Ist es normal, wenn langjährige Partner in getrennten Zimmern schlafen?

Ist es normal, wenn langjährige Partner in getrennten Zimmern schlafen?

Susan Mücke
Verfasst von
am, etwa % Minuten Lesedauer

Meine Großeltern teilten Tisch, Stuhl und Sofa, aber nachts gingen sie stets getrennte Wege. Großvater bettete sein müdes Haupt auf der Couch im Esszimmer, während meine Großmutter sich im Schlafzimmer hinlegte. Während Opa laut und anhaltend schnarchte, versuchte sie mit Augenmaske und autogenem Training mühsam, in den Schlaf zu finden, um später dann die halbe Nacht in der Wohnung umherzugeistern. Sie konnte nie gut schlafen, er dafür umso besser.

Als Kind haben mich ihre getrennten Schlafzimmer nie verwundert. Dass meine Großeltern das Ehebett nicht teilten, tat ihrer Ehe keinen Abbruch. Sie hielt ein Leben lang. Bis heute denke ich, dass sie eine gute Lösung für ein nächtliches Problem gefunden haben, das womöglich viele Paare teilen.

Krautreporter-Leser I. hat mich deshalb gefragt, ob es normal ist, als Paar auf getrennten Schlafzimmern zu bestehen. Ich habe dazu eine kleine Umfrage unter Euch gestartet, also unter den Lesern dieser Kolumne. Diese zeigt: Etwa ein Drittel schläft getrennt. Das ist etwas mehr als der Bundesdurchschnitt, den die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin mit 10 bis 20 Prozent angibt.

Trotzdem: Nur wenige von Euch haben sich von Anfang an für die nächtliche Trennung entschieden. Geht man eine Partnerschaft ein, so ist es für die meisten erst einmal das Natürlichste, auch den nächtlichen Schlaf miteinander zu teilen. Man möchte die Nähe des anderen nicht missen, kann ohne ihn nicht einschlafen, will nicht mehr allein aufwachen. So schreibt P. über ihren Partner, mit dem sie seit mehr als 13 Jahren zusammen ist: „Es macht mich Nacht für Nacht glücklich, den Menschen, den ich am meisten liebe, ganz nah bei mir zu haben (selbst wenn er manchmal ein bisschen schnarcht).“

Einschlafrituale, bis die Augen zufallen

Für eine andere Leserin, C., ist Körperkontakt „essenzieller Bestandteil einer Partnerschaft. Es ist für mich wichtig, auch nachts den anderen zu spüren. Dazu gehören auch gewisse Einschlafrituale, wie beispielsweise nochmal über Dinge vom Tag zu reden oder einfach nur zu plappern, bis die Augen zufallen, oder auch den TV-Abend vom Wohnzimmer ins Bett zu verlegen und dort weiterzuschauen, bis man einschläft. Einschlafen ist daher auch etwas Partnerschaftliches und nicht nur zweckdienlich.“

Für Leser S. sind das Zubettgehen und das Aufwachen oft die einzigen, wenn auch kurzen Momente am Tag, die er mit seiner Frau gemeinsam und ungestört von den Aufgaben und dem Stress des Alltags und der Kinder hat. „Nur wir beide. Kuscheln oder einfach nebeneinanderliegen. Unbezahlbar!“ Und Leser B. findet gut: „Man ist dann quasi gezwungen, sich nach einem Streit wieder zu vertragen. In getrennten Schlafzimmern kann man leichter weitergrummeln.“

„Man bleibt zusammen und kann übereinander wachen“, hat mir ein anderer Leser geschrieben. Doch was, wenn das Wachen über den anderen quälend ist, der geliebte Freund zur Einschlaf- oder Durchschlafbremse wird?

Licht oder nicht, warm oder kalt, TV oder Musik?

Viele Paare entscheiden sich dann, manchmal schweren Herzens, das gemeinsame Bett aufzugeben. Die Gründe, die Ihr nennt, sind vielfältig: Sie liest im Bett – ihn stört die Nachttischlampe. Er mag die kühle Luft vom offenen Schlafzimmerfenster – sie dreht die Heizung auf 25 Grad. Er muss um 6 Uhr aus den Federn – während sie gerade zwei Stunden zuvor ins Bett geschlüpft ist. Er schaut im Bett noch fern – sie hört Musik. Er schnarcht – sie schlägt um sich.

Krautreporter-Leserin F. schreibt mir: „Mein Mann schnarcht. Seit wir getrennte Betten haben, schlafe ich viel besser. Mein Mann auch, da ich ihn nicht mehr ständig wenden muss. Er hat sich mittlerweile damit abgefunden. Ich denke, dass es für uns beide im Endeffekt harmonischer geworden ist.“ P. meint: „Wenn man den ganzen Tag zusammen an einem Projekt arbeitet, sind die acht Stunden in der Nacht alleine unabdingbar. So haben wir es über 35 Jahre glücklich ausgehalten.“ Für M. und seine Frau ist in der Woche „sowieso zu viel Stress (Arbeit, Kinder etc.). Da ist es besser, wenn beide ausgeschlafen sind bzw. kein schlechtes Gewissen haben müssen, weil sie schon wieder geschnarcht haben“, wie er schreibt. Niemand von Euch hat es bereut, in getrennte Betten gezogen zu sein. Im Gegenteil, der Schlaf ist besser geworden und die Paarbeziehung auch.

Der Mensch verbringt durchschnittlich etwa ein Drittel seiner Lebenszeit mit Schlaf. Dabei leidet jeder vierte erwachsene Deutsche unter Schlafstörungen, wie das Robert Koch Institut im Rahmen seiner Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland ermittelt hat. Etwa ein Drittel der Befragten hatte während der vergangenen vier Wochen sogar potenziell klinisch relevante Ein- oder Durchschlafstörungen. Letztere sind mit 23 Prozent häufiger als Einschlafstörungen mit 11 Prozent. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer, alte Menschen mehr als junge.

60 Prozent der Frauen, aber nur 20 Prozent der Männer haben Schlafprobleme

Fast 60 Prozent aller Frauen haben Schlafprobleme, aber nur 20 Prozent der Männer. Zusätzlich klagt jeder fünfte Erwachsene darüber, schlecht zu schlafen, mit den entsprechenden Folgen wie Tagesmüdigkeit, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme. Das liegt womöglich auch am gemeinsamen Ehebett. Zumindest laut einer Untersuchung der Universität Ryerson aus Toronto. Sie zeigt, dass zwei Menschen, die in einem Bett schlafen, nie in völligen Tiefschlaf sinken, da ihr Gehirn stets die Bewegungen und die Geräusche des anderen registriert.

Schlaf ist so individuell wie Ernährung, jeder schläft anders, und die Gewohnheiten ändern sich im Laufe des Lebens. Dennoch gibt es fundamentale Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nach Ansicht des Schlafforschers Gerhard Klösch hat das auch evolutionäre Gründe. Klösch meint, Frauen schlafen unruhiger und schlechter, wenn ein Mann mit im Bett ist. Bei Männern ist es umgekehrt. Sie schlafen besser mit einer Frau. Er sieht das darin begründet, dass Frauen so konditioniert zu sein scheinen, dass sie sich auch in der Nacht verantwortlich fühlen. Das Schlafen beim Partner bedeute für sie dann Schlafen an der Arbeitsstelle Familie.

So war es womöglich auch bei Krautreporter-Leserin S., bevor sie sich nach einer intensiven Familienphase einen eigenen Raum gewünscht und genommen hat. „Vorteil: Jeder hat seinen Rückzugsort. Jeder kann seinen Rhythmus leben, ohne den anderen zu stören. In beiden Räumen stehen große Betten und so können wir problemlos auch miteinander übernachten, wenn wir das wollen.“ Aber natürlich, dazu braucht man eben auch ausreichend Platz, ein zusätzliches Bett, einen extra Raum, den Familien oder junge Paare oft nicht haben.

Getrennte Betten – Stimmt da etwas nicht?

Hinzu kommt: Getrennte Betten haben noch immer mit einem schlechten Image zu kämpfen. Auf ihnen lastet ein Tabu, denn viele Leute vermuten dahinter fälschlicherweise gleich Beziehungsstress oder eine Ehekrise. Doch das ist keineswegs der Fall, wie auch der Blick in andere Länder beweist: Nach einer 2005 veröffentlichen Studie der „National Sleep Foundation“ schläft bereits eins von vier US-Pärchen in getrennten Betten.

Es ist also durchaus normal, wenn langjährige Partner in getrennten Zimmern schlafen, lieber I. Sie können für einen gesünderen Schlaf sorgen und reduzieren nachweislich Stress. Das Schlusswort gehört diesmal Krautreporter-Leserin Christine. Sie schreibt: „Ungestörter Schlaf ist allemal besser als gegenseitiges Nerven, weil man mit diversen Schlafgewohnheiten des Partners nicht zurechtkommt.“ Na dann: Gute Nacht!


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Redaktion: Esther Göbel; Fotoredaktion: Martin Gommel; Produktion: Vera Fröhlich