nicht weniger. Süße Nahrungsmittel lösen also eine Insulinreaktion aus und machen darüber hinaus hungrig. Künstlicher Süßstoff sättigt nicht auf dieselbe Weise wie Zucker, aber er führt zu einem Insulinanstieg, der noch mehr Appetit verursacht und dick machen kann.

Ist Ihre Laune im Keller? Das kann daran liegen, dass Ihr Blutzuckerspiegel zu niedrig ist (Hypoglykämie oder Unterzucker genannt), was Sie reizbar, mürrisch und zittrig macht und Schweißausbrüche, Heißhunger und Übelkeit verursacht. Diese Symptome kann man leicht mit Angst und Panik verwechseln. Bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel hat man ein heftiges Verlangen nach Zucker und anderen Kohlenhydraten, die ihn wieder auf ein normales Niveau heben.

Kohlenhydrate lieben allerdings Kohlenhydrate. Das heißt, wenn man den Tag mit einem süßen Frühstück beginnt, wird man den ganzen Tag diesem High hinterherjagen, weil der Blutzuckerspiegel immer wieder sinkt. Da der Blutzuckerspiegel durch die Aufnahme einfacher Kohlenhydrate abfallen kann, sollte man besser Dinge essen, die eine langsamere Insulinausschüttung veranlassen, also komplexe Kohlenhydrate, Protein oder Fett. (Komplexe Kohlenhydrate finden sich in Vollkornprodukten wie Hafer, Quinoa, Dinkel und Hirse, die nicht nur den Blutzuckerspiegel stabilisieren, sondern auch den Serotoninspiegel und die Gedächtnisleistung verbessern.)

Zu viel Zucker ist extrem schädlich

Keinesfalls sollte man zu viel Zucker zu sich nehmen. Insulinresistenz (Diabetes Typ 2) ist für Gesundheitsvorsorge und Gewichtskontrolle ein enormes Problem. Bei einer Insulinresistenz leidet man typischerweise unter Symptomen wie vermehrtem Hungergefühl, Bauchfett und Schläfrigkeit nach den Mahlzeiten. Dazu können „Gehirnnebel” und Depressionen kommen. Starkes Übergewicht und Bewegungsmangel sind ebenso Risikofaktoren für eine Insulinresistenz wie eine Ernährung mit viel raffiniertem Zucker und Kohlenhydraten.

Mit Sport lässt sich die Insulinresistenz bekämpfen und die Insulinsensibilität des Körpers verbessern. Darüber hinaus werden die Muskeln darin unterstützt, ohne Hilfe von Insulin Zucker aus der Blutbahn aufzunehmen. Auch die Omega-3-Fettsäuren wirken gegen eine Insulinresistenz, wie zahlreiche Studien belegen.

Was wirkt noch gegen Insulinresistenz? Richtig, Cannabis. Offenbar hat das Cannabinoidsystem großen Einfluss auf die Verwertung von Zucker und Energie. Wer gewohnheitsmäßig Marihuana raucht, hat im Vergleich zu Abstinenzlern eine schmalere Taille, bessere Cholesterin- und Fettsäurewerte und leidet seltener unter Insulinresistenz. Das Endocannabinoidsystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Stoffwechsels; Insulinsensibilität und -resistenz wiederum sind wichtig für die Gewichtskontrolle.

Wenig Schlaf sorgt für viel Hunger

Das dritte Hormon, Ghrelin, wird im Magen produziert. Ghrelin löst Hunger, Appetit und Nahrungsaufnahme aus, indem es Motilität, also Bewegung, und Sekretion des Magens erhöht und ihn knurren lässt. In der Erwartung von Essen steigt der Ghrelinspiegel; es reicht, daran zu denken, was es zum Mittagessen gibt, schon bekommt man Appetit. Ghrelin verlangsamt außerdem den Stoffwechsel und reduziert die Fettverbrennung des Körpers. Ein Glas Wasser oder ein Apfel vor der eigentlichen Mahlzeit vermindern die Ghrelinausschüttung. Nachts steigt der Ghrelinspiegel – gerade rechtzeitig für Heißhungerattacken, na prima. Schlafmangel wiederum erhöht den Ghrelinspiegel tagsüber und senkt den Leptinspiegel, weshalb sich inzwischen die Meinung durchgesetzt hat, dass man mehr schlafen sollte, wenn man weniger wiegen möchte.

Stimmung, Übergewicht und Entzündung hängen zusammen

Nicht nur die Nahrungsmittel, die wir uns zuführen, sind wichtig, vielmehr hat auch unser Gefühlsleben einen enormen Einfluss auf unseren Appetit. Willkommen im Bermuda-Dreieck aus Stimmung, Übergewicht und Entzündungen. Stress führt zu Entzündungen und dazu, dass man zu viel isst; Körperfett führt zu Entzündungen; Entzündungen führen zu Übergewicht und Depressionen; und unter alldem leidet unsere Gesundheit.

Eine Entzündung beeinträchtigt die Arbeit des Magens, was dem Gehirn nicht gefällt. Einige Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin werden vor allem im Magen produziert, und zwar mithilfe von Vitaminen und Aminosäuren (die Bausteine der Proteine) aus der Nahrung. Bei einer Entzündung leidet die Produktion dieser wesentlichen Neurotransmitter. Dadurch bekommt man Verdauungsprobleme, zum Beispiel Blähungen und Durchfall, und kann reizbar und depressiv sein.

Meinen Patienten gegenüber mache ich gerne den Witz: „Seien Sie ein Rassist am Herd. Nichts Weißes. Fördern Sie Minderheiten!” Hellrote und orangefarbene Nahrungsmittel, wie Rote Bete, Paprika und Kürbis, dunkelgrünes Blattgemüse, wie Kohl und Spinat, und dunkelrote und lila Früchte, wie Granatäpfel und Heidelbeeren, wirken entzündungshemmend.

Gemüse, Fisch und Joghurt helfen gegen Entzündungen

Man sollte alle stark verarbeiteten Lebensmittel meiden und Frisches essen, am besten Rohkost – Gemüse, Nüsse, Körner. Raffiniertes Weißmehl und Zucker können eine Entzündungsreaktion hervorrufen, genauso wie fettes rotes Fleisch, gesüßte Getränke und Diätlimonade, daher sollte diese Dinge gemieden werden. Vor allem sollten Sie nährstoffreiche Lebensmittel mit viel Ballaststoffen und wenig Kalorien wählen – anders gesagt: Gemüse. Sie wirken fast alle entzündungshemmend. Ingwer und Kurkuma sind Gewürze, die Entzündungen in Schach halten, setzen Sie sie also großzügig ein.

Beim Stoffwechsel fallen bestimmte Abfallprodukte an, die sogenannten freien Radikale, die sich anhäufen und eine möglicherweise zellschädigende Kettenreaktion auslösen. Man nennt das oxidativen Stress, der zu Entzündungen führt. Antioxidantien wie Beta-Carotine (die in gelben und orangefarbenen Gemüsen enthalten sind), Lycopine (Tomaten), Anthocyan (Heidelbeeren), Catechine (Grüntee), Theaflavin (Schwarztee) und Polyphenole (Rotwein, Grüntee und Schokolade) schützen das Körpergewebe gegen oxidativen Stress und gelten damit zu Recht als entzündungshemmend.

Auch Vitamin C und E, Selen und Omega-3-Fettsäuren sind Antioxidantien, genauso wie Cannabis. Vor allem Omega-3-Fettsäuren helfen, Entzündungen zu verringern. Der überwiegende Teil der Bevölkerung in unserem Kulturkreis leidet unter einem Mangel an Omega-3-Fettsäuren, weil er nicht genug Fisch isst, besonders Salzwasser-Raubfisch, wie Wildlachs, Skilfisch und Heilbutt. Omega-3-Fettsäuren sind in Algen, Fisch, Leinsamen, Hanfsamen und ihren Ölen enthalten.

Schon lange gilt Fisch als Gehirnnahrung, und das aus gutem Grund. Ängstliche und depressive Patienten haben niedrigere Omega-3-Werte, und entsprechende Nahrungsergänzungsmittel lindern die Symptome.

Zunehmend lässt die Forschung darauf schließen, dass Fischöle zur Verminderung von Impulsivität und Jähzorn dienen können und möglicherweise bei der Behandlung von ADHS und bipolaren Störungen und sogar einiger Schizophreniesymptome unterstützend wirken. Darüber hinaus können Omega-3-Fettsäuren die Verkürzung der Telomere verlangsamen und Begleiterscheinungen von Stress und Altern entgegenwirken.

Telomere sind die Schlusstücke der Chromosomen, der Erbgutträger unserer Gene. Bei jeder Zellteilung werden diese Schlusstücke kürzer – die Zelle altert und damit auch der Mensch.

Stimmt die Mischung an Darmbakterien nicht, sinkt die Stimmung

Probiotika lindern Entzündungen und helfen möglicherweise bei Depressionen. Unser Körper beherbergt alle möglichen Bakterien, Biome genannt. Geschätzte neun von zehn Zellen in unserem Körper sind Bakterien. Billionen von Bakterien in unserem Verdauungstrakt produzieren Stoffe, mit denen wir unsere Nahrung verdauen und die unseren Appetit maßgeblich beeinflussen.

Jeder Mensch verfügt über eine ausgewogene Mischung aus guten und schlechten Bakterien. Hefe und schlechte Bakterien können sich allerdings unkontrolliert vermehren, wenn die guten Bakterien sie nicht in Schach halten. Dann wird unter anderem Lipopolysaccharid (LPS) produziert, ein Endotoxin, das krank machen kann. Versuchstiere, denen LPS zugeführt wurde, entwickelten Symptome, die den klinischen Symptomen einer depressiven Störung gleichen: Appetitmangel, verlangsamte Bewegungen, Müdigkeit, Unwohlsein und Interesselosigkeit.

Die menschliche Immunantwort auf LPS kann das Risiko einer chronischen Depression erhöhen. Darüber hinaus zerstört LPS Tryptophan, den Baustein für Serotonin, und erhöht die Zytokine, die man mit Depressionen in Verbindung bringt und die wiederum Tryptophan weiter abbauen. Auf diese Weise kann die falsche Bakterienmischung in Ihrem Körper Ihre Stimmungslage negativ beeinflussen.

Die Aufnahme von Probiotika kann gegen Depressionen und Ängste helfen. Depressive Patienten haben erhöhte Werte an proinflammatorischen Zytokinen und eine reduzierte Nährstoffabsorption infolge einer veränderten Darmflora. Wenn man nun die Bakterienzusammensetzung in Magen und Verdauungstrakt verändert, können sich auch Hirnfunktion, Stimmung und Verhalten verändern.

Die Behandlung mit Probiotika senkt die Werte in drei Bereichen: Somatisierung (Klagen über Schmerzen), Depression und Wut/Feindseligkeit. Probiotika können Ihnen helfen, rationaler zu handeln, die Top-down-Kontrolle und den hemmenden Einfluss des präfrontalen Cortex stärken. Frauen, die zweimal am Tag probiotisches Joghurt essen, weisen eine stärkere Aktivität in dem neuronalen Netz auf, das den präfrontalen Cortex (der an der Entscheidungsfindung und emotionalen Kontrolle beteiligt ist) mit dem Hirnstamm verbindet (der für die Reaktion auf Schmerzen und emotionale Reize zuständig ist).
Probiotika können uns also gelassener machen. Sie beeinflussen den Neurotransmitter Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), der das Nervensystem beruhigt, Ängste verringert, Schlaf fördert und unsere Resilienz gegen Stress unterstützt.


Dieser Text ist ein Auszug aus Julie Hollands Buch: „Moody Bitches: Die Wahrheit über die Pillen, die wir nehmen, den Schlaf, der uns fehlt, den Sex, den wir vermissen, und was uns wirklich verrückt macht” (Verlag: C. Bertelsmann, 2017).

Die Abschnitte hat Carolin Haentjes ausgesucht; Theresa Bäuerlein hat gegengelesen; Martin Gommel hat das Aufmacherfoto ausgewählt (Unsplash / Allef Vinicius)