„Nachrichten sind so was von over!”

„Nachrichten sind so was von over!”

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Mein Tag beginnt mit einem kurzen Browsen der Online-Schlagzeilen. Dazu manchmal Comedy-Formate wie NeoMagazin Royale, Daily Show oder John Oliver. Eine Zeit lang habe ich meine Nachrichten fast ausschließlich über Facebook konsumiert. Das habe ich jetzt sein gelassen. Facebook ist wie Heroin. Stattdessen setze ich mich jetzt auf den Balkon mit meiner Tasse Tee und starre in die Luft.

Abos von gedruckten Zeitungen oder Magazinen habe ich keine mehr. Es gibt auch keine mehr, die ich regelmäßig kaufe. Auch auf Reisen lese ich kaum mehr. Früher habe ich fette Schinken wie „Krieg und Frieden“ verschlungen, jetzt reicht meine Aufmerksamkeitsspanne kaum mehr für Blogposts. Wenn, dann höre ich Audiobooks, meist Fachliteratur, von Ökonomie bis zu künstlicher Intelligenz und Spiritualität.

Im Netz browse ich in der Regel die Schlagzeilen von Die Zeit, ORF und der Tehran Times. Manchmal auch Bild oder Kronenzeitung, aber die verursachen meist Augenkrebs vor lauter bunten Bildern und schreienden Fonts, was nervend ist, sonst würde ich öfter Boulevard lesen. Apropos Boulevard: Da ich jetzt in Berlin lebe, vermisse ich die Wiener U-Bahn-Zeitung Heute. Very entertaining. Man kann sie zwar auch online lesen, aber das ist nicht dasselbe Erlebnis.

Bei kontroversen Themen versuche ich mir einen möglichst weiten Überblick zu verschaffen, sowohl international als auch national. Interessant ist, dass österreichische Zeitungen meist objektiver berichten, wenn es um kontroverse deutsche Themen geht oder um Inhalte, bei denen deutsche Medien selbst einen blinden Fleck haben. Umgekehrt gilt dasselbe. Auch fand ich es spannend, dass beispielsweise die Tehran Times 2015 ausgewogen über die Anschläge in Beirut und am Tag darauf in Paris berichtet hat, während die meisten europäischen Medien Beirut maximal als Nebenschlagzeile erwähnt haben. Sogar Die Zeit – bis ein Shitstorm in den sozialen Netzwerken die Redakteure der Zeitungen gezwungen hat, diesen heftigen Bias zumindest etwas zu korrigieren.

Nachrichten sind so was von over! Was Blogs betrifft, lese ich vor allem solche, die mit dem Thema Blockchain zu tun haben: wie coindesk.com zum Beispiel. Ich folge auch vielen Vordenkern aus diesem Bereich auf Medium. Überhaupt ist medium.com zu meinem bevorzugten Medium geworden. Wenn ich ganze Posts oder Artikel lese, dann dort.

Wer wissen will, wie Blockchains als dezentrale Datenbanken funktionieren, findet hier eine verständliche Erklärung.

Eine wichtige Quelle ist für mich außerdem Youtube. Bis irgendwer irgendwas als Buch publiziert hat, ist es gerade im Technologiebereich schon wieder irrelevant. Deshalb schaue ich mir bei Youtube viele Konferenzen und TED-Talks und so weiter an. Da findet man alles! Von russischen Autobahnvideos (I love them!) bis zur Inauguration von Trump im CNN-Livestream kann ich mir auf Youtube alles ansehen. Ein Podcast, den ich mag, ist Computer & Kommunikation vom Deutschlandfunk. Klassisches Fernsehen sehe ich kaum, obwohl ich zu Hause einen riesigen TV-Screen habe.

https://www.youtube.com/watch?v=WwjrEMTnoLc

Wenn ich ein Buch lese, dann meist auf meinem Smartphone, Tablet oder Computer. Daran, wann ich das letzte Buch gelesen habe, kann ich mich gar nicht erinnern. Aber ich habe gestern einen coolen Film im Kino gesehen, wohin ich im Übrigen dank Netflix und so auch nicht mehr oft gehe. Moonlight. Absolut sehenswert und der beste Film seit langem.

„Moonlight“ ist ein mehrfach ausgezeichneter Spielfilm, der auf dem Theaterstück „In Moonlight Black Boys Look Blue“ basiert. Der Film handelt vom Leben eines homosexuellen Afroamerikaners im Miami der Achtzigerjahre und später in Atlanta. Der Film hat auf der Rezensions-Sammelplattform Metacritic eine durchschnittliche Bewertung von 99 Prozent, was ihn dort zum viertbesten Film aller Zeiten macht. Bei den Golden Globes wurde er 2017 als bestes Filmdrama ausgezeichnet. Und schließlich gewann „Moonlight“ den Oscar als bester Film des Jahres.

Sehr wichtig ist für mich außerdem der Musikdienst Soundcloud. Ohne Soundcloud könnte ich nicht leben. Da gibt es das breiteste Spektrum an Crossover- und Indie-Musik jeglicher Nationalität. Dagegen können sich iTunes und Spotify mit ihrem Repertoire verstecken. Und gute Podcasts gibt es bei Soundcloud auch.


Shermin Voshmgir ist Gründerin des BlockchainHubs, lehrt als Gastdozentin zum Thema Blockchain am Institut für Informatik der Wirtschaftsuniversität Wien und spricht auf Konferenzen zu Themen wie Blockchains, Smart Contracts und der Zukunft des Internets. Zusätzlich zu ihrer Promotion in Wirtschaftsinformatik hat sie die Filmschule in Madrid besucht. Die gebürtige Wienerin mit iranischen Wurzeln lebt seit vielen Jahren in Berlin.

Oben kann man einen Vortrag von Shermin Voshmgir über die Blockchain und die Zukunft der Demokratie ansehen.

In der von Christoph Koch betreuten Rubrik Medienmenü stellen regelmäßig interessante Persönlichkeiten die Medien vor, die ihr Leben prägen. Ihr könnt per Mail an christoph@krautreporter.de vorschlagen, wen er porträtieren soll.

Illustration: Veronika Neubauer, Foto: privat; Produktion: Vera Fröhlich.