„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so viele Bücher auf meinen Smartphone lesen würde“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so viele Bücher auf meinen Smartphone lesen würde“

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Meine Tage beginnen damit, dass ich die morgendlichen Artikel auf Fusion durchlese, wo ich als Chefredakteur arbeite. Danach hüpfe ich rüber zu Twitter und schaue nach, was dort so los ist. Das ist ein einigermaßen langweiliges Ritual, aber es ist schnell und erfüllt den Zweck. Bei Twitter folge ich eher Einzelpersonen als Organisationen - ich habe den Eindruck gewonnen, dass das interessanter und lohnender ist. Ich versuche vor allem Leuten zu folgen, deren Interessen in den Bereichen Kultur und Technologie sich auf besondere Art mit meinen überschneiden. Das können Historiker sein, die sich mit dem Mittelalter beschäftigen, Programmierer aus Tijuana oder Aktivisten, die Twitter als taktisches Werkzeug nutzen.

Ein App, die ich in der letzten Zeit immer häufiger benutze, ist Nuzzel, eine Art externe Erweiterung für Twitter.

Die beiden Nachrichtenseiten im Netz, auf denen ich die meiste Zeit verbringe, sind die der New York Times und die der Washington Post. Ebenfalls sehr wichtig für mich sind die Online-Magazine Nautilus, Aeon, Mosaic Science, Tech Review und IEEE Spectrum. Zwei sehr empfehlenswerte Blogs, die ich regelmäßig lese sind VerySmartBrothas und BrainPickings.

Gedruckt lese ich nach wie vor Magazine wie „The Atlantic“, wo ich früher gearbeitet habe, und „Harper’s“. Außerdem die New York Times. Ich bin außerdem ein Fan von Kunstmagazinen wie beispielsweise Juxtapoz.

Wenn ich auf Reisen bin, lese ich meistens E-Books auf meinem Smartphone. Das ist vielleicht die für mich überraschendste Veränderung in meinem Medienverhalten: wie viel Bücher ich inzwischen auf dem kleinen Bildschirm meines Telefons lese. Das hätte ich früher nie im Leben für möglich gehalten.

Bücher, die ich gerne mag, sind beispielsweise die Romane von Junot Diaz und Valerie Luiselli. Außerdem lese ich eine Menge historische Sachbücher, vor allem über die soziale und ökologische Geschichte der San Francisco Bay Area.

Ein Buch, das mich kürzlich sehr beeindruckt hat, war „The Warmth of Other Suns“ von Isabel Wilkerson. Es beschreibt die Wanderung der Afroamerikaner aus dem Süden der Vereinigten Staaten in die Städte des Nordens und der Westküste. Ein sehr schönes, wenn auch herzzerreißendes Buch.

Klassisch ausgestrahltes Fernsehen schaue ich nicht mehr sehr oft. Dafür gebe ich so ziemlich jeder neuen Show auf Netflix eine Chance. Dort gibt man den Machern offenbar so viel Freiheit und Kontrolle, dass sich jede Serie irgendwie eigen und besonders anfühlt.

Es gab in der jüngsten Vergangenheit eine Debatte im Onlinejournalismus, ob der klassische Artikel überholt sei. Ob man stattdessen in „Particles“ denken müsse, also in Bestandteilen und Einzelinformationen, die sich dann immer neu zu Artikeln oder ähnlichem formieren. Ich glaube daran nicht so recht. Ich denke, dass die grundlegenden Moleküle von Onlinejournalismus immer Artikel sein werden. Um die mache ich mir keine Sorgen. Es ist eher ihre Verpackung - also die Orte, an denen sie veröffentlicht werden - die mehr und mehr in Schwierigkeiten steckt.


Alexis Madrigal ist Chefredakteur der Online-Plattform Fusion. Zuvor arbeitete er als Redakteur für The Atlantic und Wired. 2011 erschien sein Buch „Powering the Dream“, in dem es um die Geschichte und um Versprechungen ökologischer Technologie geht.


In der von Christoph Koch betreuten Rubrik „Medienmenü stellen alle zwei Wochen interessante Persönlichkeiten die Medien vor, die ihr Leben prägen. Hier findet ihr die bisherigen Medienmenü-Folgen. Ihr könnt per Mail an christoph@krautreporter.de vorschlagen, wen er in zukünftigen Folgen porträtieren soll. Oder gleich hier: