Das Medienmenü von Mathias „Matze” Hielscher

„Meine Frau ist ein bisschen in Moritz von Uslar verliebt, da muss ich natürlich schauen, was der so treibt”

etwa 4 Min. Lesedauer

Mein Medienkonsum fängt erst um neun Uhr im Büro an. Ich habe Facebook und meine Mails vom Handy genommen, weil ich die ersten zwei Stunden des Tages allein mit der Familie verbringen möchte. Um 09.00 Uhr geht es dann aber los. Ich lese eigentlich täglich den Checkpoint Newsletter vom Tagesspiegel. Ich mag die Schreibe von Lorenz Marold und frage mich, wie lange er dieses Arbeitspensum noch durchhalten wird. Danach schaue ich bei Nuzzel vorbei. Dieser Dienst stellt mir die Nachrichtenartikel zusammen, die von den Menschen, denen ich auf Twitter folge, am häufigsten empfohlen wurden. Dann landen auch schon die ersten Artikel in unserem Redaktions-Chat bei Slack. Um 10.00 Uhr haben wir Redaktionskonferenz, danach wird eigentlich nur noch wenig konsumiert und dafür mehr selbst produziert.

Ich gehe eigentlich kaum auf Nachrichtenseiten. Berlin-News kommen vom Tagesspiegel Checkpoint und von der live.Morgenpost, der Rest sammelt sich auf Social Media zusammen. Dafür liebe ich Magazine, Podcasts und Newsletter. Magazine lese ich auf der Couch oder im Café, Podcasts höre ich eigentlich immer, sobald ich mich fortbewege oder ich die Spülmaschine ausräumen muss. Ich habe das Monocle-Magazin im Abo, weil die das einfach wahnsinnig gut machen und es hinbekommen, dieses Gefühl „Quality Time“ in ein Magazin zu übersetzen. Ich lese außerdem regelmäßig die Welt am Sonntag – meiner Meinung gerade die beste Wochenzeitung.

Bei Podcasts wird es wild: Ich mag die Interviews der Tim Ferriss Show, unsere eigenen Podcasts Sexvergnügen und Beste Freundinnen. Ich lache sehr bei „Fest und Flauschig“ mit Schulz und Böhmermann und inspiriere mich beim Digiday-Podcast. Im Bereich Newsletter habe ich neben dem eingangs erwähnten Checkpoint noch Contently und NiemanLab abonniert, weil sie super über die Welt des Publishings berichten.

„Fest und flauschig“ ist ein wöchentlicher Podcast der Fernseh-Satirikers Jan Böhmermann und des Musikers Olli Schulz. Der Podcast ging aus der wöchentlichen Radiosendung „Sanft und sorgfältig“ hervor, die die beiden von September 2012 bis April 2014 sonntags auf dem Berliner Sender Radioeins gemeinsam bestritten. Die Gesprächssendung – die unter anderen auch vom Hessischen Rundfunk, Radio Bremen NDR und BR übernommen wurde – widmete sich jede Woche einem bestimmten Oberthema, die Unterhaltung wurde nur gelegentlich von Musik unterbrochen.
Im April 2016 – zeitgleich, aber inhaltlich unabhängig vom Skandal um das Erdogan-Gedicht Böhmermanns – wurde bekannt, dass die beiden mit ihrer Sendung zum Streamingdienst Spotify wechseln würden. Dies sorgte für einen kleinen Skandal, da die beiden 2013 in ihrer Radioeins-Sendung Spotify noch als „so eine Scheiß-Plattform, wo der Künstler keine Kohle bekommt“ bezeichnet hatten. Dennoch, so hieß es, sei der Wechsel vor allem aufgrund eines deutlich höheren Honorars für die beiden erfolgt, das Spotify im Vergleich zum RBB (Radioeins) zu zahlen bereit sei.
Inhaltlich verändert hat sich die Sendung trotz des Heimats- und Namenswechsels kaum. Einer der wenigen Unterschiede: Wo beim Radio ein vorgegebenes Zeitfenster gefüllt werden musste, dauert die Sendung nun so lange, wie es inhaltlich sinnvoll und angemessen ist.

Blogs lese ich dagegen kaum noch. Gibt es die überhaupt noch? Haha. Für mich sind das inzwischen Instagram und Snapchat-Kanäle.

Auf Reisen bleibt das Handy zu Hause. Ich packe mir meinen Kindl voll mit Büchern und höre Podcasts. In diesem Jahr war ich besonders vom neuen Stuckrad-Barre Buch „Panikherz“ begeistert. Ich war schon immer Fan von ihm, hier haut er alles weg. Supergut. Im Urlaub davor habe ich einen Krimi von Wolf Haas gelesen. Generell mag ich düstere und lustige Krimis, sollte aber mehr Sachbücher lesen.

https://www.youtube.com/watch?v=Dl0DofNhueM

Ich lese sehr gern, was Ronja von Rönne und Frederic Schwilden schreiben. Meine Frau ist ein bisschen in Moritz von Uslar verliebt, da muss ich natürlich schauen, was der so treibt.

Wenn mich an Medien etwas insgesamt nervt, dann, dass viele Medienhäuser nicht mit dem Gaspedal umgehen können. Mal fahren sie 220, wenn 30 angemessen wäre, und dann bleiben sie plötzlich stehen, obwohl die Straße frei ist.

Ein festes Medienritual ist für mich, wirklich jede Woche „Fest und flauschig“zu hören. Das muss sein, das ist bei uns auch immer Thema im Büro. Man will ja nicht sagen: Nein, habe ich noch nicht gehört.

Die letzten Abende habe ich übrigens vor Musical.ly verbracht. Für jemanden, der nicht singen kann, aber sehr gern singt, die schönste Erfindung. Leider, leider bin ich zu alt, da mitzumachen. Aus mir hätte ein Musical.ly-Star werden können.

musical.ly ist ein Soziales Netzwerk, bei dem Nutzer kurze Videos einstellen und miteinander teilen können. In der Regel veröffentlichen die „Muser“ genannten Nutzer kurze Playback-Clips, in denen sie zu Musikstücken tanzen oder lippensynchron „singen“. Die App ist vor allem bei jungen Nutzern sehr beliebt und gilt deshalb als „das nächste große Ding“ nach dem für manche Erwachsenen ebenfalls nur noch schwer zu verstehenden Netzwerk Snapchat. Im Video oben (englisch) erklärt eine der erfolgreichsten „Muserinnen“ die Funktionsweise der musical.ly-App.


Mathias „Matze“ Hielscher, 36, hat zusammen mit Pierre Türkowsky vor sechs Jahren das digitale Stadtmagazin Mit Vergnügen gegründet. Die Berufsbezeichnung „Herausgeber“ findet er aber zu hochtrabend. „Hausmeister“ passt.

Vor seiner Karriere als Stadtmagazin-Hausmeister spielte Mathias Hielscher von 1999 bis 2010 in der Band „Virginia Jetzt!“ (siehe Video oben) Bassgitarre. Auch als Politiker hätte ihm aber sicher eine glänzende Karriere offen gestanden (siehe Foto unten).

Mathias Hielscher

Foto: privat

In der von Christoph Koch betreuten Rubrik Medienmenü stellen regelmäßig interessante Persönlichkeiten die Medien vor, die ihr Leben prägen. Ihr könnt per Mail an christoph@krautreporter.de vorschlagen, wen er porträtieren soll.

Illustration: Veronika Neubauer.