„Die Politik“ - die sind wir

„Die Politik“ - die sind wir

Rico Grimm
Verfasst von
am, etwa % Minuten Lesedauer

Es gibt zwei Sätze, die das politische Klima unseres Landes gerade prägen. Der erste geht so: „Ich kann sowieso nichts verändern!“ Der andere so: „Ich will jetzt etwas tun!“

Den ersten sagen Menschen, wenn sie gefragt werden, warum sie nicht wählen oder auf Demonstrationen gehen, warum sie keine Nachrichten schauen. Sie sagen ihn, um sich zu schützen. Vor dem Elend, der Ungerechtigkeit, den komplexen Problemen unser Zeit; vor alle den unschönen Fakten, die in ihr Leben strömen würden, wenn sie sich mit all dem näher beschäftigen würden, was jeden Tag auf der Erde passiert. Sie sagen diesen Satz aber auch, um zu begründen, warum sie beispielsweise der AfD ihre Stimme geben.

Den zweiten Satz sagen Menschen, die beschlossen haben, einen Schritt weiterzugehen. Sie bleiben nicht stehen an der Stelle, an der die anderen längst resigniert haben. Sondern werden aktiv. Vielleicht demonstrieren sie, vielleicht helfen sie Flüchtlingen. Vielleicht wissen sie aber auch noch nicht, wie sie sich am Besten einbringen können. Sie wissen aber: „Ich will mich einbringen!“

Wer diesen Satz sagt, hat den Willen, „die Politik“ zu verändern

In letzter Zeit, so kommt es mir vor, höre ich diesen zweiten Satz immer öfter. Denn die Menschen kämpfen mehr; gegeneinander, miteinander, für ihre Themen. Egal, ob sie Religion und Staat klar trennen wollen oder ob sie fordern, dass Deutschland mehr tut, um die Europäische Integration zu fördern. Ob sie ein bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland einführen oder Autobahn-Privatisierungen verhindern wollen. Oder ob Deutschland jemals wieder so vielen Menschen vermeintlich “unkontrolliert” Schutz gewähren darf wie im Herbst 2015. Der Satz fällt gerade wieder so oft, weil es plötzlich wieder um etwas geht in der Politik.

Und deswegen ist der zweite Satz auch jener, der zeigt: Vor mir sitzt ein politischer Mensch. Wer ihn sagt, hat Willen. Er muss schon einmal darüber nachgedacht haben, “die Politik” zu verändern.

Ich glaube, dass viele von Euch, die diesen Text gerade lesen, auch schon einmal überlegt haben, wie sie Einfluss nehmen können. Vielleicht habt Ihr auch sogar diesen Satz schon einmal gesagt. Meinen neuen Krautreporter-Zusammenhang widme ich Menschen wie Euch.

Wie kannst Du Einfluss nehmen, ohne dafür Dein Leben zu opfern?

Ich will darin wichtigen Fragen nachgehen: Müssen wir, um etwas zu verändern, alle wie Che Guevara oder Gandhi auf die Barrikaden gehen, egal ob friedlich oder nicht? Muss ich wirklich mein ganzes Leben opfern oder geht das vielleicht auch mit weniger Aufwand? Wer da draußen schafft es denn Tag für Tag, Einfluss zu nehmen? Und wie macht dieser jemand das? Was braucht es dafür?

Wir wollen Texte schreiben, die dieses manchmal ziemlich sperrige und abstrakte Ding “politische Veränderung” herunterbrechen, die die Menschen dahinter zeigen. Nicht nur die großen Macher - auch die vermeintlich Kleinen. Warum? Weil sich in Europa viele Menschen um ihre Demokratie sorgen.

Wir fangen dabei bei den wirklich ganz Kleinen an: Die Reise beginnt morgen mit einem Text meiner Kollegen Esther Göbel und Martin Gommel über Deutschlands erste zertifizierte Demokratie-Kita in Pinneberg in Schleswig-Holstein. Sie haben sich drei Tage lang mit an den Kindertisch und auf den Spielplatz gesetzt, um herauszufinden: Können schon Zwei- und Dreijährige lernen, Macht zu teilen und gemeinsam mit ihren Konkurrenten Lösungen zu finden? Oder, anders ausgedrückt: Wie lernt man Demokratie?

Es dauert noch 24 Stunden, bis dieser Text erscheint. Werft bis dahin einen Blick auf die anderen Ideen für meinen Zusammenhang und gebt mir Recherchehinweise. Schaut dazu einfach in diese Umfrage:

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Redaktion: Theresa Bäuerlein; Produktion: Esther Göbel; Bildredaktion: Martin Gommel